Leserin

Warum eine einzelne Zeitschrift kaufen, wenn man für 9,99 Euro im Monat einen ganzen Stapel davon haben kann?

Streaming-Dienste für Zeitschriften bieten eine große Auswahl an Magazinen für einen überschaubaren monatlichen Preis. Sie funktionieren also so ähnlich wie die Musik-Streaming-Plattformen, sind aber noch nicht ganz so erfolgreich. Während sich mittlerweile mehr Leser dem „Spotify der Medien“ öffnen, fürchten viele Verlage, ihrem eigenen Geschäft zu schaden, wenn sie ihre Inhalte dort publizieren. Philipp Graf Montgelas, Deutschland-Chef des Magazin-Flatrate-Anbieters Readly, versucht, Verlegern diese Angst zu nehmen und weist auf drei Irrtümer hin:

Irrtum 1: Digitale Leser bedeuten weniger Umsatz

Anzeige
Montgelas: „Wissen Sie, dass von jeder Ausgabe, jedem Titel deutscher Magazine im Schnitt 17.000 Stück zurück an den Verlag gehen? Das liegt daran, dass immer viel mehr Magazine am Kiosk sein müssen als verkauft werden können. Genauso wie bei der letzten Banane im Supermarkt, die keiner mehr kauft. Deshalb müssen immer mehr da sein als verkauft werden. Wissen Sie, was diese Remittenden dem Verlag für Kosten verursachen? Von den Folgen für die Umwelt ganz zu schweigen. Beim Vertrieb über Plattformen wie Readly entstehen den Verlagen keine Kosten. Sie stellen uns lediglich das Druck-PDF ihrer Magazine zur Verfügung, die technische Umsetzung übernehmen wir.“

Irrtum 2: Magazin-Flatrates sorgen für Leserschwund

Montgelas: „Frank Briegmann, Chef von Universal Music, meinte einmal: ,Ein wichtiger Faktor war bei uns, dass wir die Technologiekonzerne als Partner und nicht als Totengräber begriffen haben.‘ Bei einer Magazin-Flatrate gewinnen zahlreiche Zeitschriften neue Leser. Bestätigt wird dieser Effekt von einer Studie des Finanzen Verlags mit seinen Magazinen €uro, €uro am Sonntag sowie Börse Online. Das Ergebnis überraschte auch den Verlag: Für jeden Leser, der kannibalisiert wird, werden vier zurück- und 95 neu gewonnen.

Irrtum 3: Verlage verramschen digitale Inhalte

Montgelas: „Readly will, dass die Verlage ihre hochwertigen Inhalte auf keinen Fall kostenlos abgeben. Das ist aber, was sie aktuell tun, indem sie ihr Angebot in ein Reichweitenangebot, meistens gratis, und ein Bezahlangebot teilen. Reichweitenangebote sollen Nutzer gewinnen, die in einem zweiten Schritt für ein Angebot zahlen. Der Erfolg ist in vielen Fällen, gerade bei Digitalangeboten, überschaubar. Flatrate-Angebote wie Readly, bei denen Verlage keine Kosten für den Vertrieb haben und die gleichzeitig sehr große Zahlen an Nutzern ansprechen, können hier eine Lösung darstellen. Der sogenannte ,Sonstige Verkauf‘, in die ein Großteil der bei Readly bezahlt gelesenen Ausgaben fällt, ist so für viele Verlage eine interessante Kombination aus Reichweiten- und Bezahlangebot. Denn man erhöht nicht nur seine Reichweite, sondern verdient durch Vertriebserlöse und gesteigerte Auflage.“

Die Magazin-Flatrate Readly ist eine Plattform für digitales Lesen. Mit der App können Nutzer für monatlich 9,99 Euro auf dem Tablet, PC oder Smartphone auf über 2.000 Zeitschriften zugreifen, davon über 500 deutschsprachig. Hinter dem Angebot von Readly steht die Readly International AB, ein privates Unternehmen mit Hauptsitz in Schweden. Readly wurde 2012 gegründet und hat heute Büros in Schweden, Deutschland, Großbritannien und den USA.

Foto: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von andrewrennie