Vom Praktikant zum Entrepreneur in Residence: David Arens bei Boost

„Ich hatte selbst schon überlegt, ein Social Venture zu gründen.“

Nachdem er letzten Oktober seinen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften an der Uni Hohenheim gemacht hatte, wollte sich David Arens erst einmal ein Jahr Zeit nehmen, um Praxiserfahrung zu sammeln. Die beschränkte sich zu diesem Zeitpunkt nämlich nur auf ein paar Ferienjobs und eine Studententätigkeit bei Peek & Cloppenburg, wo er vor allem Hemden, Strickpullis und Kundenkarten an den Mann gebracht hatte. Der Plan lautete nun, innerhalb eines Jahres zwei sechsmonatige Startup-Praktika in Berlin zu absolvieren und dann das Studium weiter voranzutreiben.

Bei seiner Suche nach einem passenden Praktikum fokussierte David sich auf die Branchen, die ihn am meisten interessierten: Mobile Payment und Social Entrepreneurship. „Ich hatte ohnehin schon eine eigene Idee für ein mögliches Social Venture. Als Vorbereitung für eine mögliche eigene Gründung beschloss ich, erstmal handfeste Erfahrungen in einem Team zu sammeln, das diesen Prozess erst kürzlich selbst durchgemacht hat. Auf Boost wurde ich dann ganz unspektakulär durch eine Google-Suche aufmerksam.“

Überzeugend: Charity-Einnahmen in Millionenhöhe

Besonders die unproblematische Skalierbarkeit des Produktes faszinierte David: Das Social Startup unterhält Partnerschaften mit Online-Shops und sammelt so Provisionen in einer durchschnittlichen Höhe von sechs Prozent ein, sobald ein Kunde über Boost in einem dieser Shops einkauft. 90 Prozent dieser Provision werden in Spenden umgewandelt, die der Kunde an eine gemeinnützige Initiative seiner Wahl weiterleiten kann. Der Einkauf verteuert sich durch diesen Prozess nicht.

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„Nahezu jeder Internetnutzer ist heutzutage auch Online-Shopper und könnte durch diese Einkäufe kostenlose Spenden generieren. Wir reden hier von etwa 51 Millionen Deutschen, die im Jahr circa 700 Millionen Euro an Affiliate-Marketing-Provisionen erzeugen. Wenn Boost nur ein kleines Stück dieses Kuchens zu Spenden machen könnte, wären das wiederkehrende Einnahmen für Charities von jährlich vielen Millionen Euro“, erklärt David begeistert.

„Bei einem so kleinen Team war mir klar: Hier kannst du in alle Bereiche reinschnuppern.“

„Mein Interesse für Boost war angesichts dieser Zahlen schnell geweckt“, berichtet David. Bereits im Vorstellungsgespräch konnte David mit Benjamin Vahle, Co-Founder und CEO von Boost, über Fragen und Ideen zur Weiterentwicklung des Unternehmens diskutieren. Für Benjamin passte vor allem Davids Erfahrung im Verkauf zu der Herausforderung, vor der das Startup gerade stand. „Für mich bot Boost die Aussicht, zu erleben, welche großen und kleinen, schweren und leichten Aufgaben die Gründung und Führung eines eigenen Unternehmens so mit sich bringt – und das in einer Branche, in der ich auch längerfristig Fuß fassen wollte“, sagt David.

„Auch, wenn das Praktikum im Bereich Business Development und Vertrieb ausgeschrieben war, wusste ich, dass in einem so kleinen Team die Aufgabenbereiche nicht so stark abgetrennt sind und meine Chancen, Einblicke in alle möglichen Bereiche zu erhalten, gut stehen“, erzählt David. Diese Einschätzung sollte sich als goldrichtig herausstellen.

Vom Praktikant zum Entrepreneur in Residence

Zu Beginn seines Praktikums bestand Davids Hauptaufgabe erstmal darin, Sponsoren für das anstehende Weihnachtsgewinnspiel zu finden – also recherchieren und telefonieren, telefonieren, telefonieren. Kurz vor Weihnachten stand dann auch noch der Umzug in die neuen Büroräume in der Kurfürstenstraße an. „Von der Besichtigung bis zur Vertragsvorbereitung und Umzugsplanung durfte ich mich um fast alles kümmern“, erinnert sich David, dessen Aufgabenbereich nun zunehmend wuchs.

Nachdem er Erfahrungen im Vertrieb und Office Management gesammelt hatte, fielen nun auch ein Teil der Buchhaltung, Online Marketing, Recruiting und Business Development in Davids Aufgabenbereich. „Nach einem halben Jahr war dann klar: Jetzt aufzuhören macht gar keinen Sinn! Meinen ursprünglichen Plan, zwei halbjährige Praktika zu machen, warf ich kurzfristig über Bord und unterschrieb die Vertragsverlängerung bei Boost“, so David. „Im Laufe des Jahres hat sich meine Praktikantenrolle also eher zu der eines Entrepreneurs in Residence entwickelt.“

Tischtennis und undemokratische Lunch-Entscheidungen

Dass er noch nicht genug von Boost hatte, sei neben der „hohen Eigenverantwortung und dem spannenden Aufgabenmix“ auch der Atmosphäre und der Management-Kultur, die in dem Startup herrscht, geschuldet gewesen, berichtet David. „Das kann ich am besten anhand eines klassischen Arbeitstages verdeutlichen“, fügt er hinzu.

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„Ein typischer Tag beginnt bei mir so gegen neun Uhr. Nicht, weil das so vorgeschrieben ist, sondern weil ich mich nach einiger ‚Selbstfindungszeit’ auf diese Uhrzeit eingependelt habe. Dann scanne ich meine neuen Mails nach ‚Katastrophen’. Bleiben diese aus, stelle ich mir in dem von uns verwendeten Task-Manager die Aufgaben für den jeweiligen Tag zusammen, die ich dann nacheinander abarbeite. Dienstags um elf steht ein Standup-Meeting auf dem Plan, bei dem jeder Mitarbeiter von letzter und kommender Woche berichtet und Dinge zur Sprache kommen, die das ganze Team betreffen. Danach wird es Zeit für eine regenerative Runde Tischtennis, bevor sich das Team gegen 13 Uhr zum Lunch versammelt.“

„Je nach Wochentag hat bei Boost ein anderer Mitarbeiter die Pflicht und Ehre, zu bestimmen, welcher Lieferdienst beauftragt wird oder bei welchem der umliegenden Imbisse etwas bestellt wird. Das minimiert die Zeit, die sonst für Abstimmung und demokratische Meinungsbildung verloren ginge. Wer hätte gedacht, dass es in einem Social Startup manchmal auch diktatorisch zugeht.“

Fazit: „Längeres Commitment zahlt sich aus!“

Das Motto, unter das die Gründer Benjamin Vahle und Frank Eckert die Arbeit bei Boost stellen, lautet in etwa: Jeder weiß selbst am besten, wie er am produktivsten arbeitet. „Ich finde, hier kommt wunderbar zum Ausdruck, welche Werte die Arbeitsatmosphäre bei Boost prägen: Vertrauen in und Wertschätzung für jedes einzelne Teammitglied. Diese Management-Kultur ist für mich sicherlich eine der wichtigsten Erfahrungen, die auch weit über das Praktikum hinaus einen Einfluss auf mich haben wird.“

Nach vollen 12 Monaten im Unternehmen wird es nun Zeit, ein Fazit zu ziehen. „Die Erwartungen, die ich zu Beginn meines Praktikums hatte, haben sich mehr als erfüllt!“ Neben einem umfassenden fachlichen Einblick in die vielen Rädchen eines Startups habe er nicht nur erfahren, was gutes Management bedeutet, sondern vor allem auch herausfinden können, welche Tätigkeiten ihm Spaß machen, worin er gut ist und ebenso, wo seine Grenzen liegen, resümiert David.

„Ich habe gelernt, dass ich vor allem operativ und analytisch stark bin und lieber zum Telefon greife statt eine Email zu schreiben. Ebenso habe ich erkennen müssen, dass ich gestalterisch kein Genie bin und hier lieber auf professionelle Hilfe zurückgreifen sollte – diese Einsicht war nicht leicht. Solche Einblicke sind für die weitere Gestaltung meines Werdegangs unbezahlbar! Ein Praktikum in dieser Form kann ich also jedem und jeder Interessierten nur wärmstens empfehlen! Dabei sollte man auch ruhig mal die Extrameile gehen und sich für eine längere Zeit einem Unternehmen ‚committen’ – die Größenordnung von möglichen Projekten und die Lernkurve beeinflusst das nämlich nach meiner Erfahrung nur positiv.“