Pokemon Go around Paris

Mittlerweile ein seltenes Bild: die App Pokémon Go in der Öffentlichkeit

Wisst ihr noch, Pokémon Go? Das war doch dieses Spiel, das jeder, wirklich jeder, in diesem Sommer spielen musste. In jeder TV-Sendung, Zeitung, jedem Blog wurde über die kleinen Monster berichtet, die es zu fangen galt. Selbst eure Eltern haben das Spiel gespielt.

Doch der Hype ging so schnell wie er kam. Die Zahlen des App-Analysten App Annie verdeutlichen das: Derzeit spielen gerade einmal 280.000 Nutzer täglich – zu Hochzeiten waren es über zehn Millionen. Wer ein Geodreieck zur Hand hat, kann es direkt an die Kurve der täglichen App-Nutzer anlegen (siehe Grafik). Immerhin: Seit etwa zwei Monaten ist die Zahl der Nutzer zwar gering, aber relativ konstant.

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Grafik: Pokémon Go hat massiv Nutzer verloren (Daten von App Annie)

War das vorhersehbar? Wahrscheinlich schon, denn Pokémon Go ist zwar für den Durchschnittsspieler konzipiert worden, aber nur Hardcore-Fans jagen auch nach Monaten noch den immer gleichen Monstern hinterher. Und sind einmal alle Pokémon in der eigenen Umgebung gefunden, gibt es kaum noch Anreize, weiter zu spielen.

Zwar gibt es immer mal wieder neue Features, aber die werden nur schleppend ausgerollt. Ein Grund: Da Pokémon-Go-Entwickler Niantic zum Launch nicht mit dem Ansturm gerechnet hatte, wurden die meisten Ressourcen anfangs in die Server gesteckt, um sie stabiler zu machen. Und selbst jetzt klagen viele Nutzer noch über Bugs, Lags und App-Abstürze.

Zu den wenigen neuen Features seit der Veröffentlichung gehört ein System für das schnellere Leveln der Pokémon. Damit können sie zügiger stärker gemacht werden. Aber keine der Neuerungen sorgte für deutliche Anstiege in den Nutzerzahlen. Mehr Aufmerksamkeit brachte hingegen das neueste Update: Seit wenigen Tagen gibt es ein weiteres Pokémon in der App zu fangen. Ja, wirklich nur eines. In Foren wie Reddit türmen sich seitdem Beiträge zu dem neuen Monster mit dem Namen Ditto. Es zeigt, wie sehnsüchtig die verbliebene Fangemeinde auf neue Inhalte wartet.

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Noch verdient Niantic mit seiner Spielerschaft Millionen – pro Tag wohlgemerkt. An ehemalige Erfolge wird der Konzern nur anknüpfen können, wenn er das Spielkonzept radikal wandelt oder wirklich innovative Inhalte entwickelt. Neue Spieler dürfte Niantic damit aber kaum noch locken können, es geht vielmehr darum, Spieler zu halten oder alte Nutzer zurück ins Spiel zu bringen. Aber auch das dürfte das Unternehmen nur schaffen, wenn es wieder der Liebling der Medien wird.

Glaubt man den Gerüchten, dann geht Niantic gerade einen Schritt in die richtige Richtung. Zocker wollen im Quellcode Anzeichen dafür gefunden haben, dass ein riesiges Update mit mehr als 100 neuen Pokémon in der Mache sei. Zudem sollen Pokémon künftig untereinander gehandelt werden können und es soll einen Duell-Modus geben, um gegen echte Spieler antreten zu können. All das sind Features, die sich Spieler bereits seit Monaten wünschen. Die Chancen dafür, dass Niantic sein Sommermärchen damit wiederholen kann, stehen allerdings schlecht.

15 Gründe, warum Pokémon Go die erfolgreichste App aller Zeiten werden könnte

Bild: Getty Images / Chesnot; Grafik: App Annie/Recode