Dahinter steckt eigentlich ein kluger Kopf: VC-Legende Tim Draper 2014 mit einem VR-Kit

Wer an diesem Freitag versucht, mit Protonet in Kontakt zu treten, hat quasi keine Chance. Am zweiten Tag, nachdem bekannt wurde, dass der einstige Crowd-Star Insolvenz anmelden musste, ging man in Hamburg auf Tauchstation. Telefonanrufe wurden automatisch auf eine Bandansage weitergeleitet, die – unterlegt von melancholischer Musik – dem Anrufer erklärte, „dass die Verantwortlichkeiten innerhalb des Unternehmens und alle Außenbeziehungen neu definiert“ würden und man daher keine Anrufe entgegennehme. Man könne „nur auf diesem Weg unser ernsthaftes Bedauern ausdrücken und versichern, dass wir als Team und als Betroffene alles Erdenkliche tun, um die Auswirkungen für unsere Kunden, Mitarbeiter und Investoren zu minimieren.“

Die 18 Mitarbeiter, etwa 2.000 Crowd-Investoren und angeblich mehr als 2.500 Kunden stehen noch vor einer ganzen Reihe von offenen Fragen. Zum Beispiel: Ist da noch etwas zu retten? Findet sich möglicherweise ein Käufer für die Software oder andere Vermögenswerte des Unternehmen? Kann die seit 2016 bestehende US-amerikanische Mutterfirma möglicherweise fortgeführt werden? Müssen Protonet-Nutzer nach einer neuen Lösung suchen?

Gründerszene-Anfragen zu diesen Themen hat das Unternehmen bislang auf „nächste Woche“ vertröstet. Auch die zuständige Insolvenzverwalterin aus der Kanzlei des Hamburger Anwalts Klaus Pannen antwortete nicht auf einen Fragenkatalog.

Anzeige
Nutzer der Protonet-Lösungen müssen zumindest kurzfristig nicht reagieren. Allerdings soll der DNS-Dienst des Unternehmens in den nächsten Wochen abgestellt werden. Wer also eine protonet.info-Domain nutzt, sollte sich bald eine eigene Adresse sichern. Ebenso wird es keine über Protonet versandten Push- und E-Mail-Benachrichtigungen mehr geben.

Unklar ist noch, ob die Software der Hamburger weiter Sicherheitsupdates erhalten wird. Falls das nicht passiert, sollten Kunden sich auf jeden Fall nach einer anderen Lösung umsehen. Zu t3n sagte Gründer Ali Jelveh am Mittwoch: „Wir schieben jetzt parallel noch ein Update raus, haben ein Security-Audit gemacht, die Punkte eingebaut und machen es einfacher, die Boxen unabhängig von uns zu managen.“

Bei der Crowdinvesting-Plattform Seedmatch hat man die Hoffnung offenbar noch nicht ganz aufgegeben: Sie verschickte gestern eine Mail mit der Betreffzeile: „Protonet kämpft um seine Zukunft“. Darin wird betont, dass die US-amerikanische Protonet Inc. nicht von dem Insolvenzverfahren der deutschen Betriebs-GmbH betroffen sei. Man erörtere gemeinsam mit Protonet „mögliche Lösungen für die Investoren“, heißt es von Seedmatch.

Mit der Inc. hatte Protonet im vergangenen Sommer nach der Teilnahme am Y Combinator 1,6 Millionen US-Dollar von (professionellen) Investoren eingesammelt. Über die Namen der Geldgeber schwieg sich das Unternehmen bislang aus. Recherchen von Gründerszene zeigen nun, dass zu ihnen Draper Associates gehört, der Seed-Phasen-VC des legendären Valley-Investors Tim Draper. Zu Drapers erfolgreichsten Wetten gehören Tesla, Skype, Baidu und Twitch; beim Healthtech-Startup Theranos bewies der Investor, dass er manchmal auch daneben liegt. Auch das Investment in Protonet wird Draper aller Wahrscheinlichkeit nach abschreiben müssen.

Bild: Getty Images / Jerod Harris