„Die Nominierung ist die Anerkennung für unsere erfolgreiche Arbeit – nicht unbedingt für die Idee“

Auf der Forbes-Liste „30 under 30“ ist Avuba-Gründer Jonas Piela in diesem Jahr der einzige Deutsche – zumindest in der Kategorie Consumer Tech. Aber auch im Bereich Manufacturing haben sich zwei Deutsche durchgesetzt: Florian Hagenbuch und Mate Pencz, beide ursprünglich aus Baden-Württemberg, landeten mit ihrem Startup Printi auf der Liste. 2012 gründeten die beiden die Online-Druckerei – ähnlich wie Flyeralarm – in São Paulo.

Seither geht’s für die beiden Gründer, die sich nach dem Studium in London kennenlernten, bergauf: Zuerst investieren mehrere Geldgeber aus dem Silicon Valley, aber auch die Deutschen Constantin Bisanz und Kai Schoppen, insgesamt 1,2 Millionen US-Dollar. Im letzten Sommer kaufte dann Weltmarktführer Vistaprint alle Investoren wieder heraus und übernahm für 25 Millionen US-Dollar fast die Hälfte des Unternehmens.

Im Interview sprechen Hagenbuch und Pencz über ihre Erfolgsstory.

Glückwunsch zu dem Platz auf der Forbes-Liste. Seid Ihr überrascht?

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Pencz: Für uns war es keine komplette Überraschung. Forbes hatte ja bereits zweimal über uns berichtet, wir waren also über die Jahre mit der Redaktion im Kontakt. Und dann haben uns einige unserer Investoren aus dem Silicon Valley empfohlen, die auch schon einmal auf der Liste waren. Wir wussten also seit einigen Monaten, dass wir in der engen Auswahl sind – dass wir dann aber tatsächlich auf der Liste gelandet sind, war dann schon noch mal eine Überraschung.

Hagenbuch: Es ist extrem selten, dass internationale Gründer auf der Forbes-Liste landen – gerade Gründer, die in Südamerika aktiv sind, landen so gut wie nie auf der Liste.

Florian, Du bist schon im Alter von vier Jahren mit deiner Familie nach Brasilien gezogen. Habt Ihr deswegen in Brasilien ein Startup gegründet und nicht in Deutschland oder den USA?

Hagenbuch: Ja, genau. Mein Vater war Geschäftsführer von Heidelberger Druckmaschinen in Brasilien. Durch seinen Hinweis und seine Erfahrungen mit dem Markt kam uns natürlich auch die Idee für ein Online-Druckgeschäft. Der Markt in Brasilien ist für junge Unternehmen immer noch riesig, weil viele der erfolgreichen Online-Modelle hier noch nicht erfolgreich umgesetzt wurden.

Wie habt Ihr Euch anfangs finanziert?

Pencz: Anfangs waren wir gebootstrapped. Aber dann haben wir in der Serie A 1,2 Millionen Dollar von mehreren Investoren eingesammelt. Das Geld hat fast zwei Jahre gereicht, um das Business hochziehen. Mitte letzten Jahres haben wir dann die große Runde mit Vistaprint gemacht.

Vistaprint hat 49 Prozent übernommen. Der US-Konzern ist zwar alleiniger Investor, aber Euch beiden gehört immer noch der Rest. Eigentlich wollte Vistaprint Printi sogar ganz kaufen. Wieso habt Ihr das nicht gemacht?

Hagenbuch: Wir wollten die Firma nicht komplett verkaufen, weil wir denken, dass es noch viel Potential gibt. Außerdem wollten wir die Kontrolle behalten und die Firma auf keinen Fall verlassen – weder als Gesellschafter noch als Geschäftsführer. Andererseits brauchten wir viel Geld, weil wir nun eigene Fabriken aufbauen wollen, deswegen habe wir fast die Hälfte abgegeben.

Klingt nach einer tollen Erfolgsgeschichte. Wirklich innovativ ist Euer Modell aber nicht. Könnt Ihr Euch erklären, warum Ihr trotzdem auf der Forbes-Liste gelandet seid?

Hagenbuch: Ich glaube, dass wir ausgezeichnet wurden, weil wir sehr erfolgreich einen traditionellen Markt in Brasilien aufgerollt haben, mit Unterstützung aus dem Silicon Valley. Und schlussendlich haben wir das sogar so gut hinbekommen, dass der größte Player am Markt – Vistaprint – über uns hierzulande den Markteintritt schaffen will. Ich denke, die Nominierung ist nun die Anerkennung für unsere erfolgreiche Arbeit – nicht unbedingt für die Idee.

Brasilien ist und bleibt ein schwieriges Land für Startups. Was sind für Euch die größten Herausforderungen?

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Hagenbuch: Logistik ist in Brasilien immer noch ein großes Problem, aber auch die Produktivität der Mitarbeiter ist eine Herausforderung. Außerdem ist die Bürokratie irre aufwendig! Es gibt hier beispielsweise sehr hohe Lohnnebensteuern. Andererseits ist es so auch für Konkurrenten schwieriger, in den Markt zu dringen. Deswegen ist auch Vistaprint bei uns eingestiegen, anstatt selbst eine Niederlassung in Brasilien aufzubauen. Häufig ist es für die großen Player aus dem Ausland einfacher, bei einem brasilianischen Startup einzusteigen als selbst in den Markt zu gehen.

Als Deutsche verfolgt Ihr sicherlich auch die Entwicklung der deutschen Startup-Szene. Was haltet Ihr davon?

Pencz: Ich denke, es gibt viele Parallelen – gerade im Vergleich zum Silicon Valley. Sowohl in Brasilien als auch in Deutschland fehlt immer noch viel Funding, weil es wenig risikofreudige Investoren gibt. Und die Einstellung ist ähnlich: In beiden Ländern wollen die Menschen lieber in großen Firmen arbeiten – auch weil sie Angst vor dem Scheitern mit einem Startup haben. Aber die Wirtschaft in Deutschland ist natürlich stärker, dafür gibt es aber auch mehr Konkurrenz.

Hagenbuch: In Brasilien kann man es tatsächlich vergessen, Investoren zu überzeugen, wenn man keinen skalierbaren Umsatz hat.

Könntet Ihr Euch vorstellen, zurück nach Deutschland zu gehen?

Hagenbuch: Ich finde die Berliner Szene total cool. Deswegen könnte ich mir das gut vorstellen. Aber in Brasilien habe ich viele Kontakte, deswegen müsste ich mir das gut überlegen.

Pencz: Wenn wir noch einmal etwas gründen, dann können wir uns das sicher gut vorstellen. Denn wie gesagt glaube ich, dass das Potential in Deutschland riesig ist, weil die Konkurrenz noch lange nicht so groß ist wie in den USA.

Vielen Dank, Florian und Mate, für das spontane Interview.

Bild: Printi