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Die beiden Reishunger-Gründer Sohrab Mohammad (links) und Torben Buttjer

Die Mensa ist ein guter Ort, um auf die Idee für ein neues Food-Startup zu kommen. Denn dort, wo Massen satt werden wollen, die Speisen wenig kosten, die Nudeln zerkocht sind und Fleisch zäh schmeckt, fällt einem vielleicht eher ein, welche Nahrungsmittel auf dem Markt fehlen – oder welche man besser zubereiten kann.

Im Fall von Sohrab Mohammad, 33, und Torben Buttjer, 32, war es der Reis, der ihnen in ihrer Universität in Bremen nicht gefiel. Er lag als weiße Pampe auf den Plastiktellern vor ihnen, eine Speise, deren einzige Daseinsberechtigung es zu sein schien, sie als Sättigungsbeilage in sich hereinzuschaufeln. „Wir fragten uns, warum eigentlich Reis in Deutschland immer nach nichts schmecken muss“, erinnert sich Sohrab, der zu der Zeit mit seinem Studienkollegen Torben Wirtschaftsingenieurwesen studierte.

Die Eltern von Sohrab kommen aus dem Iran, einem Land, in dem die Menschen täglich Reis essen. „Reis schmeckt normalerweise wie der Anbauboden, auf dem er gewachsen ist“, sagt Sohrab. Basmatireis aus dem indischen Himalaya schmecke ein bisschen erdig, Jasminreis aus Thailand fruchtig-süßlich. Roter und schwarzer Reis aus Frankreich oder Italien habe hingegen eine nussige Note. „Am Liebsten mag ich Sadri Reis aus dem Iran, der ist fest auf dem Teller, aber sobald man ein Korn im Mund hat, schmilzt es cremig und superlecker“, schwärmt er.

Die beiden Studenten recherchierten über das Thema, zuerst bei Wikipedia und dann in der Fachpresse. Sie fuhren nach Norditalien und ließen sich dort zeigen, wie Reis angebaut, geerntet und geschält wird. Sohrab erinnert sich an einen Artikel der Stiftung Warentest, in dem 80 Prozent der überprüften Reissorten durchgefallen sind. „Die Tester fanden in einer Sorte Basmatireis nicht ein einziges Korn Basmatireis“, erzählt er. Das hätte die beiden Gründer in ihrer Idee noch bestätigt: „Wir wollen Deutschlands Küchen mit dem besten Reis der Welt ausstatten.“

Reis in der Box

Im Jahr 2011 gründeten sie in Bremen die Firma Reishunger. Mittlerweile haben sie 22 Sorten Reis im Angebot: vom klassischen Basmatireis aus Indien bis zu seltenen Sorten wie Mochi Reis aus Kalifornien oder Sadri Reis aus dem Iran. Dazu kommen andere Beilagen wie Linsen, Bulgur, Quinoa und Hirse und Gewürz-Mixe, die zu Reisgerichten passen. Außerdem findet man in dem Shop Zubehör, wie Reiskocher, Stäbchen und Schälchen.

Einige Gerichten bekommt man in Boxen: In der Sushi-Box für 9,99 Euro gibt es beispielsweise Reis, Algenblätter, Reisessig, Ingwer, Sojasoße, Wasabi, Stäbchen und eine Rollmatte. Vier Personen sollen davon satt werden. Und eine Anleitung für die Zubereitung liefern die Gründer gleich mit. Das Ziel: Die Gerichte sollen einfach nachzumachen und für jedermann bezahlbar sein.

Die meiste Ware kommt aus Europa

Um möglichst geringe Preise für den Endverbraucher zu bekommen, verzichten die beiden auf Zwischenhändler und beziehen die Ware direkt bei den Bauern. Obwohl es auch Bio-Reis auf ihrer Seite gibt, sind einige Produkte traditionell angebaut, ein Fair-Trade-Siegel haben sie auch nicht. „Bei Fair Trade bekommen wir nicht die volle Bandbreite hochqualitativer Reissorten, die wir für unser Sortiment brauchen“, erklärt Sohrab, der den meisten Reis aus Europa bezieht. Genauer: aus den großen Reisanbaugebieten in Italien, Frankreich und Spanien.

Heute arbeiten 50 Mitarbeiter in zwei Schichten für das Startup: die Mehrheit verpackt im Lager Reis und macht Pakete versandbereit. Und ein kleinerer Teil kümmert sich im Büro um Marketing und Kundenservice.

„Wir sind langsam, aber stetig gewachsen“, erzählt Sohrab. Aufgebaut hätten sie ihr Unternehmen mit privatem Kapital und einer kleinen Hilfe von der Wirtschaftsförderung Bremen. Nur im ersten Jahr sei die Firma leicht im Minus gewesen, seit dem zweiten Geschäftsjahr sei sie profitabel. In diesem Jahr rechnen die Gründer mit einem Umsatz von 4,7 Millionen Euro. Dabei soll auch der Auftritt in der neuen Staffel der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ helfen. Dort buhlen die beiden um die Gunst der Investoren – ob sie aber einen überzeugen konnten, dürfen sie jetzt noch nicht verraten. Die Folge wird am heutigen Dienstagabend ausgestrahlt.

Zwei gegensätzliche Typen

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Obwohl sich die Gründer mit ihrem Angebot vor allem auf den deutschen Markt konzentrieren, können sie sich vorstellen, in Zukunft auch in Nachbarländern zu vertreiben: vor allem in der Schweiz, Italien und Großbritannien.

Einig sind sich die beiden bei den Plänen nicht immer. Torben sei eher der routinierte Typ, er achte sehr auf Zahlen und Fakten, erzählt Sohrab. Er selbst sei hingegen ein emotionaler Mensch, der schnell und aus dem Bauch heraus entscheide. Das habe schon in der Uni bei Projektarbeit zu Konflikten geführt. Bei der Arbeit komme es ab und zu zu Reibereien, die seien aber immer konstruktiv und produktiv, wie Sohrab betont: „Auch nach einem Streit kann ich mit Torben ein Bier trinken gehen und alles ist gut – das habe ich mit ganz wenigen Leuten.“

Bild: Reishunger