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Am Montag verteidigte Peter Thiel seine Trump-Unterstützung vor Journalisten in Washington

Kaum etwas spaltet das Silicon Valley im Moment so sehr wie das politische Engagement von Super-Investor Peter Thiel. Der deutschstämmige Multimilliardär unterstützt im Präsidentschaftswahlkampf den republikanischen Kandidaten Donald Trump. Dessen frauenfeindliches Verhalten und fremdenfeindliche Rhetorik beißen sich fundamental mit all den liberalen Werten von Offenheit und Gleichberechtigung, für die das Valley eigentlich stehen will.

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Unternehmen, bei denen Thiel involviert ist, stehen jetzt unter Druck, sich von ihm zu distanzieren: Vor allem gilt das für den Social-Network-Giganten Facebook, wo Thiel im Board sitzt. Aber auch der legendäre Accelerator Y Combinator, wo Thiel als Partner engagiert ist, steht in der Kritik. Es gehe hier „nicht um eine Meinungsverschiedenheit über Steuerpolitik, sondern um das Befürworten von Hass und Gewalt“, schrieb etwa die ehemalige Reddit-Chefin Ellen Pao auf Medium.

Doch sowohl Facebook-CEO Mark Zuckerberg als auch Y-Combinator-President Sam Altman wollen weiter mit Thiel zusammenarbeiten. Zuckerberg begründete seine Weigerung, sich von Thiel zu distanzieren, ausgerechnet mit der „Vielfalt“, die bei Facebook herrschen solle – worunter er auch abweichende politische Meinungen verstehe.

Peter Thiel ist als Investor aber nicht nur im Valley präsent. Seit einiger Zeit steckt er sein Geld auch in deutsche Startups. Sieben Unternehmen haben bislang von ihm selbst oder den Investment-Vehikeln Valar Ventures oder Founders Fund Geld bekommen.

In diese deutschen Startups investierte Peter Thiel

Da liegt die Frage nahe: Sehen die deutschen Thiel-Startups ein Problem darin, mit einem Investor zusammenzuarbeiten, der öffentlich für einen fremden- und frauenfeindlichen Politiker eintritt? Oder haben sie Thiel zumindest mal die Meinung gegeigt, ihm gesagt, dass seine politische Positionierung problematisch ist?

Gründerszene hat bei den sieben Startups nachgefragt. Und das Stimmungsbild ist klar: Thiels Engagement halten die Gründer für seine Privatsache, sich öffentlich dazu zu positionieren wagt kein einziger.

  • Beim Berliner Fintech N26 gibt man als Parole aus, es stehe dem Startup wohl kaum zu, private politische Meinungen zu kommentieren. Davon abgesehen kämen „die Investitionen von Valar Ventures in N26 und andere deutsche Startups dem Wirtschaftsstandort Deutschland zugute“ und verfolgten „keine politische Ziele“.
  • Das Kölner Trading-Portal Nextmarkets, das seit Juli zum Portfolio des Founders Fund gehört, sagt: Kein Kommentar. Mitgründer Manuel Heyden lässt verlauten, man äußere sich „grundsätzlich nicht zu politischen Themen“.
  • Ebenfalls in diesem Jahr bekam das Hamburger Startup Zinspilot ein Investment von Peter Thiel. Auf dessen politische Aktivität angesprochen machte Gründer Tim Sievers im Gründerszene-Interview klar: „Ich spreche mit ihm nicht über Politik, sondern nur über unser Unternehmen. Ich schätze seinen Rat als Unternehmer und Investor.“
  • Clemens Riedl, Gründer von Eating With The Chefs, verweist darauf, dass Peter Thiel nur einer von fünf Partnern des Founders Found sei: „Ist also ehrlich gestanden alles sehr weit weg für uns.“ Und: „Wir wollen uns an politischen Diskussionen nicht beteiligen.“
  • Das Hamburger Scoring-Startup Kreditech wollte sich nicht zu der Thematik äußern.
  • Zwei Berliner Portfolio-Startups reagierten nicht auf Anfragen von Gründerszene: das Wissenschaftsnetzwerk ResearchGate und die Foto-App EyeEm. Keine Antwort ist in diesem Fall auch eine Antwort.
Bild: Getty Images / Alex Wong / Staff; Mitarbeit: Alex Hofmann, Hannah Scherkamp, Caspar Tobias Schlenk