Philipp John studierte in Stanford und arbeitete für das Startup Everstring, bevor er für Reachhero nach Berlin zog.

Wir treffen Philipp John spontan auf einen Kaffee am Berliner Gendarmenmarkt. Er ist etwas gestresst. Sein Unternehmen Reachhero hat wenige Stunden zuvor ein Investment von dem Samwer-VC Global Founders Capital, Lovoo-Gründer Benjamin Bak und dem Axel-Springer-Accelerator Plug & Play bekanntgegeben. Neben Gründerszene haben auch einige Medien die Nachricht aufgegriffen. Es habe daraufhin viele neue Anmeldungen gegeben, erzählt John.

Er ist Gründer und COO von Reachhero, einer Vermittler-Plattform für Influencer. Das Startup bringt Unternehmen mit Youtubern oder Instagram-Stars, die mindestens 1.000 Follower haben, für Marketingkampagnen zusammen. Meistens bekommen die sogenannten Influencer Geld dafür, dass sie bestimmte Produkte in ihren Kanälen bewerben. Die Idee für Reachhero hatten Christian Chyzyk, heute CEO und CTO, und Youtuber Aaron Troschke, der sich selbst gerne als „Head of Entertainment“ bezeichnet. Anfang 2015 ging die Plattform an den Start – gerade noch rechtzeitig, könnte man meinen. Mittlerweile haben mehrere Unternehmen erkannt, dass sich mit der Vermittlung von Influencern Geld verdienen lässt.

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Etwa vierzehn Monate nach dem Start vermittelt Reachhero nun Influencer an große Firmen wie die Versicherung Ergo. Weitere bekannte Namen möchte John lieber nicht geschrieben sehen. Mehr als 800 Unternehmen und 3.600 Influencer sind nach seinen Angaben auf der Plattform gelistet. Für die Social-Media-Macher ist das Modell kostenlos, Zahlen müssen nur die Firmen. 20 Prozent des Gehalts der Influencer geht dabei an Reachhero. Einen sechsstelligen Umsatz konnte das Startup so im vergangenen Jahr erwirtschaften. Aktuell hat Reachhero zehn Mitarbeiter, bald sollen es zwanzig sein.

Noch vor wenigen Monaten haben nur einige Firmen geschickte Produktplatzierungen über Instagram und Youtube gemacht – jetzt sind sogar Versicherungen und Banken aufgesprungen. Ist Marketing in sozialen Kanälen mittlerweile unkreativ?

Unkreativ? Das auf gar keinen Fall, denn man muss sich wirklich gute Inhalte ausdenken, um die Zuschauer zu erreichen. Es hängt sehr stark von den einzelnen Kampagnen ab, die die Unternehmen gemeinsam mit den Influencern entwickeln. Irgendwann gibt es natürlich eine Sättigung und die Wirkung nimmt ab. Aber in Deutschland ist der Markt noch lange nicht erschöpft.

Es gibt immer wieder Debatten darüber, dass nicht alle Influencer kennzeichnen, wenn sie für eine Produktplatzierung in ihren Videos oder Fotos bezahlt werden. Wie geht ihr damit um?

Wir fordern unsere Kunden und die Influencer dazu auf, jedes Placement zu kennzeichnen. Aber wir können das natürlich nicht immer kontrollieren, wir sind ja nur die Plattform, auf der sich beide Seiten finden.

Auf eurer Seite heißt es, Unternehmen könnten schon für 100 Euro einen Deal mit einem Influencer abschließen. Das ist nicht viel. Was kriege ich als Firma für 100 Euro?

Das hängt sehr stark von dem jeweiligen Unternehmen und dem Produkt ab – das ist ja das Gute an einem Marktplatz-Modell. Wenn ein Influencer das Produkt besonders cool findet, wirbt er eventuell auch für weniger Geld dafür. Aber generell bekommt man für 100 Euro natürlich nur Influencer, die eine geringe Reichweite haben.

Wie viel geben denn die meisten Kunden bei euch aus?

Die meisten Kunden zahlen 3.000 bis 7.000 Euro und arbeiten mit Influencern zusammen, die mindestens 100.000 Abonnenten haben.

Ihr werbt damit, dass auch Influencer mit nur 1.000 Followern sich bei euch anmelden können. Wird die Plattform dann nicht beliebig? 1.000 Follower hat man heutzutage schnell zusammen.

Naja, unser Ziel ist es, die Influencer möglichst früh auf die Plattform zu holen und sie an die Technik zu gewöhnen. Vielleicht werden einige von ihnen irgendwann mal richtig groß? Außerdem haben wir ein Team für den sogenannten Customer Success. Es kümmert sich darum, dass unsere Kunden mit dem passenden Influencer zusammenarbeiten.

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Bekommen die Kunden ihr Geld zurück, wenn die Zusammenarbeit mit dem Influencer gar nichts bewirkt?

Wir behalten das Geld solange ein, bis der Influencer tatsächlich etwas produziert hat. Normalerweise gucken sich die Unternehmen die jeweiligen Influencer und ihre Videos sowie Fotos genau an, bevor sie jemanden buchen. Auch das Konzept und die Konditionen werden vorab abgestimmt. Insofern klappt das meistens alles. Sollte sich ein Influencer aber mal nicht an die Vereinbarung halten oder gar nichts produzieren, bekommt er das Geld nicht.

Gab es solche Fälle schon?

Definitiv, schließlich sind viele Influencer noch sehr jung – da passiert es mal, dass sie einen Termin verpennen. Aber das sind zwei Prozent der Fälle und auch bei denen finden wir meistens eine Lösung.

Nun habt ihr ein Investment von Global Founders Capital bekommen. Wie konntet ihr die Samwers überzeugen?

Das ging relativ schnell. Die kannten das Prinzip des Influencer-Marketings schon sehr gut durch ihre Ventures und wir konnten zeigen, dass unsere Plattform das Modell skalierbar macht.

Danke für das Interview, Philipp.

Bild: Reachhero