Eingang zur Firmenzentrale von Lovoo in Dresden

Razzia beim Dating-Portal Lovoo: Am Mittwochmorgen durchsuchten Polizisten des LKA gegen 9 Uhr das Dresdner Büro des Startups, wie mehrere Medien berichten. Gegen die beiden Gründer Björn Bak (CPO) und Benjamin Bak (CEO) sei ein Haftbefehl erlassen worden, heißt es weiter. Auch ihre Wohnungen sollen von der Polizei durchsucht worden sein.

Offenbar durften einige Mitarbeiter des Unternehmens das Büro nicht verlassen. Smartphones und Computer wurden von der Polizei beschlagnahmt, wie Gründerszene erfuhr. Die Untersuchungen sollen bis zum Nachmittag andauern, berichtet Bild.de.

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„Ich vertrete einen Geschäftsführer der Lovoo Gmbh. Es gibt eine Ermittlungsmaßnahme. Mehr werden wir dazu nicht sagen. Zu einem laufenden Verfahren werden wir uns logischerweise nicht äußern“, sagte Rechtsanwalt Frank Hannig.

Die Singlebörse Lovoo ist 2011 als Flirt-App in Deutschland an den Start gegangen. 2015 hatte Lovoo nach eigenen Angaben 30 Millionen Nutzer. Ende vergangenen Jahres stand das Startup unter dem Verdacht, weibliche Fake-Profile angelegt zu haben, um Nutzer zu kostenpflichtigen Aktionen zu bewegen. Die jetzigen Untersuchungen der Polizei stehen offenbar in einem Zusammenhang mit diesen Vorfällen.

Auf Nachfrage von Gründerszene sagte eine Sprecherin des Landeskriminalamts Sachsen: „Momentan gibt es noch keine Informationen, die polizeilichen Maßnahmen laufen noch“. Am Nachmittag werde es weitere Informationen zu dem Einsatz geben.

Update, 8. Juni 2016, 15:40 Uhr: Die Staatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt Sachsen schildern in einer offiziellen Mitteilung die Hintergründe zum Einsatz bei Lovoo. Demnach seien „zwei Personen festgenommen und 16 Privatwohnungen und Firmenräume durchsucht“ worden. Insgesamt werde zwölf Beschuldigten im Alter zwischen 25 und 38 Jahren gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen, darunter die drei Geschäftsführer von Lovoo.

„Die als ,Kennlern-Agentur‘ tätige Firma soll gefälschte Profile, sogenannte Fake-Profile, von Personen angelegt haben, welche durch real existierende Mitglieder kontaktiert werden konnten. In der Regel handelte es sich bei den Täuschungsopfern um Männer. Dabei sollten die Nutzer veranlasst werden, mit den virtuellen Personen in Kontakt zu treten und dabei die kostenpflichtigen Funktionen der Dating-Plattform nutzen“, heißt es in der Mitteilung. Ziel der Maßnahme sei „nicht die Abschaltung des Online-Portals, sondern die Verhinderung krimineller Handlungen zu Lasten der Nutzer.“

Weiter heißt es: „Bei den Durchsuchungen wurden zahlreiche verfahrensrelevante Unterlagen, Computer- und Mobilfunktechnik, sowie eine größere Anzahl von Datenspeichern sichergestellt. Es waren insgesamt ca. 200 Beamte der Staatsanwaltschaft und der Polizei im Einsatz.“

Die Seite von Lovoo ist aktuell offline (Stand 8. Juni 2016, 15.40 Uhr).

Update, 11. Juni 2016, 12 Uhr: Lovoo hat sich in einer Pressemitteilung zu der Razzia geäußert. Darin bestätigt das Dating-Portal die Durchsuchungen der eigenen Büros in Dresden und Berlin. Als Hintergrund für die Ermittlungen nennt Lovoo „Vorwürfe von anonymer Seite, die erstmals im September 2015 öffentlich wurden.“

Weiter sichert Lovoo den Ermittlungsbehörden „vollumfängliche Transparenz und Kooperation“ zu. Weitere Angaben könne das Unternehmen aufgrund laufender Ermittlungen nicht machen, heißt es in der Mitteilung.

Die Seite von Lovoo ist wieder online (Stand 11. Juni 2016, 12 Uhr).

Die beiden Geschäftsführer Björn und Benjamin Bak wurden offenbar festgenommen.

Die erste Version dieses Artikels erschien am 8. Juni 2016 um 12:48. 

Bilder: Lovoo