felix_petersen Kopie

Die vergangenen Jahre hat Felix Petersen in Portugal für den VC Faber Ventures gearbeitet.

Der nächste große Player hat sich in Berlin angesiedelt. Samsung Next ist der Investment-Arm des südkoreanischen Elektronik-Riesen Samsung. Bisher war Next nicht in Europa tätig. Jetzt baut Felix Petersen, der unter anderem Amen und Plazes gegründet hat, das Europageschäft auf. Noch sitzt er mit nur zwei Mitarbeitern in einem Coworkingspace am Hackeschen Markt. Bald sollen aber 50 und irgendwann mal 100 Angestellte für Samsung Next tätig sein. 

Ein erstes Investment soll bereits getätigt worden sein. Dabei geht es wohl um ein griechisches Startups aus Athen, das eine Text-to-Speech-Anwendung gebaut hat. Die Technik könnte ein Teil von Bixby werden. Das ist der virtuelle Assistent in den Geräten von Samsung. Wir haben Felix gefragt, was seine Pläne sind, und warum die Startup-Szene in Deutschland und Europa für Samsung interessant ist.

Felix, was macht Samsung Next?

Wir machen Investments aus einem 150-Millionen-Dollar-Fund heraus. Dann machen wir Akquisitionen. Die sind aber unabhängig von den 150 Millionen. Wir kaufen also Firmen. In den USA haben wir zum Beispiel LoopPay gekauft. Das ist jetzt Samsung Pay. Oder Smarthings, das jetzt das Internet-of-Things-Angebot von Samsung geworden ist. Insgesamt hat Samsung Next weltweit mehr als 20 Akquisitionen und 60 Investments getätigt. 

Ihr kauft also Firmen, von denen ihr glaubt, dass sie Samsung im Kerngeschäft helfen können?

Anzeige
Es kommt sicher vor, dass wir sagen, das passt genau in das hinein, was wir machen. Smartthings ist das andere Ende der Skala. Die bieten ihre Geräte direkt den Kunden an. Next funktioniert wie eine eigene Business Unit. Das heißt wir können Firmen kaufen – aber die müssen nicht unbedingt in Samsung integriert werden. Mit so einer vorzeitigen Integration werden Firmen oft kaputt gemacht. Next ist dazu da, in Software und Services zu investieren, die in zwei bis zehn Jahren das Potential haben für Samsung den Unterschied zu machen. 

Das kann dann ein Telefon-Feature werden. Das kann aber auch ein Investment sein wie Vicarious in den USA. Die versuchen Artificial Intelligence für die Zukunft der Robotik zu bauen. Vielleicht lernen wir auch nur von Startups, die wir kaufen. Das ist auch gut. 

Warum investiert ihr überhaupt in Startups? Ihr könntet sie doch gleich kaufen.

Es geht auch darum, zu lernen und zu verstehen. Wenn du viele Investments in einem Bereich hast, dann kannst du dir eine ganz andere Meinung dazu bilden. Es kann auch herauskommen, dass wir an bestimmte Dinge nicht glauben. Wenn 100.000 Euro das Lehrgeld sind, dann hat sich das auch gelohnt. Wir versprechen den Unternehmen, in die wir investieren, nichts. Mit gebrochenen Versprechungen kann man sich sehr schnell den Ruf verderben. Aber natürlich können wir mit Kontakten helfen. 

Was versprecht ihr euch von Berlin?

Es wird noch Büros in London, Stockholm und Paris geben. Aber Berlin wird das Hauptquartier für Europa. Bisher gab es San Francisco, Tel Aviv und New York. Wir glauben, dass es im Web einen Paradigmenwechsel geben wird. Die offensichtlichen und einfachen Dinge sind gemacht worden. Siehe Facebook oder Amazon. Jetzt muss die Digitalisierung von schwierigeren, komplizierteren Dingen stattfinden, die mehr mit dem echten Leben zu tun haben. Also Maschinenbau, Automotive, das Internet of Things. Wir glauben, dass Europa mit seinen Branchen in einer guten Situation ist. 

Seid ihr nicht viel zu spät hierher gekommen?

Nein. Wer macht denn ernsthaft Europa? Cisco hat hier zwei Leute. Klar, Facebook macht jetzt einen Inkubator in Paris. Google Ventures ist aktiv. Aber die ganz großen Akquisitionen gab es nur in den USA oder Israel. Klar schauen sich die großen Kapitalgeber die heißen Startups in Berlin an. Aber die gehen gerne später rein, weil sie sich nicht so gut auskennen. Sie müssen erstmal schauen, bis die Zahlen die richtige Sprache sprechen.

Anzeige
Die Series A außerhalb von London oder Berlin zu raisen ist immer noch eine wahnsinnig hohe Hürde. Dafür muss sich der Investor länger mit einem Startup beschäftigt haben. Die KPIs sind vielleicht nicht so gut, aber man kennt die Jungs und sagt, ich habe die beobachtet und die brauchen noch einen Tick länger. So wollen wir das manchen. Wir wollen hier präsent sein. Das ist unsere Marktlücke.

Gibt es hier überhaupt die richtigen Talente?

Ja, in Paris gibt es sehr viel Deep-Tech-Talent. Da gab es das meiste Venture Capital für Deep-Tech-Themen im vergangenen Jahr. Wir haben das auch – in Südwestdeutschland. In Schwaben, im Bereich Konstanz, Karlsruhe – auch in der Schweiz. Vielleicht sitzt das Hi-Tech-Zentrum der nächsten Generation in München. Es geht am Ende um Datenverarbeitung. Und da haben wir im Mittelstand in Deutschland ein breites Know-how, da kann sich der Unternehmer dann noch ein paar Leute für Machine Learning hereinholen. Deutschlands Situation ist nicht so schlecht. 

Wo geht die Entwicklung im Web hin?

Das Netz geht nach der Monopolisierung mit Google oder Facebook wieder in eine dezentrale Richtung. Über Blockchain zum Beispiel. Dieser Paradigmenwechsel wird kommen und Samsung ist dadurch in einer sehr interessanten Position. Ethereum kommt aus Berlin. Dadurch ist Europa gerade in einer guten Lage. Blockchain und Ethereum sind ein Schwerpunkt für unsere Arbeit hier. Weil wir wegen der unklaren Entwicklung noch die Chance haben, etwas mitzugestalten. 

Was muss ich als Gründer tun, um an euer Geld zu kommen?

Mit mir reden. Ich bin ansprechbar und auf den Konferenzen in Berlin unterwegs. Man kann mir auch eine Mail schreiben. Es dürfte keine großen Schwierigkeiten machen, uns zu finden.

Danke für das Gespräch, Felix!

Foto: Samsung Next