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Johannes Poth, Tian Eu Lau, Björn Olaf Lang, Tobias Rink, Johanna Dörter und Tim Host (von links)

Sitzen schadet der Gesundheit. Davor warnen Forscher schon seit Jahren. Dennoch verbringen die meisten Mitarbeiter viel Zeit in ihrem Bürostuhl. Eine Studie der Deutschen Sporthochschule Köln und der Krankenversicherung DKV fand heraus, dass sich die Sitzzeit von Schreibtischarbeitern sogar auf elf Stunden pro Tag beläuft.

Doch wenn Sitzen nun mal zum Job gehört – was dann? Sechs Gründer aus Aachen haben sich dieses Problem zur Aufgabe gemacht. Tim Host, Tian Eu Lau, Tobias Rink, Björn Olaf Lang, Johanna Dörter und Johannes Poth arbeiten an einer intelligenten Auflage für die Sitzfläche und die Rückenlehne von Bürostühlen. Mithilfe der von dem Team selbst entwickelten Sensortechnologie sollen diese analysieren, wie man auf dem Stuhl sitzt. Mehrere hundert Messpunkte werden dabei ausgelesen, um Haltung, Dauer der Position und die Druckverteilung festzustellen. Mitte 2017 soll Physiosense marktreif sein.

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Das Ziel der Auflage namens Physiosense soll sein, Menschen zum dynamischen Sitzen zu animieren, so Mitgründer Lang gegenüber Gründerszene. Denn der Sitzende sollte seine Position immer wieder ändern. Auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin empfiehlt dieses sogenannte aktive Sitzen. Wird es Zeit, die Sitzhaltung zu ändern, vibriert der Stuhl leicht.

Per Bluetooth werden die Sitzdaten an die Physiosense-App übermittelt, welche analysiert, wie man seine Sitzposition verbessern könnte. Sie meldet auch nötige Arbeitspausen und soll mithilfe von Workout-Videos den Büromitarbeiter zu kurzen Fitnesseinlagen motivieren. Auch eine weitere Internetseite mit Online-Schulungen ist für den Start im kommenden Jahr geplant.

Die durch Physiosense gesammelten Daten würden anonymisiert gespeichert, so Lang. „Die von uns ausgelesenen Daten werden nur für die persönliche Auswertung des Anwenders genutzt“, betont er. „Wir geben sie nicht an den Chef oder an die Krankenversicherung weiter.“

Die Idee zum intelligenten Sitzen ist nicht neu. So entwickelt auch das niederländische Startup Zami einen smarten Hocker fürs Büro. „Wir bieten auf technischer Seite eine Sensorauflösung, die einzigartig ist“, grenzt sich Lang von Wettbewerbern ab. Durch sie ließen sich exakte Sitzpositionen erkennen. Zurzeit arbeitet das Team gemeinsam mit einem Forschungsinstitut in Aachen daran, diese Sensorik noch weiter zu verbessern, auch die App soll noch überarbeitet werden. Bisher gebe es einige Prototypen, man sei unter anderem mit Stuhlherstellern in Verhandlungen, um gemeinsam einen voll integrierten Stuhl herzustellen, so Lang.

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So soll die Auflage von Physiosense aussehen

Bereits 2013 begannen die Mechatronik-Studenten Tim Host, Tian Eu Lau und Tobias Rink mit der Ausarbeitung des Konzepts. Mithilfe eines Physiotherapeuten entwickelten sie den ersten Prototypen einer Rückenauflage. Um das Unternehmen professionell aufzustellen, holten sie Physiotherapeutin Dörter, Politikwissenschaft-Student Johannes Porth und Wirtschaftsingenieur Lang hinzu. „Ich war nach meinem Masterstudium kurz davor, bei einer Unternehmensberatung anzufangen“, erzählt Lang. „Mit Tim saß ich dann eines Abends im Biergarten und er hat mir von Physiosense erzählt. Das Startup mit aufzubauen hat mich dann doch mehr gereizt als ein Angestelltenverhältnis.“

Für Physiosense begann alles an der RWTH Aachen. Welche Unternehmen der technischen Hochschule auch interessant sind, seht Ihr hier:

Bilder: Physiosense