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Die eigene Geschäftsidee vor potenziellen Geldgebern und anderen Interessierten zu pitchen, ist eine der Fertigkeiten, die jeder Gründer beherrschen sollte. Und da ein Fahrstuhl ein reichlich ungeeigneter Ort dafür ist, haben junge Startups im Format „Frischlingsfragen“ von nun an die Möglichkeit, sich und ihr Geschäftsmodell kurz und präzise vorzustellen: Gründerszene stellt zehn Fragen, und dieses Mal antwortet Polarstern (www.polarstern-energie.de).

Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Polarstern ist der erste unabhängige Ökoenergieversorger, der mit seinen Produkten die weltweite Energiewende angeht. Wir versorgen Haushalte in ganz Deutschland mit 100 Prozent Ökostrom und 100 Prozent Ökogas aus Reststoffen. Dabei fördern wir für jeden unserer Ökostrom- und Ökogaskunden den Ausbau der erneuerbaren Energien nicht nur hier in Deutschland, sondern auch in Entwicklungsländern.

Hinter jedem Erfolg steckt eine Vision. Wie seid Ihr auf Eure Idee gestoßen?

Wir wollten beruflich selbständig sein und unsere Arbeitskraft für etwas nutzen, das die Welt verbessert. Wichtig war uns dabei, eine große Herausforderung unserer Zeit anzugehen. Mit Blick auf unsere Erfahrungen und Interessen war schnell klar, dass wir etwas im Energiemarkt machen.

Noch wichtiger als die Idee ist häufig das Team. Wer sind die Gründer, was habt Ihr vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

Gegründet wurde Polarstern im Sommer 2011 von Jakob Assmann, Florian Henle und Simon Stadler. Jakob und Simon kennen sich schon aus ihrer Unizeit. Florian haben sie vor einigen Jahren über einen gemeinsamen Freund kennengelernt, der im Ökoenergiemarkt tätig ist. Zusammengebracht haben sie ihre verschiedenen Erfahrungen im Energiemarkt und ihr Wille, sich mit etwas „Sinnvollem“ selbständig zu machen.

Jakobs Großvater war Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG (heute E.ON). In den 70er Jahren hat er den Bau der damals als zukunftsträchtig geltenden Atomkraftwerke vorangetrieben. Jakob hat die „Geschichte“ nicht losgelassen. Heute will er sich für die Energiewende einsetzen. Bei Polarstern bringt er seine Berufserfahrung bei Energieversorgern und sein Promotions-Wissen über virtuelle Organisationsstrukturen im Marketing und Unternehmensstrategie ein.

Florian hat vor Polarstern unter anderem ein Startup in der Schweiz mit aufgebaut. Dort hat er als Director Business Development regenerative Schmierstoffe entwickelt und vermarktet. Er ist bei Polarstern ebenfalls verantwortlich für das Business Development, Finanzen und PR. Und Simon, ein studierter Wirtschaftsgeograph, hat vor Polarstern bei einem Unternehmen Biogasprojekte entwickelt und realisiert. Jetzt ist er unter anderem zuständig für Operations, Personal und Events.

Viele Gründungsideen sind nicht gänzlich neu. Was ist Euer USP und was macht Ihr anders als alle anderen?

Wir wollen mit Energie die Welt verändern. Dazu gehört nicht nur Ökostrom, sondern vor allem auch Ökogas. Schließlich entfallen 75 Prozent des Energieverbrauchs in privaten Haushalten auf das Heizen und nur 13 Prozent auf Elektrogeräte und die Beleuchtung. Mit unserem neuen Produktkonzept, für dessen Erarbeitung wir vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert wurden, können wir als erster Ökoenergieversorger einen wettbewerbsfähigen 100-Prozent-Öko-/Biogastarif anbieten. Verglichen mit bisherigen Angeboten sind wir um bis zu 44 Prozent günstiger.

Auch sind wir der erste Ökoenergieversorger, der mit seinem Produkt die weltweite Energiewende angeht. Für jeden Kunden investieren wir in den Ausbau erneuerbarer Energien hierzulande und in Entwicklungsländern wie zum Beispiel Kambodscha. Bisher gab es nur Angebote, die die Energiewende in Deutschland vorantreiben. Das ist gut, aber es reicht einfach nicht. Klima und Umwelt kennen keine Landesgrenzen. Wir müssen in unserem eigenen Interesse den Ländern helfen, die es alleine nicht schaffen. Denn der weltweite CO2-Ausstoß wird laut Prognosen künftig leider erst einmal weiter zunehmen, getrieben durch das Wirtschaftswachstum von Entwicklungs- und Schwellenländer.

Und, wir unterscheiden uns natürlich auch im Auftritt ganz deutlich von den bisherigen Energieversorgern. Aber überzeugt euch selbst auf www.polarstern-energie.de…

Zum Business: Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell? Und wie groß ist das Marktpotenzial?

Polarstern ist der moderne Energieversorger. Wir versorgen vor allem private Haushalte, aber auch immer mehr Geschäftskunden bundesweit ausschließlich mit 100 Prozent Ökoenergie. Sie unterstützen so den Ausbau der erneuerbaren Energien weltweit – und das schnell und einfach. Unsere Kunden wechseln in wenigen Minuten über ein Online-Formular zu uns und wir sorgen dann dafür, dass mit jeder verbrauchten Kilowattstunde fossile Energien durch erneuerbare ersetzt werden.

Dazu kaufen wir zum einen soviel Ökoenergie bei unseren Partnern ein, wie unsere Kunden benötigen. In der Höhe ihres Verbrauches wird dann im europäischen Netz fossile Energie durch erneuerbare Energie ersetzt. Zum anderen investieren wir für jeden unserer Kunden in den Ausbau der erneuerbaren Energien in Entwicklungsländern, aktuell Kambodscha. Dort erhalten Familien Unterstützung beim Bau eigener Mikro-Biogasanlagen. Das beinhaltet eine Anschubfinanzierung nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Den Rest erbringen die Familien selbst, zum Beispiel über Mikro-Kredite lokaler Banken. Mit der Mikro-Biogasanlage steigen sie direkt auf erneuerbare Energien um und gleichzeitig reduzieren die Anlagen Schmutz, Gestank und Krankheiten. Innerhalb der nächsten zwei Jahre werden wir den Wertschöpfungsschritt des Energiehandels integrieren, in die Energieproduktion einsteigen und unseren Kunden energieeffiziente Smart-Meter Lösungen anbieten.

Das Marktpotenzial ist riesig: Jeder der über 40 Millionen Haushalte ist ein potenzieller Stromkunde und nochmal circa 13 Millionen Haushalte potenzielle Gaskunden. Das entspricht einem Marktvolumen von rund 36 Milliarden Euro. Noch beziehen erst acht Prozent der deutschen Haushalte Ökoenergie. Aber jeder dritte Deutsche sagt, dass die Energiewende eines der drei Top-Themen unserer Zeit ist. Es wird erwartet, dass sich der Ökoenergiemarkt innerhalb der nächsten zehn Jahre verachtfachen wird auf 24 Millionen Ökostrom- und vier Millionen Ökogaskunden.

Wenn wir in vier Jahren insgesamt 100.000 Kunden beliefern, entspricht dies einem Gesamtmarktanteil von deutlich unter 0,5 Prozent. Das sollte doch machbar sein.

Ideen umzusetzen kostet Geld. Wie finanziert Ihr Euch?

Wir sind über private Investoren finanziert. Bei der Entwicklung des Ökogaskonzeptes wurden wir außerdem durch das EXIST-Gründerstipendium vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und dem Europäischen Sozialfonds unterstützt .

Gibt es etwas, das Euch noch fehlt? Ein Mitarbeiter, ein Investor oder ein Büro?

Wir streben in diesem Jahr eine größere Kapitalrunde an für die wir auf Investorensuche gehen. Aktuell sind wir kräftig am Ausbau und suchen Mitarbeiter vor allem im Bereich Social Media und Online Marketing.

Gibt es ein großes Vorbild für Euch?

Wir glauben bei der Energiewende nicht an EIN großes Vorbild. Vielmehr kann JEDER Einzelne ein Vorbild sein und den Ausbau der erneuerbaren Energien ganz einfach und ohne großen Aufwand vorantreiben. Wir wollen mit Polarstern die Menschen motivieren, ihren Beitrag zur Energiewende zu leisten – weil es Spaß und Sinn macht. Es ist ein Engagement für unsere eigene Zukunft und die unserer Kinder, Enkel und Urenkel.

Stellt Euch vor, Ihr könntet ein Lunch gewinnen. Wen würdet ihr aus der deutschen Startup-Branche gerne mit an den Tisch holen?

Die Samwer-Brüder, um mit ihnen nachhaltige Investments über den rein finanziellen Aspekt hinaus zu diskutieren.

Wo steht Ihr heute in einem Jahr?

Wir stehen hoffentlich nicht, sondern sind weiterhin immer in Bewegung für die weltweite Energiewende. Für eine Bewegung, die immer mehr Menschen bewegt und mitzieht.