Team Poqit

Die Poqit-Erfinder Timo Golomski, Martin Volmerding und Marko Berndt (v.l.) im Leipziger SpinLab

In gewisser Weise haben sich die Poqit-Gründer Ikea zum Vorbild genommen. Denn eine Technologie, die Handys kabellos auflädt, hat der schwedische Möbelkonzern bereits in seine Produkte integriert und sie so für eine breite Masse zugänglich gemacht. Auch Marko Berndt, Timo Golomski und Martin Volmerding wollen das erreichen, Smartphones allerdings nicht über eine Kommode, sondern per Geldbeutel aufladen.

Dazu haben die drei ein Portemonnaie konzipiert, das Smartphones durch einfaches Auflegen wieder einsatzbereit macht. Die Technik dahinter: Beim sogenannten QI-Standard wird mithilfe von elektromagnetischer Induktion über kurze Distanzen und kontaktlos Energie übertragen. Im Poqit-Portemonnaie befinden sich dafür neben einem Akku eine kleine Platine und eine Spule aus Kupfer. Daneben sind Smartphone und Geldbeutel über Bluetooth verbunden. Bricht diese Verbindung einmal ab, etwa weil der Nutzer sein Geld im Café liegen lässt, gibt das Smartphone eine Warnung ab. Eine eingenähte Folie soll die Geldbörse vor Angriffen auf ihre Inhalte schützen, indem sie das sogenannte Skimming, also das illegale Auslesen von Daten auf Bank- oder Kreditkarten, verhindert. Über einen solchen Schutz verfügen bereits einige am Markt erhältliche Portemonnaies.


Noch bastelt das Poqit-Team zusammen mit einem Entwicklungsdienstleister an einem Prototypen des Portemonnaies. Ziel sei es, so Mitgründer Marko Berndt, bis August ein marktreifes Produkt zu haben. Dann wolle man zunächst circa 1.000 Stück in Berlin herstellen lassen, zum Verkaufspreis von je 159 Euro. Ein Patent für die Technologie im Geldbeutel sei angemeldet. In Zukunft soll die Technik auch bei Handtaschen oder Rucksäcken zum Einsatz kommen.

Doch: Nicht alle Smartphone-Hersteller verbauen die Technologie zum kontaktlosen Laden. Apple hat ihn bislang beispielsweise nicht integriert. Hier müssen Nutzer entweder einen kleinen Receiver unter eine vorhandene Handy-Hülle kleben, oder sich eine spezielle Hülle zulegen. Deshalb hoffen die Gründer auf die Integration des QI-Standards im nächsten iPhone. Nicht ohne Grund: Immerhin war zuletzt jedes fünfte in Deutschland verkaufte Smartphone ein iPhone.

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Die Idee zum Lade-Geldbeutel kam zwei der drei Gründern während einer Südostasien-Reise. Volmerding und Golomski hatten dort bis auf T-Shirt, Badehose und Flipflops meist nur Schlüssel, Portemonnaie und Handy dabei. Die nächste Steckdose war in der Regel weit weg und das portable Ladegerät zu groß für die Hosentasche. In der Ferne fassten sie daher den Entschluss, die Powerbank in einen Alltagsgegenstand zu packen. Auch nach ihrer Rückkehr ließ die zwei ihr Einfall nicht mehr los. Berndt schloss sich den Freunden bald an. An der Berliner Humboldt-Universität fand das Team einen Professor, der sie in ihrem Vorhaben unterstützte. An der Uni hat das Startup weiterhin ein Büro. Seit der Gründung im Jahr 2015 konnte das Projekt so über eine Exist-Förderung finanziert werden.

Zusätzlich sammelte Poqit bei einer Crowdinvesting-Kampagne Mitte 2016 insgesamt 172.000 Euro ein. Mit einer weiteren Crowd-Runde im März wollen die Gründer auf die bevorstehende Markteinführung aufmerksam machen. Poqit ist aktuell Teil der vierten Klasse des Leipziger SpinLab-Accelerators. In Leipzig bleiben wollen die Börsen-Macher aber nicht: Nach dem Ende des Programms soll es für sie zurück nach Berlin gehen.

Bild: Poqit