Finanzunternehmen haben Angst um ihre Gewinne

Die Banken und Finanzunternehmen sind aufgewacht. „Im Rückblick wird man das Jahr 2015 als den Weckruf für die klassische Finanzwirtschaft bezeichnen“, schrieb Fintech-Kenner André Bajorat zum Jahreswechsel auf Gründerszene. Diese Erkenntnis schlägt sich nun auch in einer globalen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC nieder.

Ein Großteil der Finanzmanager glaubt demnach, dass Fintechs ihnen ein Teil des Geschäfts abjagen werden. Diese Sorge bestätigten 83 Prozent der etwa 500 befragten CEOs, Innovationschefs und Top-Manager aus der globalen Finanzbranche. Vertreter etablierter Banken fürchten gar zu 95 Prozent die neue Konkurrenz.

Kooperationen werden anvisiert

Insbesondere die alten Finanzunternehmen, die im Überweisungs- und Zahlungsgeschäft tätig sind, gehen davon aus, dass ihnen junge Fintechs etwa ein Drittel des Marktanteils abjagen werden. Bankenvertreter gehen von einem Viertel aus. Im Geschäft rund um Anlageberatung und Versicherungen liegen die Werte etwas niedriger – in diesem Bereich versuchen sogenannte Roboadviser in den Markt zu drängen, wie kürzlich eine Untersuchung zeigte.

Bei dem Umgang mit der neuen Konkurrenz sind die Banken und Finanzdienstleister dagegen noch unentschlossen. Immerhin rund ein Drittel der Befragten kann sich eine Kooperation mit einem Startup vorstellen. Die Finanzindustrie sei noch nicht bereit, „all in“ zu gehen und auch in Fintech-Unternehmen zu investieren, attestiert der PwC-Bericht.

Funktionieren die Geschäftsmodelle überhaupt?

Hinter all dem steht die Angst, dass die Startups zu heftigen Gewinneinbußen bei traditionellen Finanzinstituten führen werden. Davon gehen zwei Drittel der Befragten aus. Die Frage ist jedoch: zu welchem Preis? Schließlich müssen die neuen Unternehmen – finanziert durch Millionen an Wagniskapital – ihre Geschäftsmodelle doch noch beweisen.

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Eine aktuelle Recherche des Magazins Capital zieht für den deutschen Markt in Zweifel, dass die Modelle der jungen Konkurrenz überhaupt funktionieren können. Mehr als 20 der „größten und bekanntesten deutschen Finanzstartups“ wurden von dem Magazin befragt. Das Ergebnis: Nur ein Startup arbeitet nach eigenen Angaben bereits profitabel: nämlich Fincite, das etwa den Roboadviser für die Deutsche Bank mitentwickelt hat.

Auch ältere Fintechs würden weiterhin Verluste schreiben: weder Auxmoney, das gerade eine Finanzierung von ProSiebenSat.1 erhalten hat, noch Konkurrent Smava oder die Crowdinvesting-Plattform Companisto, wie der Autor, der Finanzjournalist Heinz-Roger Dohms, schreibt.

Die Zeit spielt gegen die Banken

Das Argument, die Startups würden sich noch in der naturgemäß defizitären Wachstumsphase befinden, lässt der Autor nicht gelten. Unter den neuen Startups seien nur wenige Player wie Number26 und Weltsparen, die wirklich über eine größere Kundenbasis verfügten, heißt es im Capital-Bericht. Wahrscheinlich hat aber eher jemand wie Robert Haselsteiner recht. Der Interhyp-Vertreter wird in dem Text zitiert. Er meint: „Es braucht einfach eine Zeit, bis eine Skalierung einsetzt, gerade im Retailgeschäft.“. Die Zeit spielt dabei gegen die Banken – und für die jungen Angreifer.

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