quintly

Die Gründer Frederik (links) und Alexander Peiniger

Als „Techies“ bezeichnen sich Alexander und Frederik Peiniger immer wieder, während sie erzählen, wie sie zu Gründern wurden. Mal klingt es fast entschuldigend – etwa, wenn wir darüber reden, warum ihr Unternehmen Quintly langsam anlief. Mal herausfordernd – etwa, wenn es um das Analyse-Tool geht, das die beiden selbst programmierten.

Tech-verrückt sind die beiden Brüder Alexander und Frederik Peiniger seit jeher. Sie wachsen gemeinsam mit drei Geschwistern in Ennepetal bei Wuppertal auf. Für die fünf Kinder ist Unternehmertum normal, ihr Vater arbeitet als selbstständiger Physiker. Nach der Schule studiert Alexander Peiniger im nahegelegenen Wuppertal Mathe und beginnt, mit Softwareentwicklung neben seinem Studium Geld zu verdienen. Sein jüngerer Bruder zieht fürs Informatikstudium nach Dortmund. Gemeinsam gründen sie 2008 die IT-Agentur Pedigital, um diese Aufträge zu bündeln. „Das Unternehmertum hat uns immer schon gereizt und wir waren technologisch sehr gut aufgestellt“, erinnert sich Frederik Peiniger. Es sei eine natürliche Entscheidung für die zwei gewesen.

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Durch Zufall stoßen sie auf das, was Jahre später der Fokus ihres Unternehmens Quintly sein wird: Social-Media-Analytics. Für einen Kunden sollen die Brüder 2010 die Anzahl an Likes auf Facebook-Seiten vergleichen. Nachdem auch andere Kunden Interesse an sozialen Netzwerken und deren Analyse zeigen, programmieren Alexander und Frederik Peiniger im Jahr 2010 den ersten Prototypen für ein Tool, das die Aktivitäten von Unternehmen auf Facebook analysiert.

Ein Investor für ein Jahr

Die beiden beginnen, das Tool auf Blogs zu bewerben. Das Unternehmen hinter dem Blog Allfacebook will eine intensivere Kooperation – und investiert 2011 sechsstellig in die Idee der beiden Brüder. Gemeinsam gründen sie nach eigenen Angaben eine deutsche Gesellschaft, die sie später Quintly nennen. Weitere Details verraten die Ennepetaler nicht. Die beiden Brüder selbst ziehen nach Köln, verbringen jedoch viel Zeit in den USA, wo sie mehr Potential sehen.

Zu derselben Zeit steigt auch Michael Peiniger, der Vater der beiden, als Gesellschafter mit in das Unternehmen ein. „Wir hatten das Geld des Investors sechs Monate später noch immer auf dem Konto“, erinnert sich Alexander Peiniger. „Es war einfach nicht unser Ding, das auf den Kopf zu hauen. Unsere Ansicht war immer, dass wir das Geld trotzdem erstmal verdienen müssen.“

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Doch offenbar funktioniert die Zusammenarbeit nicht: Nur ein Jahr später kaufen die beiden Gründer den Allfacebook-Betreiber heraus. Es habe unterschiedliche Vorstellungen für die strategische Ausrichtung gegeben. Für die Anteile zahlen sie ebenfalls eine sechsstellige Summe: „Das war mit Sicherheit mit einem gewissen Risiko verbunden, aber wir haben immer fest an den Erfolg geglaubt, auch in dieser eher schwierigen Phase“, erzählt Frederik Peiniger. Woher das Geld dafür kam, wollen sie nicht erzählen.

Experimentelle Phase

Wenn der mittlerweile 30-Jährige von einer schwierigen Zeit spricht, dann meint er die Jahre bis 2013. Die Kundenakquise läuft langsam, gerade einmal einen Mitarbeiter haben die beiden. „Experimentelle Phase“ nennen sie das. Einige Monate verbringen die beiden in einer WG in San Francisco, zusammen mit anderen europäischen Gründern. Sie möchten sehen, wie die Startup-Szene dort tickt. „Im Valley haben wir zwar nicht aktiv gepitcht, aber mit einigen Investoren gesprochen und überlegt, ob wir noch mal Geld aufnehmen sollen“, sagt Frederik Peiniger. Doch die meisten hätten ihnen geraten, sich einfach mal auf den Vertrieb des Produktes zu konzentrieren.

Doch mit dem Verkaufen tun sich die beiden schwer. Fred und er seien immer eher auf das Produkt fokussiert gewesen, Sales habe sie abgeschreckt, erklärt Alexander Peiniger. Und: „Am Anfang dachten wir, dass die Kunden von alleine zu uns kommen würden. Schließlich haben wir ein super Produkt“, erzählt der 33-Jährige. „Dann haben wir realisiert, dass das so nicht funktioniert.“

Ein etwas anderes Familienunternehmen

Die beiden überwinden sich und verbringen einige Monate damit, ihr Tool an potenzielle Kunden zu pitchen. Langsam nimmt das Geschäft an Fahrt auf, zu der Facebook-Analyse kommen Netzwerke wie Twitter, Youtube, Pinterest, Linkedin und Instagram. 2014 gründen sie eine Holding in den USA, die seitdem als Muttergesellschaft von Quintly dient.

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Nach einer langen und langsamen Anlaufphase sind die Brüder nun auf dem Weg, ihr Unternehmen größer zu machen. Anfang 2016 sind 16 Mitarbeiter angestellt. Rund zehn Monate später dann bereits doppelt so viele. Wie viele Kunden sie bedienen oder wie hoch der Umsatz im Jahr ausfällt, erzählen die beiden nicht. Doch profitabel seien sie seit Beginn gewesen. Kunden nutzen das Peiniger-Tool als kostenfreie Version in 180 Ländern, die Bezahlversion in 65 Ländern.

Geld von einem externen Investor gibt es nicht noch einmal. Doch neben ihrem Vater sind mittlerweile auch die drei Geschwister sowie die Mutter der beiden an Quintly beteiligt – und die beiden Quintly-Macher im Gegenzug an der Digital-Agentur der anderen drei Geschwister, die sie gemeinsam führen. „Durch die Beteiligung unserer Familien-Holding an unseren operativen Geschäften hat jeder in der Familie auch ein zusätzliches Interesse daran zum Erfolg beizutragen“, erklärt Frederik. „Alle sechs Monate treffen wir uns mit allen Geschwistern und den Eltern – und dann beraten wir uns gegenseitig zu Unternehmensstrategien und Konzepten.“

Für die beiden Brüder war es nie ein Problem, gemeinsam zu gründen. „Unsere Entscheidungen sind in vielen Fällen identisch, in vielleicht zwei Prozent unserer Diskussion haben wir Meinungsverschiedenheiten“, sagt Frederik Peiniger. Er weiß, dass viele Investoren Gründerteams suchen, die sich ergänzen. „Daher müssen wir manchmal schmunzeln, wenn von Investoren komplementäre Gründerteams als Vorteil angesehen werden.“ Bei ihnen sei dies genau das Gegenteil.

In jedem Fall hätten sie beide dieselbe Vorstellung, wohin es mit dem Unternehmen gehen soll. „Wir beide sind Techies und haben dieselbe Vision für unser Unternehmen. Das ist gut – denn was machst du, wenn man bei so etwas grundlegendem verschiedene Meinungen hat?“, betont Frederik Peiniger. Bruder Alexander nickt zustimmend – und wirft ein: „Andererseits haben wir drei Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass Sales wichtig ist.“

Andere Geschwister, die gemeinsam gegründet haben, findet Ihr hier:

Wenn Geschwister gründen

Bild: Quintly