Radbahn Berlin: Auch bei Regen bleiben Zweirad-Enthusiasten trocken.

Auf den Straßen einer Großstadt ist es eng, laut und gefährlich für Radfahrer. Das muss nicht sein, findet Simon Wöhr. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern vom Verein Paper Planes hat er eine Idee: Ein Radweg quer durch Berlin, abseits der Straße, weit weg von den Fußgängern und überdacht.  

Dafür setzt das achtköpfige Team auf eine bisher ungenutzte Fläche: den Raum unter der U-Bahnlinie 1 in Berlin. Wo bislang noch Büsche wuchern und vereinzelt Autos parken, soll nach dem Konzept eine Fahrradtrasse, von den Gründern „Radbahn“ genannt, entstehen. Insgesamt soll sich diese über neun Kilometer zwischen den Bahnhöfen Warschauer Straße und Zoologischer Garten hinziehen.

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Für Wöhr ist das naheliegend: „Das Fahrrad ist für viele das urbane Fortbewegungsmittel er Zukunft“, sagt er. „Wir wollen Radfahrern einen attraktiven Raum schaffen – und die Struktur und das Dach sind ja bereits da”, sagt der Kulturmanager im Gespräch mit Gründerszene. 

Auch die Stadt könne von dem neuen Projekt profitieren – und sich mit der Radbahn als Vorreiter bei der Mobilität von Morgen profilieren, ist Wöhr überzeugt.

Die Radbahn soll mehr werden als eine Möglichkeit für Radfahrer, von Ost nach West zu kommen. Entlang der Strecke sind beispielsweise Service- und Verpflegestationen für die Biker geplant, ein spezieller Asphalt soll durch die Erschütterung kreuzender Autos Strom produzieren – und damit beispielsweise die nächtliche Beleuchtung mit Elektrizität versorgen. Als Teststrecke für neue Mobilität biete die Radbahn auch viele Anknüpfungspunkte für Startups, wirbt Wöhr.

Studie soll Kritiker überzeugen

Die Idee kam dem Team aus Architekten, Stadtplanern und Kulturschaffenden im Jahr 2015. Bundesweit erregte das Konzept viel Aufsehen, sogar in Japan wurde darüber berichtet. Neben Befürwortern rief das Konzept allerdings auch Kritiker auf den Plan: viel zu kompliziert und viel zu teuer, lauteten ihre Einwände. Um Kritiker vom Gegenteil zu überzeugen, haben die Planer eine Studie erstellt. Das Ergebnis: Die Radbahn ist machbar. Die Kosten liegen laut Radbahn zwischen 13 und 27 Millionen Euro – abhängig davon, wie sie schick sie werden soll.

Jüngst hat das Team eine Crowdfunfing-Kampagne bei Startnext gestartet. Ihr Ziel: Bis zum 14. August wollen sie 40.000 Euro einsammeln. Mit dem Geld soll der Druck eines Buches finanziert werden. Sollte noch mehr Geld zusammenkommen, will sich das Team zudem ein Gehalt auszahlen – um sich endlich in Vollzeit der Realisierung ihrer Vision widmen zu können.

 Bilder: Radbahn; der Artikel wurde nachträglich angepasst.