Post

Besuch in der Postfiliale. Ziemlich oldschool – und sehr gelb.

Es könnte doch alles so einfach sein. Digital, unkompliziert, schnell. Aber für viele Geschäftsvorgänge braucht es immer noch den Postweg. Wer in Deutschland zum Beispiel ein Konto eröffnen will, n einn Kredit oder eine Kreditkarte beantragt, muss in den meisten Fällen seine Identität in der Postfiliale bestätigen lassen, wenn man nicht direkt in die Bankfiliale gehen will. Dass dieser aufwändige Vorgang auch digital funktionieren kann zeigen Startups wie IDnow, WebID oder Identity Trust.

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In diesem Markt der digitalen Identifizierungslösungen geht es um viel Geld. Insider sprechen von 200 Millionen Euro im Jahr in Deutschland. Und die Post war lange Zeit der Monopolist. Die digitalen Entwicklungen hat der Dax-Konzern aus Bonn allerdings verschlafen. Dafür wehrt er sich mit Händen und Füßen gegen Startups, die sich mit digitalen Lösungen auf diesem Gebiet tummeln. Zuletzt ist die Post mit einer einstweiligen Verfügung gegen die Werbung von IDnow vorgegangen. Sie sei in neun Punkten „irreführend und wettbewerbswidrig“, hieß es.

Die Post zog sieben Einwände zurück

Doch das Startup ließ sich auch von dem drohenden Bußgeld in Höhe von 250.000 Euro nicht einschüchtern und ließ es auf ein Verfahren ankommen. Neun Einwände hatte die Post vorgebracht, nur in zwei Fällen riet die Kammer dem Startup, den Widerspruch zurückzunehmen. Die Post zog ihrerseits sieben Einwände zurück. IDnow überlegt jetzt, seinerseits juristische Schritte gegen die Post zu unternehmen. Wegen der Verletzung von Patentrechten.

Der Service von IDnow heißt „eSign“ und bietet laut eigener Aussage zum ersten Mal die Möglichkeit, Kredite und andere Verträge per Smartphone abzuschließen. Es hätten sich bereits Finanzdienstleister, Versicherer, Städte, Kommunen und Krankenkassen für den Service interessiert, heißt es vom Münchener Startup. Nur mit „europaweit geschütztes Patent“ darf das Startup nach der Gerichtsverhandlung nicht mehr werben. Aber damit können die Macher von IDnow leben. Denn inzwischen nutzt auch die Post das Video-Ident-Verfahren des Startups und spricht selber davon, dass es durch ein Patent geschützt sei.

Es wird alles einfacher werden

Armin Bauer, Gründer und Geschäftsführer von IDnow, hält an seinem Plan fest: „Es war von Anfang an unsere Vision, unseren Kunden eine komplett digitale Lösung für Geschäftsabschlüsse zu bieten. Dadurch werden die Kunden in die Lage versetzt, Echtzeit-Prozesse zu realisieren, um beispielsweise Kredite innerhalb von Stunden auszuzahlen, weil der Postweg entfällt.“ Es wird alles viel einfacher werden. Mit digitalen Unterschriften zum Beispiel. Das können auch die Ex-Monopolisten von der Post nicht ändern.

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