Patchwork Teams

Ein Beitrag von Kerstin von Appen. Bei der Personalberatung i-potentials besetzt sie als Executive Search Consultant digitale Fach- und Führungspositionen in Medienhäusern und ist Expertin für digitale Transformationsthemen.

Neue digitale Anforderungen bringen neue Kultur mit sich

Verändern und mithalten oder untergehen ist eigentlich eine alte Weisheit der Geschäftswelt. Unternehmen stellen ihre Geschäftsmodelle also auf die digitalen Anforderungen um und sind dabei mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Dass das nicht leicht ist, liegt auf der Hand. Und wie es immer ist bei Veränderungen: Es gibt Unsicherheiten, Zweifel und Hindernisse. Es hilft aber nichts, es ist wie mit Karies. Eine Zeit lang kann man vielleicht noch so tun, als wäre nichts, aber langfristig muss man doch mal genauer hinschauen und die Sache angehen.

Hat sich nur die Technologie verändert oder hält mit den Veränderungen auch eine ganz neue Kultur in Unternehmen und Geschäftsmodelle Einzug? Nicht geändert hat sich auf jeden Fall, dass Menschen zusammenarbeiten und miteinander auskommen wollen und müssen.

Wie kann sich ein Unternehmen also fit machen für den digitalen Wandel?

Wie stellt man Teams zusammen, die das Beste aus beiden Welten, aus der Old und aus der New Economy, zusammenbringen? Die Veränderungen mutig, nachhaltig und auch mit einer Prise Verrücktheit wirklich voranbringen? Was macht Teams aus, die das Zeug dazu haben, den Wandel anzuschieben und nachhaltig zu verankern?

Wichtig ist es, Menschen zusammen zu bringen, die noch keinen vordefinierten Umgang mit Themen haben, die nicht alle gleich „ticken“ und sich mit einem „Wir sind so und machen das auf diese Weise“ zufrieden geben.

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Zusammenarbeit ist auch immer ein bisschen wie Familie, im Fall digitaler Transformationsthemen wie in einer bunt gemischten Patchwork-Familie. Da gibt es verschiedenste Rollen und Charaktere. Die Elternrolle, die Mutter der Kompanie, die alles zusammenhält. Das wilde Kind, das nicht erwachsen werden will. Den Tüftler, der immer alles noch ein bisschen genauer wissen will.

Den Handwerker, der die Ärmel hochkrempelt. Den Aufpasser, der lieber alles nochmal prüft. Den Träumer, der mehr in der Zukunft als im Hier und Jetzt lebt. Den Übersetzer, der die verschiedenen Strömungen im Team erkennt und die richtige Sprache für alle findet. Und natürlich noch jede Menge gute Freunde und Bekannte.

Die einzelnen Charaktere der Patchwork-Familie

Die Mutter der Kompanie: Gibt das Ziel und die Richtung vor und gewinnt die Familie für die digitale Vision. Wenn’s mal eng wird, trifft sie die Entscheidungen und hält alle zusammen. Diese Führungspersönlichkeit bringt umfangreiche Fach- und Lebenserfahrungen mit und hat dadurch die nötige Portion Überblick und Gelassenheit für turbulente Zeiten. Sie weiß aber auch, dass sie nicht alles kann und bringt ihre Leute immer wieder für einen Wissensaustausch zusammen.

Das wilde Kind: Ist mit allen digitalen Wassern gewaschen, hat immer neue Ideen im Kopf, lässt sich durch nichts einschüchtern und will den nächsten Schritt gehen. Das wilde Kind nervt bestimmt manchmal, bringt mit seiner Hemmungslosigkeit aber Themen voran und mischt das Team immer wieder auf.

Der Tüftler: Der neugierige Fachexperte, der sich in digitale und technische Themen vertieft, unterschiedlichste Ansätze kennt und die anderen beraten kann. Der weiß, welche Lösung für welche Fragestellung passt. Tüftler braucht man am besten gleich mehrere, je nach Themengebiet.

Der Handwerker: Der Umsetzer, der die Ärmel hochkrempelt und neue Themen anpackt. Ob mit oder ohne Bedienungsanleitung, Hauptsache, es passiert was und er kann Ergebnisse sehen. Dabei steckt er die anderen mit seiner Schaffenslaune an und gibt gleich noch was von seinem Digital-Know-how und seinen Learnings weiter.

Der Aufpasser: Hat die Zahlen und Rahmenbedingungen im Blick, ist zum Beispiel ein erfahrener Controller oder Projektmanager, weist auf Schwachstellen hin und piekst in Wunden herum, die die anderen vielleicht gern übersehen möchten. Das kann natürlich anstrengend sein für die, die ein Thema einfach nur schnell voranbringen wollen. Aber er achtet darauf, dass alle nochmal genau hinschauen.

Der Träumer: Dem wilden Kind irgendwie ähnlich, aber nicht so aufrührerisch. Er ist auf Foren und Veranstaltungen unterwegs, manchmal sitzt er vielleicht auch nur still in der Ecke, ist aber nicht untätig! Er denkt schon um die nächste digitale Ecke, hat Trends und Entwicklungen im Blick, ist in der Zukunft unterwegs und überrascht die anderen mit seinen Visionen.

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Der Übersetzer: Ein bisschen die gute Seele, der Feelgood-Manager, der die unterschiedlichen Charaktere immer wieder am (Küchen)tisch zusammenbringt. Er oder sie kennt sich bestenfalls sowohl in der analogen als auch in der digitalen Welt aus, erkennt Stimmungen und Konflikte und schafft ein Forum für die vielen guten Ideen im Team.

Jede Menge gute Freunde und Bekannte – das sind die Berater und Mentoren mit unterschiedlicher Fachexpertise, die die Ideen des Teams wohlwollend begleiten, beim Sortieren, Aufräumen und Voranbringen helfen, Rat geben und Mut machen. Aussprechen, wenn etwas in die falsche Richtung läuft. Und immer wieder zum Weitermachen ermuntern.

Wie hält man diesen Haufen nun zusammen?

Um die digitale Transformation wirklich voranzubringen, ist besonders in Umbruchzeiten eine gute Mischung aus tiefer Fachkenntnis und flexiblen Einstellungen, eine gewisse Hemmungslosigkeit und Toleranz für Imperfektion essentiell.

Das führt ja fast zwangsläufig zu Reibereien, Unverständnis und Konflikten. Hier ist eine starke Führungskraft gefragt, die die Patchworkfamilie führt, Themen moderiert und die Familie zusammenhält.

Die Führung solcher disruptiv veranlagter Teams gelingt am besten über eine gemeinsame Vision und über gemeinsam definierte Werte. Also auch über die Vereinbarung von Regeln. Gelebte Eigenverantwortung muss ein selbstverständliches Charaktermerkmal aller Teammitglieder sein, damit alle darauf vertrauen können, dass jeder seinen optimalen Beitrag für die gemeinsamen Projekte leistet. Hieraus folgt das beruhigende Wissen, sich aufeinander verlassen zu können. Und für die nächsten Veränderungen gewappnet zu sein.

5 Take-Aways aus dem Patchwork-Family-Style für die Zusammenstellung von Transformations-Teams:

  1. Vielfalt! Bringt verschiedene Typen und Charaktere und unterschiedlichstes Fach-Knowhow zusammen.
  2. Etabliert eine Kultur des Voneinander-Lernens und seid offen für unterschiedliche Herangehensweisen.
  3. Schätzt unterschiedliche Berufs- und Lebenserfahrungen. Der wilde Hands-on-Typ kann vom nachdenklichen Sortierer lernen. Und umgekehrt.
  4. Sucht immer wieder den Blick von außen und gebt Euch nicht mit eingefahrenen Denkrichtungen und Verhaltensweisen zufrieden.
  5. Lebt den Wandel! Die nächste Veränderung kommt sowieso, entwickelt also Ideen und Strategien, aktiv damit umzugehen.
Bild: enr83 / PantherMedia