Thiel

Peter Thiel gilt als introvertiert. Bei seinem Auftritt beim Parteitag der Republikaner war davon nichts zu spüren.

Ein Parteitag der Republikaner in den USA ist nicht der Ort für differenzierte Betrachtungen. Einfache Botschaften sind gefragt. Kurze Sätze. Emotionen. Der milliardenschwere Investor, Facebook-Aufsichtsrat und PayPal- und Palantir-Gründer Peter Thiel lieferte in seiner Rede für den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump genau das, was das Publikum in Cleveland hören wollte. Nur ein Satz muss die konservativen Parteifreunde nachhaltig verwirrt haben.

Doch dieser Satz war so geschickt verpackt, dass das Publikum gar nicht anders konnte, als donnernd zu applaudieren. Auch wenn die konservative Partei nicht dafür bekannt ist, besonders freundlich zu Homosexuellen zu sein. Thiel sagte:

„Jeder Amerikaner hat seine Identität.
Ich bin stolz, homosexuell zu sein.
Ich bin stolz, ein Republikaner zu sein.
Vor allem bin ich stolz, Amerikaner zu sein!“

Das Publikum stand auf und applaudierte und skandierte: „USA! USA! USA!“ Nie zuvor hat es einen Parteitagsredner gegeben, der öffentlich über seine Homosexualität spricht. Die meisten Republikaner lehnen die gleichgeschlechtliche Ehe vehement ab.

Anzeige
Bereits im Jahr 2007 hatte das Online-Klatschmagazin Gawker Thiel als schwul geoutet.Thiels Rache folgte in diesem Jahr. Er finanzierte den Prozess von Hulk Hogan gegen Gawker, das ein Sexvideo des Wrestlers veröffentlicht hatte. Gawker musste 140 Millionen Dollar Entschädigung zahlen – und dann Insolvenz anmelden.

Zuvor hatte Thiel in seiner Rede ein rabenschwarzes Bild einer strauchelnden Nation gezeichnet und Trump zum Retter in der Not stlisiert. Die Wirtschaft der USA sei am Boden. Die Regierung sei am Boden. Der amerikanische Traum am Ende. Anstatt sich mit den wichtigen Problemen zu beschäftigen, so Thiel, diskutiere man lieber, wer welche Toilette benutzen dürfe. Statt zum Mars zu fliegen, hätte man unsinnige Kriege im Mittleren Osten geführt.

All das mündete im schlichten Bekenntnis Thiels für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten: „Trump hat recht! Wir müssen die Kriege beenden und unser Land wieder aufbauen!“ Trump sei der einzige, der ehrlich die Wahrheit sage. Thiel: „Steht auf und wählt Donald Trump!“

Mit seiner Unterstützung für Trump steht der als genialer Denker geltende Thiel im Milieu des Silicon Valley allerdings allein auf weiter Flur. Zuletzt hatten viele seiner Kollegen aus der Techbranche einen offenen Brief unterschrieben, in dem vor einem Präsidenten Trump gewarnt wird. Er sei eine Gefahr für die Freiheit.

Die merkwürdige Allianz des extrovertierten, autoritären Trump mit dem eigenbrötlerischen, libertären Thiel ist kaum zu erklären. Denn es gibt eigentlich nur eine Gemeinsamkeit zwischen diesen so unterschiedlichen Männern. Sie sind beide auf ihre Weise radikal.

Foto: Youtube / Screenshot