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CareerFoundry-Gründerin Raffaela Rein

„Startup-Heldin“ Raffaela Rein im Interview

In ihren vorherigen Jobs hat sie den IT-Fachkräftemangel miterlebt: Raffaela Rein arbeitete nach ihrem Bachelor in Business Finance von der University of Durham als Investment Strategist bei BlackRock in London, bevor sie für Rocket Internet Startups in China, Australien und Taiwan aufbaute und bei Axel Springer als Entrepreneur in Residence hineinschnupperte.

Ende 2013 gründete sie dann gemeinsam mit Martin Ramsin CareerFoundry, das Weiterbildungsprogramme im Tech-Bereich anbietet. Während eines dreimonatigen Programms greifen Teilnehmer dort online auf Lehrmaterialien zu den Themen Web Development und UX-Design zu und tauschen sich zusätzlich mit einem persönlichen Mentor aus. Ein Programm läuft fünfmal wöchentlich, zwei Stunden täglich und kostet 900 Euro. Das Startup verzeichnet laut Rein ein monatliches Umsatzwachstum von 60 Prozent.

In der Reihe „Startup-Helden“ spricht die 27-jährige CEO über Bildungsprobleme und gibt Tipps an Gründerinnen.

Für wen ist CareerFoundry bestimmt und wie funktioniert es?

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CareerFoundry ist ein Online-„Career Accelerator“, der auf Karrieren in der Technologiebranche spezialisiert ist. Unsere Kunden möchten typischerweise ihr Know-how mit technischen Fähigkeiten aufwerten. Angestellte oder Freelancer nutzen CareerFoundry, um in ihrem Job voran zu schreiten und ihren Marktwert zu erhöhen. Andere Kunden nutzen CareerFoundry, um einen Karrierewechsel in die Technologiebranche oder den Weg in die Selbstständigkeit vorzubereiten.

Das Besondere an dem CareerFoundry-Angebot ist die Intensität der Kurse und der Fokus auf praktische Anwendung – also wenig Theorie, viel Learning by Doing. Zudem werden die Teilnehmer von erfahrenen Mentoren, die selbst in dem Feld arbeiten, unterstützt. Diese Mentoren agieren wie ein persönlicher Fitnesstrainer. Sie achten darauf, dass die Teilnehmer durch sorgfältige und harte Arbeit zügig Fortschritte machen und durch Kompatibilität mit Industriestandards in relativ kurzer Zeit berufsreife Fähigkeiten erzielen.

Wie bist Du auf die Idee zu CareerFoundry gekommen?

Während meiner Zeit bei Rocket Internet und Axel Springer habe ich den IT-Fachkräftemangel hautnah miterlebt. Gute technische Mitarbeiter zu finden war nicht einfach. Trotz derzeit einer Millionen freier IT-Stellen in Europa haben wir ein enormes Problem mit der Massenjugendarbeitslosigkeit. Demnach schaffen es unsere Bildungsinstitute nicht, genug junge Leute mit den Fähigkeiten auszustatten, die sie für einen Beruf brauchen. Da gibt es also eine riesige Marktlücke. Diese Lücke will ich füllen, mit einem Bildungsprogramm, das in relativ kurzer Zeit und auf intensive Weise Menschen mit genug Tech-Know-how ausstattet, um darin Karrieren beginnen oder damit beruflich fortschreiten zu können.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Dir aus?

Als Geschäftsführerin habe ich keinen typischen Tag. Ich kümmere mich um Strategie, Vertrieb, Legal, Mitarbeiter, Finanzen und Talentakquise. Kürzlich habe ich zum Beispiel den ehemaligen Leiter von Apples Bildungssparte in EMEA und Asien als Director bei CareerFoundry einstellen können. Generell versuche ich, mir den Vormittag für High-Priority-Aufgaben freizuhalten, habe nachmittags mehrere Meetings mit potenziellen Partnern, Mitarbeitern oder Investoren und kümmere mich abends um operative Aufgaben wie Gehälter, Legal, Reporting, Emails und so weiter.

Welche Tipps gibst Du speziell Gründerinnen nach Deinen eigenen Erfahrungen mit auf den Weg?

Ich denke, es ist eine gute Zeit, Gründerin zu sein. Daher sind meine Tipps wohl auch universell anwendbar: Frauen pitchen oft zu unsicher und benutzen unbewusst Wörter, die Unsicherheit suggerieren. Frage daher Freunde oder Mentoren nach Feedback zu deinem Pitch. Zweitens: Überlege, was du deinem Geschäftspartner beziehungsweise Kontakt bieten kannst. Wider Erwarten kannst du oft sogar Leuten mit deutlich größerer Seniorität weiterhelfen und so eine bessere Beziehung aufbauen. Drittens: Finde gute Mentoren, die dir ein bis zwei Schritte voraus sind. Viele Dinge kannst du nicht wissen, also brauchst du den Input von Leuten, die kürzlich durch deine Situation gegangen sind.

Welche Trends siehst Du in der Internetwirtschaft?

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Government 2.0: Digitalisierung wird eine größere Rolle in der Regierung spielen, da viele Prozesse dadurch deutlich effektiver gestaltet werden können. Politiker wie Obama und Neelie Kroes haben das bereits erkannt, aber ich erwarte eine großflächige Reform im Bildungsbereich, bei Arbeitsagenturen und im Sozialwesen. Personal Life: Der Trend geht weg vom puren Internetshopping hin zur Darstellung des Persönlichen. Zum Beispiel ermöglicht die App Secret, die gerade mit 100 Millionen US-Dollar bewertet wurde, Emphathie und ehrliche Meinungen zu Verletzlichkeiten und anderen Geheimnissen zu bekommen. Wearables: Der Trend geht weg vom Smartphone, hin zu in den Alltag integrierten Geräten.

Bild: Semra Sevin