Kasia Kohl in ihrem Atelier

„Hier konnte ich einen effektiven Beitrag leisten“

Kasia Kohl studiert Illustration an der HAW in Hamburg und arbeitet nebenbei freiberuflich. Im Moment sind es vor allem CD-Cover und Zeitschriften, die die 24-Jährige illustriert. Dabei arbeitet sie in verschiedenen Medien parallel: „Das geht vom abstrakten Malen auf Leinwand bis hin zu digitalem Character Design“, erklärt Kasia.

Auf der 2012 von Sebastian Schütz initiierten Online-Plattform Youvo, die wohltätige Organisationen und Designer zueinander führt, wurde Kasia auf das Viva-con-Agua-Projekt aufmerksam: Für den Berliner Ortsverein sollte eine Fotowand designt werden. Der gemeinnützige Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, „die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen in Entwicklungsländern nachhaltig zu verbessern“, die Fotowand soll beispielsweise in Workshops und auf Festivals Aufmerksamkeit für das Thema Wasser schaffen. Gleichzeitig vermitteln Teams vor Ort wertvolle Fakten, leisten Aufklärung und sammeln Spenden.

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Kasia hatte sich bereits für soziale Projekte und auch bei Viva con Agua engagiert und hatte sofort Lust, das Projekt zu übernehmen. „Vor allem, weil ich hier mit meinen künstlerischen Fähigkeiten einen effektiven Beitrag leisten kann“, begründet Kasia ihre Entscheidung. Für die zwei mal drei Meter große Stellwand arbeitete Kasia von Hamburg aus. Mehrere Tage zeichnete und kolorierte sie digital. Bei der Berliner Ortsgruppe des Vereins wurde die Illustration schließlich gedruckt und aufgebaut.

„Auftragsarbeit ist eine wichtige Übung“

Dass Kasia in diesem Fall nicht von dem gleichen Ort aus arbeitete, an dem die Fotowand angefertigt wurde, ist bei durch Youvo vermittelte Zusammenarbeiten keine Seltenheit: Der Künstler – egal, ob Digital-Designer, Social-Media-Talent oder PR-Texter – kann meist auch ortsunabhängig für die Organisation tätig werden. Kasia jedenfalls hat das Online-Volunteering Spaß gemacht: „Meine Arbeit wurde sehr dankbar angenommen und dabei konnte ich das Tempo selbst bestimmen. Außerdem habe ich eine Menge absurden Humor in die Illustration einbauen können, der bei gestandeneren Firmen wohl fehl am Platze gewesen wäre“, erzählt Kasia.

Die von Kasia illustrierte Fotowand

Über Youvo ein kreatives Projekt anzunehmen sei vor allem für Studenten früherer Semester eine tolle Möglichkeit, berichtet sie. „Gerade am Anfang ist es nämlich schwierig, an interessante Aufträge zu kommen. Und Auftragsarbeit ist eine wichtige Übung: Man lernt eine Menge – von der Einschätzung der eigenen Produktivität bis hin zur Preisgestaltung. Daher sind diese etwas harmloseren Aufträge perfekt dafür, um zu lernen, wie man souverän mit seinen Auftraggebern kommuniziert und dabei eigene Rechte und Bedürfnisse durchsetzt“, findet die Studentin.

Für Kasia hat sich die Kooperation auch über diese wichtigen Learnings hinaus gelohnt, denn mit Viva con Agua wird sie nun noch intensiver zusammenarbeiten. So wurde beispielsweise das Cover für das Drop!-Magazin, das der Verein veröffentlicht, von ihr gestaltet. Im Sommer 2015 erhält Kasia außerdem die Chance, ihre Arbeiten in der Millerntor Gallery ausstellen zu können – auch das ein Vorteil, der sich aus der Verbindung ergeben hat.

Obwohl Kasia eigentlich keine Befürworterin von unvergüteten oder schlecht bezahlten Aufträgen ist, ist sie sicher, dass ihr projektbasiertes Engagement in diesem Fall sinnvoll war. „Nach schrägen Tattoowünschen und abgedrehten Fantasy-Portraits von monströsen Meerschweinchen war es wirklich mal eine gute Erfahrung, meine Arbeit für etwas richtig Positives zur Verfügung zu stellen und schließlich studiere ich Kunst um etwas zu verbessern“, sagt Kasia. „Und außerdem“, fügt sie hinzu, „ist es auch nie verkehrt, bei jemandem in Berlin etwas gut zu haben.“


Fotos: Kasia Kohl, Youvo