Carsten Mahrenholz, Stephan Krafczyk und René „Dr. Plasma“ Bussiahn von Coldplasmatech

„Ihr seid als nächstes dran. Wart Ihr nicht zu viert?“

Chronische Wunden heilen, die heute als kaum noch therapierbar gelten: Das verspricht das Greifswalder Startup Coldplasmatech. Mit der Idee gewannen die Gründer Carsten Mahrenholz, Tobias Güra, Stephan Krafczyk und
René Bussiahn den 
Gründerpreis der Familienunternehmen. Wie es mit Coldplasmatech vorangeht, verraten Carsten Mahrenholz und Tobias Güra von nun an im Gründertagebuch auf Gründerszene. Teil 1: Wie sich so ein Sieg anfühlt und was seither passiert ist.

Jetzt ist es endlich soweit. Der Tag des Finales steht bevor. Wir haben natürlich unsere Chancen ausgelotet und die anderen Teams etwas näher unter die Lupe genommen. Bereits in der Vorrunde der Invention in Hamburg hatten wir gemerkt, dass alle Teilnehmer extrem souverän und professionell auftreten und wir uns einem harten Wettbewerb werden stellen müssen. Auch wenn wir in diesem Jahr bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden sind, ist der Ausgang des Finales in Berlin ungewiss.

Wir wissen, dass Idee, Konzept und Technologie bei uns stimmen – aber wird das reichen, um sich gegen die besten Geschäftsideen Deutschlands durchzusetzen? Bis jetzt haben wir uns immer mit Technologien aus dem Life-Science-Umfeld messen müssen. Da hier aber auch Produkte für den täglichen Gebrauch mit dabei sind, ist es schwierig einzuschätzen, wie wir bei den Juroren ankommen. Im Vorausscheid hatte uns die Gunst des Publikums den Weg ins Finale geebnet – chronische Wunden zu schließen, ist eben ein Problem, das viele Menschen aus Ihrem Umfeld kennen. Aber werden das die Vertreter der Presse, Lebensmittelgiganten, Wirtschaftsprüfer und gestandene Unternehmer in der Jury auch so sehen?

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Am Tag der Preisverleihung kommt die erste Planänderung: Wir können leider nur zu dritt anreisen, da Tobias mit zwei kranken Kindern zu Hause bleiben muss und dort gebraucht wird. Uns ist es als Team extrem wichtig, neben dem unternehmerischen Wachstumsprozess das familiäre Umfeld nicht zu vernachlässigen. Unternehmer brauchen diesen Rückhalt, um dann auch für die täglich anfallenden Aufgaben den Kopf frei zu haben. Das nur mal als kleiner Auszug unserer Teamphilosophie à la Aristoteles… Stephan und René (unser Plasmaphysiker, den wir liebevoll Dr. Plasma nennen) sind mit dem Auto aus Greifswald gekommen, während Carsten bereits am Vorabend in Berlin eingetroffen ist.

Und hier bahnt sich auch schon die zweite Planänderung an: Während das einzige vorbildlich anwesende Teammitglied mit den anderen Finalisten in der entspannten Atmosphäre des Journalisten-Clubs im Axel-Springer-Haus den Freuden des Kaffees frönt, kommt die Ansage: „Team Coldplasmatech – Ihr seid als nächstes dran. Wart Ihr nicht zu viert?“ Einen hektischen Anruf und – wie sich im Nachhinein herausstellte – ein Parkticket später stehen René und Stephan etwas außer Atem, aber mit unserem Vorführmodell in der Hand, da. Also doch alles plan- und fristgemäß. Ganz nach der Devise: 23:59 Uhr ist noch in der Deadline! Eine Punktlandung ist auch der anschliessende Pitch vor der Jury – hier sind wir wieder in unserem Element.

Da ist das Ding!

Nach dem Vortrag mit anschließender Diskussion kommt die lange Zeit des Wartens – und gegen Abend endlich die Einladung in den Veranstaltungssaal. Der dritte Platz geht an Medical Adhesive Revolution – ein spannendes Produkt aus dem Bereich der Blutungsstillung bei Operationen – und damit ein Medizinprodukt. Wir sehen unsere Chancen schwinden. Bereits während der Laudatio zeichnet sich ab, dass wohl Auticon den wohlverdienten Platz auf dem Siegerpodest einnehmen würde. Die Einbindung von Autisten in die Unternehmensberatung hat auch uns beeindruckt. Man kann ihnen den Sieg nur gönnen.

Mit gleich zwei Laudatoren wird dann der erste Preis angekündigt. Wir hören, dass die Jury eindeutig und einstimmig zu ihrem Ergebnis gekommen ist. Es sind noch viele beindruckende Technologien zur Energiegewinnung oder Produkte am Start, bei denen wir uns gedacht hatten: Die kauf ich! Und dann kommt dieser elektrisierende Moment, wenn die Verkündung des Siegers bis zur letzten Sekunde hinausgezögert wird. Und ganz plötzlich fällt die Anspannung von uns ab: Wir sind die Gewinner des Invention-Preises 2014. Gänsehaut.

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Die Freude ist riesig, allerdings wird uns erst in den Tagen danach bewusst, was wir erreicht haben. Für uns beweist diese Auszeichnung, dass wir auf dem richtigen Weg sind – und wir jetzt eine nicht zu unterschätzende Verantwortung dafür tragen, dass diese Technologie endlich den erfolgreichen Weg zu Millionen Patienten findet.

Den Abend nutzen wir zum intensiven Networking, um unseren Erfolg zu feiern und dann genießen wir einfach nur das Ambiente im Axel-Springer-Haus in Kreuzberg. Die großen Kampftrinker sind wir ja nicht. Carsten als Mitglied einer Winzerfamilie trinkt logischerweise keinen Alkohol – und bei René muss man nach dem zweiten Glas Wein aufpassen, dass er nicht schon wieder Karaoke mit Salzstangen spielt… Nein, Spaß beiseite, es geht danach noch irgendwann in der Nacht in einen Club und dann zu Carsten in die Wohnung, um sich von den Ereignissen des Tages zu erholen.

Am Morgen danach, führen wir erst einmal Tobias aufs Glatteis und tun so, als ob ein anderes Team gewonnen hätte. Für ihn ist das auch absolut nachvollziehbar – man kann ja nicht immer gewinnen. Es braucht dann einige weitere Telefonate, um ihn von unserem Sieg zu überzeugen. So viel Spaß muss sein.

Stephan Krafczyk relaxt im Journalistenclub

Die Tage danach sind ereignisreich. Durch Artikel in der Welt und der Welt am Sonntag werden wir mit Anfragen von Ärzten, Krankenkassen und natürlich Patienten überhäuft. Es ist schon beeindruckend, wie groß das Bedürfnis nach einem neuen Therapieansatz in der Wundbehandlung ist. Die Möglichkeit, durch den Sieg des Invention-Preises, Mitglied bei den Jungen Unternehmern zu sein, eröffnet uns auch für die Zukunft ein Netzwerk von Gleichgesinnten und Anknüpfungspunkte für mögliche Kooperationen.

Wir haben schon viel erreicht aber noch einen weiten Weg vor uns und freuen uns über jeden neuen Begleiter an unserer Seite.

Bilder: Cleanplasmatech