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Die drei Gründer von Rausgegangen: Witali Bytschkow, Tim Betzin und Björn Kutzner (von links)

Event-Listen gibt es online viele, doch die Auswahl kann einen erschlagen. Das zumindest findet Gründer Tim Betzin aus Köln. Gemeinsam mit Björn Kutzner und Witali Bytschkow hat er die App Rausgegangen gebaut, die jeden Tag nur vier ausgewählte Veranstaltungen anbietet. Das Angebot reicht von Konzerten über Theatervorstellungen bis hin zu Lesungen.

Bevor Betzin zum Gründer wurde, studierte er gemeinsam mit Bytschkow an der renommierten Business-Schule WHU und zog dann nach Berlin. Dort arbeitete er für das Fintech-Startup SumUp als Head of Customer Service.

Noch steht seine Event-App am Anfang, sie wurde bisher 20.000 mal herunter geladen und zeigt nur Events in Köln an. In acht weiteren Städten will Rausgegangen demnächst an den Start gehen, wie etwa in Berlin. Auch über Facebook und die eigene Homepage können Nutzer die Event-Tipps sehen. Seit rund einem Monat können die Nutzer der App sich zudem per Chat verabreden und gemeinsam zu den Veranstaltungen gehen.

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Die Expansion kostet Geld, deshalb sammeln die Gründer seit vergangener Woche Geld auf der Crowdfunding-Plattform Startnext ein. Innerhalb von sechs Tagen sind mehr als 6.000 Euro zusammengekommen. Im Interview erzählt Tim Betzin, wie er auf die Idee zu Rausgegangen kam und warum er nun Geld von der Crowd will.

Tim, Event-Seiten gibt es viele. Wieso baut ihr eine weitere?

Viele Internetseiten da draußen sind nicht wirklich cool aufgemacht. Man braucht unglaublich lange, um eine komplette Abendrecherche abzuschließen. Man geht auf verschiedene Seiten, sucht Ticket-Links zusammen und muss recherchieren, wo die Events sind. Wir dachten, dass das auch unkomplizierter gehen muss.

Was ist der größte Unterschied zu anderen Event-Webseiten?

Wir wählen nur vier Events für jeden Tag aus, unser Angebot ist also stark kuratiert. Und wir zeigen nur die Veranstaltungen, die an dem jeweiligen Tag stattfinden. Als würde dir dein Kumpel am Telefon erzählen, was man heute alles machen kann. Ich glaube, dass Leute Lust haben, rauszugehen und was zu erleben. Wir werden aber zugebombt mit Informationen und wissen oft nicht, was relevante und nicht-relevante Informationen sind. Viele unserer Nutzer gucken auch in die App, um neue Orte oder Künstler zu entdecken. Etwa 15 Prozent unserer App-Nutzer öffnen diese täglich.

Wie wählt ihr die Events aus?

Bei der Auswahl gibt es immer einen Mix aus Eigenrecherche und Tipps aus der Community, sowie der Veranstalterszene. Dann versuchen wir einfach eine coole Mischung zu finden, wir werden zum Beispiel nie mehr als zwei Parties, Konzerte oder Ausstellungen drin haben. Uns ist wichtig, dass wir auch die Bandbreite der Szene zeigen.

Ihr entscheidet, welche Veranstaltungen aufgenommen werden. Bevorzugt ihr befreundete Veranstalter?

Hier in Köln sind wir mit der kreativen Szene schon sehr eng verwoben. Mit den meisten Locations arbeiten wir aber schon länger zusammen und sie akzeptieren alle, dass wir sie mal ins Listing mit aufnehmen und mal nicht. Unter den ausgewählten Events findest du keine bezahlten Beiträge oder Werbung.

Seit vergangener Woche sammelt ihr Geld über die Crowdfunding-Plattform Startnext ein. Warum habt ihr euch dafür entschieden?

Wir wollen in weitere Städte expandieren und dort eine Community aufbauen. Außerdem gibt es seit etwa einem Monat in unserer iOS-App eine Chat-Funktion, mit der sich Nutzer unterhalten und treffen können, um gemeinsam eine Veranstaltung zu besuchen. Den Chat in der Android-Version wollen wir nun auch ausbauen. Das letzte Ziel ist die Vorfinanzierung unseres zweiten Rausgegangen-Festivals im Mai 2017.

Wieso habt ihr den Chat gestartet?

Wenn du Lust hast, etwas zu unternehmen, dann sollst du das auch machen können. Kurzfristig jemanden zu finden, ist allerdings nicht immer leicht. Warum also nicht die Leute, die Lust auf dasselbe Event haben, miteinander verknüpfen? Auf der einen Seite wollten wir keinen Riesen-Chat, der dann wie ein ausufernder Facebook-Kommentar ist. Auf der anderen Seite sollte es auch nicht zu privat sein, weil es an Dating erinnert. Also haben wir uns für vier Personen pro Chat entschieden.

Wie habt ihr euch bisher finanziert?

Über ein klassisches Modell, der Monetarisierung von Reichweite. Das ist bei uns zum Beispiel ein zusätzliches, also fünftes Event, das dann Werbung darstellt. Zudem haben wir in diesem Sommer eine kleine Finanzierungsrunde im oberen fünfstelligen Bereich von einem Business Angel eingesammelt, der nicht genannt werden möchte.

Danke für das Gespräch, Tim.

Bild: Rausgegangen