PiggyBankGirls: „Wir zwingen niemanden zu irgendetwas“

Kathy aus Bochum wünscht sich einen Hund, weil sie schon lange Single ist und einen Beschützer braucht. Megan aus Portland möchte sich eine Fotoausrüstung kaufen, um erotische Bilder von sich zu knipsen. Und Kaylee aus Minnesota benötigt dringend ein Auto. Um sich diese Wünsche zu erfüllen, sammeln die Frauen auf ungewöhnliche Weise Geld ein – per Crowdfunding auf der der Seite von PiggyBankGirls. Wer spendet, wird mit erotischen Fotos oder Videos der Frauen belohnt.

Gegründet wurde PiggyBankGirls (zu deutsch: Sparschwein-Mädchen) von Anna Keller (29) und Christian Iff (25). Vor drei Wochen starteten sie die erotische Crowdfunding-Seite. Keller und Iff lernten sich in einer Werbeagentur kennen, die Erotikseiten vermarktet. „Wir haben uns mit einigen Amateurdarstellern unterhalten und dabei festgestellt, dass die meisten Mädels in der Branche arbeiten, um sich mit dem Geld einen persönlichen Traum zu erfüllen“, erzählt Iff. „Wir fanden es schade, dass man nicht sieht, welche Träume die Mädels haben, die vor der Kamera stehen“, ergänzt Keller. „Da haben wir uns gefragt, warum es keine Crowdfunding-Seite für diesen Bereich gibt.“

Anzeige
Also starten die beiden mit Unterstützung eines irischen Investors PiggyBankGirls. Das Prinzip: Frauen, die für ihren Traum crowdfunden wollen, müssen zunächst ein Vorstellungsvideo von sich hochladen. Mit tiefen Dekolletés und klimpernden Wimpern beschreiben sie ihren Traum und erklären, was die Geldgeber für welchen Betrag bekommen. Ihr Angebot können die Frauen frei gestalten, die meisten bieten ein Paket mit fünf Fotos in Unterwäsche für 10 bis 50 US-Dollar. Einige Angebote sind jedoch etwas ausgefallener: Für 50.000 US-Dollar würde sich Katja aus Leipzig beispielsweise den Namen des Gelgebers tätowieren lassen. Leyla aus England lockt mit ihrer Handynummer für 70 US-Dollar.

Mit PiggyBankGirls wollen sich die beiden Gründer vor allem von den üblichen Erotik- und Cam-Seiten im Internet absetzen und den Frauen ein faire Plattform bieten: „Im Internet gibt es so viel Free-Porn auf den ganzen Streaming-Seiten. Das ist immer sehr unpersönlich, weil man ja nichts über den Darsteller weiß“, sagt Anna Keller. „Wir glauben eben, dass man nur zahlt, weil man einen persönlichen Bezug zu den Mädels aufbaut.“ Durch die Videos und die Beschreibung der Frauen würden die Geldgeber Sympathie für die Frauen entwickeln, erklärt die Gründerin. „Diese Sympathie ist die einzige Rechtfertigung für Erotik noch zu bezahlen.“

Christian Iff sagt: „Wir wollen, dass total transparent ist, wofür die Mädchen das machen. Wenn ein Mann Tattoos liebt und ein Mädel sich von dem Geld ein Tattoo stechen lassen will, hat er vielleicht noch mehr Lust, sie für ein paar sexy Fotos zu unterstützen.“

Transparenz, sagen die Gründer, sei ihnen wichtig. Sie wollen, dass jeder weiß, wer hinter PiggyBankGirls steht und dass die Frauen fair behandelt werden – auch deswegen wollen sie den Prozess so weit wie möglich kontrollieren. Um sicherzustellen, dass das Geld auch wirklich bei den Frauen ankommt, muss es vorab an PiggyBankGirls überwiesen werden. Erst wenn das Geld da ist, bekommen die Spender ihre Fotos oder Videos von den Gründern zugeschickt.

80 Prozent des eingesammelten Geldes geht an die Frauen, 20 Prozent behalten Keller und Iff ein. „Unsere Plattform ist im Vergleich sehr fair. Bei anderen Cam-Seiten bekommen die Mädels deutlich weniger raus“, erzählt Keller. „Üblich ist, dass die Frauen selbst nur 30 Prozent von dem bekommen, was sie auf einer Cam-Seite einnehmen.“

Anzeige
Über hundert Frauen wollen bislang bei PiggyBankGirls mitmachen – die meisten stoßen bislang über Twitter oder Medienberichte auf die Plattform. „Bei den Kampagnen sind auch Freundinnen von mir oder Christian dabei“, sagt Anna Keller und lacht.

Moralische Bedenken haben die beiden Gründer nicht: „Wenn es eine Plattform für Männer wäre, würde sich da niemand drüber aufregen, weil immer die Frauen diejenigen sind, die angeblich nicht so weit denken können und nicht wissen, was sie dort tun“, so Keller. „Aber in Wahrheit können sie ja selbst entscheiden, ob sie das machen, wir zwingen niemanden zu irgendetwas. Das ist alles freiwillig und wir haben ja auch persönlichen Kontakt zu den Mädels.“

Gut möglich, dass die beiden Gründer schon bald eine Erotik-Crowdfunding-Plattform auch für Männer starten – die Domain www.piggybankboys.com haben sie sich schon gesichert.

Bild: PiggyBankGirls