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Student Dejian Zeng arbeitete unerkannt für eine NGO bei einem Apple-Zulieferer

30 Sekunden – so lange hat es gedauert, bis Dejian Zeng seinen Job in der iPhone-Fabrik des chinesischen Auftragsherstellers Pegatron hatte. Ausweischeck, Hände zeigen und das englische Alphabet runterbeten, dann kann es losgehen. Der Student hat sich beim Apple-Vertragspartner eingeschlichen, um die dortigen Arbeitsverhältnisse zu dokumentieren. Der Spiegel hat nun ausführlich mit Zeng gesprochen und seine Erfahrungen aus dem Jahr 2016 noch einmal aufgeschrieben.

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Mit einem Börsenwert von 800 Milliarden Dollar steht Apple weltweit an der Spitze der wertvollsten Unternehmen. Produzieren lässt der Tech-Riese hauptsächlich dort, wo es wenig kostet: in Asien. Bei Zulieferern wie Pegatron und Foxconn schrauben hunderttausende Mitarbeiter die neuesten Geräte in Fließbandarbeit zusammen. Die Arbeitsbedingungen, unter denen sie das tun, seien unmenschlich – so lautet seit Jahren der Vorwurf. Weltweit in die Schlagzeilen kamen die Zustände in den Fabriken vor allem im Jahr 2010, als sich fast 20 Arbeiter das Leben nahmen.

Zeng schleuste sich für die amerikanische NGO China Labor Watch bei Pegatron ein, das auch für Tech-Unternehmen wie Microsoft und Sony produziert. Laut Spiegel soll der Student sechs Wochen lang in der iPhone-Fabrik gearbeitet haben.

70.000 Menschen würden dort von Montag bis Samstag arbeiten, berichtet Zeng. Maximal 60 Stunden pro Woche und zu einem fairen Gehalt bei angemessenen Bedingungen – so zumindest die Theorie von Apple. Die Realität erlebte Zeng anders.

  • Die Unterbringung: Zeng wohnte in einem Zimmer mit sieben anderen Arbeitern. Das Bad teilte er sich mit 160 Männern.
  • Die Arbeit: Wie der Spiegel berichtet, begann für Zeng um 19.30 Uhr die erste Nachtschicht mit 200 anderen Menschen. Seine Aufgabe war es, die Lautsprecher an den iPhones zu befestigen. Heißt: Winzige Schrauben aus dem Behälter nehmen und ins Gehäuse drehen. Eine alle 23 Sekunden, macht 1.800 pro Tag.
  • Der Arbeitsplatz: ein Hocker ohne Lehne am Band. „Am Ende des Tages konnte ich meinen Oberkörper kaum noch aufrecht halten“, zitiert der Bericht den Studenten.
  • Die Pausen: Alle zwei Stunden durften die Arbeiter für zehn Minuten durchatmen. Dann ging Zeng zunächst zur Toilette und trank etwas. Später schlief er wie viele andere Arbeiter kurz auf dem Band. 50 Minuten Mittagessen, 30 Minuten Abendessen – beides unentgeltlich.
  • Die Strafen: Als Zeng einmal während der Arbeitszeit einschlief, musste er für den Rest der Schicht im Stehen weiterarbeiten.
  • Die Verpflegung: Nudeln und Hühnchen gab es mittags und abends, manchmal noch einen Apfel. Als Zeng das Fabrikgebäude und die Schicht wechselte, fiel das Abendessen weg – kein Essen für neun Stunden.
  • Die Bezahlung: „Überstunden waren Pflicht“, berichtet der Student im Interview mit Carnegie Council. Von 60 Wochenstunden und freiwilligen Überstunden war vor Arbeitsbeginn die Rede. Zeng arbeitete 72 Stunden pro Woche, um nach Abzug der Kosten für Unterkunft und Verpflegung umgerechnet 455 Euro zu bekommen. Das reicht kaum zum Leben in Shanghai.

Ohne Überstunden wäre das Überleben kaum möglich

Im Jahr 2016 hat Pegatron zwar die Gehälter der Mitarbeiter angehoben, aber gleichzeitig Ausgleichszahlungen für Essen und Bonuszahlungen gestrichen. Alles in allem verdienen Arbeiter in der Fabrik in Shanghai 23 Prozent weniger als noch im Vorjahr, rechnet Zeng vor. Der Student hofft auf Druck von außen, damit sich die Bedingungen verbessern. Denn einen Streik brauchten die Manager dort nicht zu befürchten, glaubt Zeng: Dafür seien die Mitarbeiter zu unorganisiert.

Bild: Screenshot Youtube