Die Geschäftsführung von Project Collins: Sebastian Betz, Hannes Wiese und Tarek Müller (von links)

Eine junge Zielgruppe online ansprechen und endlich moderner werden – dafür hat das Versandhaus Otto seit dem Frühjahr 2014 ein eigenes Startup, Project Collins. Das Vorhaben entwickelt sich offenbar gut: Collins vermeldet für die Monate März bis August starkes Wachstum. Man habe den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdreifachen können, informieren die Gründer und Manager Sebastian Betz, Hannes Wiese und Tarek Müller. Für das gesamte Geschäftsjahr wird ein hoher zweistelliger Millionenumsatz erwartet.

Auch im kommenden Jahr soll das Wachstum hoch gehalten werden, kündigt Hannes Wiese an: „Erklärtes Ziel ist, in unserem dritten Jahr am Markt einen dreistelligen Millionenbetrag umzusetzen.“ Genauere Zahlen gibt das Unternehmen nicht heraus.

Auch Mitgründer Tarek Müller äußert sich heute zur Collins-Bilanz. Dem Handelsblatt sagte er: „Vor einem Jahr waren wir noch ein junges, cooles, aber kleines Projekt, heute sind wir ein ernstzunehmendes Unternehmen, auch für unsere Lieferanten.“ Müller betont, dass man sich noch im Investitionsmodus befinde. „Irgendwann wird natürlich Profitabilität wichtiger als Wachstum“, sagt er. „Aber dafür haben wir noch drei bis fünf Jahre Zeit.“ Project Collins werde bereits effizienter: Es koste immer weniger, einen neuen Kunden zu gewinnen.

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Der Kundenzuwachs scheint in den vergangenen sechs Monaten allerdings zu stocken. Im April hieß es noch, die beiden Collins-Shops About You und Edited hätten eine halbe Million aktiver Kunden. Nun seien es „mehr als eine halbe Million“. Auf eine Nachfrage zu genaueren Zahlen war Project Collins bisher nicht erreichbar.

Update, 15:25 Uhr: In Project Collins‘ Antwort heißt es, man habe ein signifikantes Kundenwachstum im ersten Halbjahr verzeichnet. Genaue Zahlen gebe das Unternehmen erst wieder zum Ende des Geschäftsjahres bekannt.

Das Startup will Kunden in Zukunft mit personalisierten Angeboten überzeugen. Dafür müssen Nutzer ein sogenanntes Fashion-Profil ausfüllen. Die Ergebnisse sollen besser sein als Vorschläge, die beispielsweise Amazon anzeigt. Collins will bei der Personalisierung nicht auf den Kaufverlauf setzen. Dem Handelsblatt sagte Müller, dass der nicht aussagekräftig genug sei. Viele Kunden kauften auch mal für Freunde ein. „Bei Amazon habe ich mir zum Beispiel einmal eine Pfanne gekauft und bekomme nun dauernd Haushaltsartikel angezeigt – obwohl mich das gar nicht interessiert.“

Müller will seinen Kunden die Option geben, selbst zu entscheiden, was sie angeben. „Für uns ist das der deutsche Weg, mit Daten umzugehen“, sagt er. „Wir begegnen möglichen Datenängsten mit Transparenz und Selbstbestimmtheit für den Kunden.“

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Außerdem bleibt das Thema Mobile wichtig. Man arbeite an verbesserten Apps und habe zuletzt in der neuen About-You-Applikation die Engagement-Rate verdoppelt können. Laut CTO Sebastian Betz will Project Collins mobiler „Innovationsführer im Bereich Fashion-E-Commerce“ werden.

Da wird das Unternehmen massiv investieren müssen, um die deutsche Branchengröße Zalando einholen zu können. Zalando stellt momentan zahlreiche Entwickler ein und etablierte vor kurzem einen eigenen Innovation Hub. Zalando erreichte 2013 eine Markenbekanntheit von 95 Prozent, About You liegt momentan bei einem Drittel in der Zielgruppe.

Bild: Collins