Female bloggers using laptop and smart phone in creative office

Ein Gastbeitrag von Marc Clemens, Gründer von CodeControl.

Die meisten Startups scheitern – sei es wegen eines übersättigten Marktes, eines verfrühten Produktstarts oder einfach wegen einer zu teuren Tischtennisplatte. Die kostspieligsten Fehler werden jedoch häufig auf der Produktseite gemacht. Das kann zum Beispiel an einer schlechten Konzeptdefinition, geringer Expertise oder Overengineering – also einer Entwicklung, die über das Bedürfnis des Kunden hinausgeht – liegen.

Eine gut strukturierte Produktentwicklung hilft dabei, Antworten auf die schwierigen Fragen zu finden und die gesamte Strategie besser zu beschreiben. Vier Schritte helfen bei der Ausgestaltung des Entwicklungsprozesses.

Schritt 1: Vorbereitung des Projekts

Der erste Schritt ist es, zu entscheiden, welche Art Produkt man entwickeln möchte. Viele Teams setzen dabei auf sogenannte skalierbare Minimum Viable Products (MVPs). Das sind Produkte mit einer Architektur, auf die später einfach aufgebaut werden kann, die aber in der Anfangsphase nur über die essentiellen Features verfügen. Skalierbare MVPs haben gegenüber den Wegwerf-MVPs (Disposable MVPs) den Vorteil, dass sie weniger fehleranfällig sind. Ein Disposable MVP kann etwa eine Seite sein, die mit einem Landingpage-Baukasten (z.B. Unbounce oder Instapage) gebaut wurde. 

Bevor man nun mit der Entwicklung der User Experience (UX) beginnt, ist es wichtig, klare Vorgaben für den Zeitplan und das Budget zu haben. Beides sollte so gut wie möglich eingehalten werden.

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Schritt 2: Entwicklung der UX

Hier geraten die meisten Gründer auf Abwege. Sie verlieren sich oft im großen Ganzen und ignorieren, wie ihre Nutzer tatsächlich mit dem Produkt umgehen. Um zu verstehen, wer die Nutzer und was ihre Anforderungen sind, kann es hilfreich sein, „User Stories“ zu entwerfen. Dafür kann man einfach dieser Vorlage folgen: „Als [wer] möchte ich [was], damit [warum].“

Entwickelt man zum Beispiel eine Co-Working-App, kann eine User Story sein: „Als selbstständiger Softwareentwickler möchte ich einen Lageplan für den Co-Working-Space sehen, damit ich weiß, wie ich ihn leicht finden kann.“ Damit ist klar, dass in der App eine Mini-Karte enthalten sein sollte. Das ist ein sehr spezifisches Beispiel, wie man die UX durch konkrete Features aufbauen kann.

User Stories funktionieren aber auch, um größere Konzepte für die Produktentwicklung zu identifizieren. Beispiel: „Als selbstständiger Softwareentwickler möchte ich ortsungebunden arbeiten, damit ich in der Welt reisen kann.“ Diese breiter angelegte User Story verdeutlicht, warum eine Co-Working-App grundsätzlich sinnvoll sein kann für selbstständige Developer.

Nun gilt es, die User Stories zum Leben zu erwecken. Am besten lassen sich potenzielle Features mit einer Skizzierung der UX visualisieren – auch bekannt als Wireframing. Beim Erstellen von MVPs ist es entscheidend, die möglichen Features sorgfältig zu priorisieren. Hierzu verwendet man ein simples Ranking: Alle Stories erhalten einen Wert zwischen 0 und 10 für Kosten, Komplexität und Einfluss auf das ursprüngliche Ziel (das große Ganze). Man errechnet die Durchschnittspunkte für jedes Feature und priorisiert danach. So lässt sich Overengineering vermeiden.

Das Produkt nimmt nun langsam Gestalt an; die am höchsten bewerteten Features definieren das Konzept.

Schritt 3: Design nach dem „Quick & Dirty“-Verfahren

Obwohl es verlockend ist, viel Zeit in die Gestaltung der Marke zu investieren, sollte man diesem Instinkt nicht immer folgen. Das Wesentliche beim dritten Schritt ist Geschwindigkeit. Das MVP muss schnell auf den Markt gebracht werden und das gelingt am besten „quick and dirty“ – also mit einem nicht ganz sauberen, dafür aber effizienten Designprozess.

Bild: Maskot

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