Der Facebook-Macher

Wer ist das überhaupt, der da am Montag nach Berlin zu Bundeswirtschaftsminister Philip Rösler kommt? Das Tech-Promi-Lexikon zu Peter Thiel.

Claim to fame: Peter Thiel gilt als extrafeine Investorennase: Er steckte als Mitgründer Geld in Paypal und war Facebooks erster Geldgeber – 2004 investierte er 500.000 US-Dollar, als das Unternehmen noch eine kleine Butze war. Dafür bekam er zehn Prozent des noch nestwarmen Netzwerks. 2012 verkaufte er nach Ablauf der Haltefrist den Großteil seiner Aktien für 400 Millionen US-Dollar.

Ehrentitel: „Das schräge Superhirn aus dem Internet“ (FAZ) – klingt wie ein Louis-de-Funes-Film aus der Spätphase.

Kleingeld: „Forbes“ schätzte sein Vermögen im März auf 1,8 Milliarden US-Dollar.

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Bio: 1967 wird Thiel in der Nähe von Frankfurt am Main geboren. Als er ein Jahr alt ist, wandert seine Familie in die USA aus. Thiel studiert Philosophie und Rechtswissenschaften, arbeitet kurze Zeit als Anwalt, dann als  Investmentbanker in New York. 1998 trifft er Max Levchin, investiert 280.000 US-Dollar in dessen kleinen Bezahldienst, wird Mitgründer und Gesellschafter. Sie geben ihrem Unternehmen den Namen PayPal. 2005 kauft Ebay PayPal für 1,5 Milliarden US-Dollar, CEO Thiel verdient daran etwa 68 Millionen. Im gleichen Jahr gründet Thiel zusammen mit Ken Howery und Luke Nosek die Wagniskapitalgesellschaft The Founders Fund, mit dem er früh in Firmen wie Facebook, SpaceX, slide.com, LinkedIn, Friendster, Yelp, Vator und SmartDrive Systems investiert. Außerdem gründet er den Zwei-Milliarden-Hedgefonds Clarium Capital.

Buddys: Er gilt als „Don“ der PayPal-Mafia, jenem illustren Kreis der Paypal-Gründer und ersten Mitarbeiter, zu dem unter anderem auch der damalige Web-Designer Chad Hurley (gründete später You Tube), Elon Musk (Tesla, SpaceX), Russel Simmons (Yelp) und Reid Hoffman (Linkedin) zählen.

Philosophie: Thiel ist leidenschaftlicher Libertärer. Angeblich sollte PayPal nach seiner Vision nicht nur Geld einbringen, sondern auch eine Weltwährung erschaffen – die nicht von den Zentralbanken kontrolliert werden und auf die niemand Steuern erheben kann. Den Republikanern steht er näher als den Demokraten, sympathisiert auch mit der rechtskonservativen Tea-Party-Bewegung. Angeblich unterstützte er finanziell auch eine Anti-Einwanderungs-Initiative – ebenso spendete er aber auch an eine Pro-Marihuana-Kampagne.

Demokratie und unternehmerische Freiheit hält Thiel für nicht kompatibel, deswegen ist er stets auf der Suche nach Fluchtszenarien aus der staatlichen Kontrolle. Zum Beispiel Parti Friedmans Seasteading-Projekt, das auf schwimmenden Platformen im Meer autonome Siedlungen errichten will, unbehelligt von Bürokratie und Gesetzgebung. Außerdem fördert Thiel die Methusalah Foundation, die lebensverlängernde Technologien erforscht – angeblich soll er als Paypal-CEO seinen Angestellten als Sonderzulage auch angeboten haben, ihren Körper nach dem Tod einfrieren zu lassen, um derart schockgefrostet des wissenschaftlichen Durchbruchs zu harren.

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Startup-Connection: Obwohl er selbst die Eliteuni Stanford besuchte, ist Thiel kein Fan konventioneller Ausbildung. Seine Stiftung „20 under 20“ vergibt darum Stipendien an 20 gründungswillige junge Menschen, die für jeweils 100.000 US-Dollar Starthilfe ihr Studium schmeißen. Damit will er die nach seiner Ansicht immer schwachbrüstigere Innovationskraft in der Techbranche stärken. Anwärter auf den Gründungszuschuss lässt Thiel Besinnungsaufsätze schreiben: Den ersten über „eine Sache, von der du leidenschaftlich überzeugt bist, und von der die meisten Menschen glauben, dass sie nicht stimmt“. Das zweite Thema: „Wie willst du die Welt verändern?“

Nicht alle halten es für eine gute Idee, junge Menschen von der Uni wegzulocken. Autor Jacob Weisberg etwa sieht in Thiels 20-under-20-Fund eine weiße Version der Basketball-Liga NBA: Beide verführten lernfähige Hirne mit Versprechungen von schnellem Erfolg, und zwar zu einem Zeitpunkt in ihrem Leben, an dem ihnen die Wissensaneignung am leichtesten fallen würde, so sein Vorwurf

Gute Zeiten – schlechte Zeiten: Seinen Hedgefonds Clarium Capital machte Peter Thiel erst groß, indem er erfolgreich gegen die Finanzkrise wettete – und fuhr ihn wenig später dann doch gegen die Wand, weil er das Ausmaß der Krise unterschätzt und sich bei einer Wette auf Öl verzockt hatte.

Bestes Zitat: „We wanted flying cars, instead we got 140 characters.“ – Thiel über enttäuschte Zukunftsträume.

Fun fact: Als Jugendlicher spielte Thiel überaus erfolgreich Schach – zeitweilig war er gar der siebtbeste seiner Altersklasse in den USA. Heute ist er mit dem ehemaligen Schachweltmeister Garri Kasparow befreundet. Von übertriebener Contenance hält er beim Schach angeblich nicht viel – er soll nach einer verlorenen Partie auch schon mal die Figuren vom Brett fegen, passend zu seinem Bonmot „Show me a good loser and I’ll show you a loser“. Wer Thiels Schachpartien nachspielen möchte, findet hier eine Zug-für-Zug-Übersicht.

Dieser Artikel ist der Auftakt unseres sechswöchigen Themenspecials zum Valley Camp. Wir fliegen im Oktober nach San Francisco, um für euch von dort zu berichten – wer mitfliegen will: alle Infos hier.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Luc Van Braekel