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Hoffen auf US-Investoren: Protonet-Gründer Ali Jelveh und Christopher Blum

„Bitte seid gewiss, dass wir uns unserer Verpflichtung bewusst sind, denn ein Großteil unserer Investoren sind Kunden, Freunde, Familienmitglieder, ehemalige und aktuelle Kollegen der Protonet-Gründer und deren Mitarbeiter. Sie alle möchten und werden wir nicht enttäuschen und arbeiten an einer für alle Seiten akzeptablen Lösung.“ Das schreibt das Hamburger Hardware-Startup Protonet, das mit einem kleinen orangenen Home-Server weltweit für Schlagzeilen sorgte, auf Facebook.

Vorangegangen war ein Bericht der Kollegen von t3n – und eine ganze Menge Unbehagen bei den Crowdinvestoren von Protonet. Die hatten das von Ali Jelveh und Christopher Blum gegründete Unternehmen mit stattlichen drei Millionen Euro unterstützt. Es läuft gut für Protonet, das mit dem Produkt Zoe nun auch in den Bereich Home Automation vordringen will. Vor wenigen Wochen kam sogar noch der Ritterschlag: Das Hamburger Startup wurde in den namhaften US-Accelerator Y Combinator aufgenommen, der bereits Startup-Einhörner wie Dropbox oder Airbnb hervorgebracht hat.

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Und genau diese vermeintlich gute Nachricht wird dem Unternehmen gerade zum Problem. Die Auseinandersetzung führt das Unternehmen dabei mit den Crowd-Investoren, die Protonet in den vergangenen Jahren so maßgeblich unterstützt hatten. Denn die bombardieren das Unternehmen dem Bericht zufolge im geschlossenen Investoren-Bereich der Plattform Seedmatch gerade mit vielen unbequemen Fragen, auf die die Gründer keine richtige Antwort haben. Denn: Um in das Programm aufgenommen werden zu können, musste Protonet die Bedingungen des US-Accelerators annehmen. Das heißt zum einen eine deutlich geringere Unternehmensbewertung und zum anderen eine andere Unternehmensstruktur.

Y Combinator gibt stets 120.000 Dollar für exakt sieben Prozent des Unternehmens – unabhängig vom Unternehmen. Macht eine Bewertung von 1,7 Millionen Dollar (1,5 Millionen Euro) – was angesichts des Alters des Unternehmens und der finanziellen Mittel, die bislang geflossen sind, auffällig niedrig ist. Denn: Die neue Bewertung ist nur ein kleiner Bruchteil der 11,9 Millionen Euro, die Protonet bei seiner Schwarm-Kampagne 2014 angesetzt hatte – also noch bevor die drei Millionen in das Unternehmen geflossen sind. Das behagt den Investoren nicht, sie fühlen sich betrogen, dass ein Investor nun zu ganz erheblich besseren Konditionen einsteigen darf.

Bei der neuen Gesellschaftsstruktur hatten die Crowdinvestoren, die über die Plattform per Nachrangdarlehen investiert hatten, ebenfalls kein Mitspracherecht. Trotzdem haben sie Angst. Haben sie überhaupt noch am unternehmerischen Erfolg teil? Werden sie aus dem Unternehmen herausgedrängt, wie es bereits bei anderen Startups passiert ist? Protonet erklärt gegenüber Gründerszene: „Es gab bestimmt an der einen oder anderen Stelle ein Kommunikationsdefizit von unserer Seite. Auch wir können wie andere Unternehmen auch, nur dann etwas offiziell mitteilen, wenn es etwas mitzuteilen gibt.“

Von Protonet heißt es gegenüber Gründerszene weiter: „Unsere Expansion in den US-Markt und die Teilnahme am Programm von Y Combinator haben nur ein einziges Ziel: Das Unternehmen Protonet weiter auf eine solide Basis stellen und damit das Investment aller Investoren nachhaltig zu sichern.“ Schon zuvor hatte Protonet die Aussicht auf eine große Anschlussfinanzierung ins Gespräch gebracht. Investoren für Hardware-Projekte sind hierzulande schwer zu finden – eine Problematik, vor der auch andere Startups stehen. Und das Netzwerk, das der Y Combinator mit sich bringe, komme schließlich noch hinzu.

Bei Seedmatch beruft man sich währenddessen auf die unbeteiligte Vermittlerrolle. „Direkte Informationspflichten gibt es nur zwischen den direkten Vertragspartnern – in dem Fall zwischen Startup und Investor. Uns war jedoch bekannt, dass Protonet an einer Anschlussfinanzierung arbeitet“, heißt es gegenüber Gründerszene. Und: „Seedmatch hält keine Beteiligung an Protonet – und hat damit auch kein Mitspracherecht.“

Dennoch gerät der Fall Protonet zu einem weiteren Problemfall für die Crowdfunding-Plattform – und das, obwohl das Hamburger Startup sogar eine echte Erfolgsgeschichte ist. Und die sind rar gesät: Fast ein Dutzend Pleiten bei knapp 90 finanzierten Projekten allein auf Seedmatch führen vor Augen, wie schwierig Startup-Investments sind. Erstmals wurden Ende 2015 Crowdinvestoren an einem Exit beteiligt (PDF) – ein Einzelfall bislang, was sicherlich dem typischerweise frühen Zeitpunkt der Crowd-Kampagnen geschuldet ist.

Während im aktuellen Fall Protonet zwar der Akteur ist, weist der Vorgang auf zwei generelle Probleme hin: Zum einen, dass sich die Belange der Crowd und die Anforderungen traditioneller Geldgeber, vor allem internationaler, mitunter nur schwierig unter einen Hut bringen lassen. Und zum anderen, dass Crowdinvestoren in der Regel kein oder nur sehr begrenztes Mitspracherecht haben – sich dessen aber ganz offensichtlich nicht ausreichend bewusst sind.

Es ist in Zukunft also mehr Aufklärungsarbeit gefordert von Seedmatch. Und im aktuellen Fall die Wahrung der Interessen der Schwarminvestoren. Von der Plattform hieß es gegenüber den Investoren laut Bericht schon vor Wochen, man wolle Letzteres in jedem Fall tun. Nicht für alle Herausforderungen gebe es einen Masterplan, man stehe aber mit Protonet in Kontakt und wolle „eine gleichermaßen Crowd- und US-Investor-freundliche Lösung“ präsentieren. Bislang geschehen ist das allerdings nicht.

Bild: Protonet