Deutschland behauptet sich als Europas Fintech-Standort Nummer eins - KPMG

The Pulse of Fintech Q3: Die Lage in Europa

Mit seinem vierteljährlich erscheinenden Report „The Pulse of Fintech“ liefern die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und CB Insights Einblicke in die aktuellen Themen und Herausforderungen der Fintech-Branche.

Weniger Geld – trotz mehr abgeschlossener Deals

Die Zeiten der Mega-Finanzierungsrunden sind vorbei: Während europäische Fintech-Startups sich noch im zweiten Quartal von 2016 insgesamt 411 Millionen US-Dollar an Investitionen sichern konnten, sank diese Summe in Q3 auf 233 Millionen Dollar – obwohl die Anzahl der abgeschlossenen Deals voraussichtlich das Rekordjahr 2015 noch übertreffen wird.

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Deutschland als neues Fintech-Zentrum Europas

Die Entscheidung der britischen Bevölkerung, die europäische Union zu verlassen, wird die politische Landschaft des Kontinents verändern – und hat auch bereits die Fintech-Szene auf den Kopf gestellt. Traditionell war das Vereinigte Königreich das Finanz- und Banking-Zentrum der europäischen Union. Doch bereits im zweiten Quartal war dies Geschichte. Obwohl in Q2 britische Fintech-Unternehmen noch 122 Millionen US-Dollar an Investitionen einstrichen, sicherte sich Deutschland die Position als europäischer Fintech-Standort Nummer eins. Und auch im dritten Quartal 2016 konnte Großbritannien nicht aufholen: Hier landeten nur 78 Millionen US-Dollar an Investitionen beim Inselstaat, während der Großteil an Investitionen nach Deutschland ging. Damit konnte sich die Bundesrepublik zum zweiten Mal in Folge die Position als europäisches Fintech-Powerhouse sichern.

Ebenso hatte der in Q3 noch ungewisse Ausgang der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl Einfluss auf die Investmentbereitschaft von Geldgebern. Und trotzdem gab es einige Startups, die ihre Finanzierungsrunden mit außergewöhnlich großen Summen abschlossen. Die zwei größten Finanzierungen des dritten Quartals konnten sich zwei deutsche Startups sichern: Die Online Kredit-Plattform Smava sammelte 34 Millionen US-Dollar ein und das Vergleichsportal für Ratenkredite FinanceFox freute sich über 28 Millionen US-Dollar. Das Berliner Startup FinanceFox ist einer der größten Hoffnungsträger der deutschen Fintech-Szene.

Um diese Stellung in der europäischen Fintech-Szene beizubehalten und vielversprechende Startups von London nach Berlin zu locken, werden die deutschen Player kreativ.

Warum Frankfurt und Berlin gemeinsame Sache machen

So will das vor kurzem eröffnete Frankfurter Fintech-Zentrum „Tech Quartier“ Finanzakteure und Wissenschaft zusammenbringen. Mit seiner Vielzahl an Banken bietet die Stadt am Main ein Ökosystem, das die deutsche Fintech-Landschaft unterstützt und ergänzt. Als Mittler zwischen Finanzinstituten und Startups soll das „Tech Quartier“ das Vertrauen in Finanztechnologien stärken.

Dass Bemühungen, verschiedene Akteure zusammenzubringen, im Trend liegen, zeigten auch die zunehmenden Kooperationen zwischen Banken und Fintech-Startups: Besonders in Bereichen wie Blockchain, Robo Advisory und Insurtech bewiesen sich übergreifende Zusammenarbeiten als besonders fruchtbar. Traditionelle Banken- und Finanzhäuser erkennen zunehmend den Mehrwert dieser Technologien und arbeiten deshalb verstärkt mit Startups zusammen.

So machten die britische Bank Barclays und das israelische Startup Wave in Q3 Schlagzeilen als sie die erste globale Finanztransaktion mit Hilfe der Blockchain-Technologie durchführten.

Was bringt das vierte Quartal für die Fintech-Landschaft?

Wie wird es weitergehen im Fintech-Europa? Trotz sinkender Investitionen im vergangenen Quartal bewerten Experten die Zukunft weitgehend positiv: Prognosen zeigen, dass Investoren zuversichtlicher sein werden sobald die unmittelbaren Auswirkungen des Brexits abgeschwächt sind und sich auch die Situation in den USA stabilisiert hat. Dementsprechend werden Investoren das Kapital, das sie in den vergangenen Quartalen zurückgehalten haben, selbstbewusster investieren.

 

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