Gruender PLVY

Die PLVY-Macher Nils Lenhardt (links) und Fabian Heinrich

Nils Lenhardt und Fabian Heinrich wollten ihr eigenes Ding machen. Um selbst zu gründen, schmissen die beiden im vergangenen Sommer ihre Jobs bei Rocket Internet hin. Das Ziel: eine App, über die Nutzer gleichgesinnte Partner zum gemeinsamen Sporttreiben finden können. Nach etwa sechsmonatiger Entwicklungszeit ist die Anwendung mit dem Namen PLVY vergangene Woche online gegangen. Gearbeitet wird in der Berliner Factory.

Um die Android-App nutzen zu können, ist ein Facebook-Account notwendig. Nach der Registrierung werden Nutzer gebeten, ihr sportliches Interesse anzugeben: Sind sie auf der Suche nach neuen Herausforderungen – oder einfach nur einem neuen Yoga-Partner? Anschließend wird nach den Sportarten gefragt, die der Nutzer betreibt, sowie dem persönlichen Leistungsniveau. Zusätzlich lässt sich der Radius festlegen, in dem nach einem Partner gesucht werden soll – und dessen Geschlecht. Anschließend kann man sich durch potenzielle, auf die eigenen Angaben passende Sportfreunde swipen.

Wie alles begann: Grafik: Freeletics' Business-Sprint zum Millionenunternehmen

Grafik: Freeletics' Business-Sprint zum Millionenunternehmen

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Die App zeigt auch das Sportangebot in der Umgebung an. Nutzer können Veranstaltungen zum einen selbst erstellen. Zusätzlich zieht PLVY über eine Schnittstelle zu Facebook öffentliche Events mit Sportbezug in die App, die dann chronologisch auf einer Karte angezeigt werden. „Sportbezug“ heißt: Es ist nicht zwingend notwendig, selbst Sport zu treiben, man kann sich über die App etwa auch zum Fußballgucken verabreden. Lenhardt bezeichnet das Angebot deshalb als „soziales Sport-Netzwerk“.

Dass PLVY Leute ansprechen möchte, die beispielsweise in eine neue Stadt gezogen sind und jetzt Anschluss suchen, liegt auf der Hand. Für Personen, die bereits sozial organisiert sind, und etwa wöchentlich mit einer festen Runde laufen gehen, soll die App eine Alternative zur WhatsApp- oder Facebook-Gruppe sein. Eine neue Jogging-Route lässt sich dann als Event einstellen, sichtbar entweder für ausgewählte Kontakte oder die Öffentlichkeit.

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Bisher zähle die App Downloads im „mittleren vierstelligen“ Bereich, so Lenhardt. Im Google Play Store ärgern sich allerdings einige Kommentatoren über die einzige Login-Option per Facebook. Da sie dort nicht angemeldet sind, können sie PLVY nicht nutzen. Lenhardt argumentiert, man habe diesen Weg gewählt, um Fake-Accounts zu verhindern. Auf die Kritik reagiere das Team aber und arbeite an einer eigenen Nutzer-Verifikation. Neben weiteren Login-Optionen soll zudem schon in den nächsten Wochen eine iOS-Version folgen.

Ein US-Startup macht’s vor

Es gibt andere Wege, an Trainingspartner zu kommen, zum Beispiel über Seiten wie Date4Sports. Außerdem bietet etwa die AOK eine Sportpartner-Börse an. Dienste, die den Gründern zu unübersichtlich gewesen seien, erklärt Lenhardt: „Es gibt noch keine Lösung in Europa, die es ermöglicht, standortbasiert und live Sportpartner und -Angebote zu finden.“ Außerhalb Europas offenbar schon: Die US-App Bvddy funktioniert sehr ähnlich. Im vergangenen Sommer gab es für das Unternehmen mit Sitz in Miami in einer Serie-A-Runde 1,5 Millionen US-Dollar.

Kostenlos wird PLVY nicht bleiben. Die Gründer denken über ein Freemium-Modell nach, sagt Lenhardt. Denkbar sei auch, Werbung einzubinden. Daneben soll die App als Whitelabel-Lösung an Unternehmen verkauft werden, die ihren Mitarbeitern Fitness-Angebot bereitstellen. Bislang haben die Gründer, zu denen auch Backend-Entwickler Mark Hofmann gehört, ihr Unternehmen aus eigener Tasche finanziert. Schon bald soll aber eine Finanzierungsrunde das Wachstum des Startups beschleunigen. Der Rocket-Geist ist den Gründern offenbar erhalten geblieben.

Bild: PLVY