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Gründer und Geschäftsführer Simon Schmid

Erst vor wenigen Wochen musste Returbo Insolvenz anmelden. Seitdem hatte der Gründer Simon Schmid zahlreiche Gespräche mit Partnern, Lieferanten und Gläubigern – schließlich steht die Zukunft des Startups auf dem Spiel. Schmid versucht, sich zuversichtlich zu geben: „Von allen Seiten wurde breite Unterstützung für eine Sanierung und Fortführung des Unternehmens zugesagt.“ Lieferanten hätten Returbo beispielsweise in Aussicht gestellt, es weiter mit Waren zu beliefern.

Doch es gibt eine Ausnahme: Paypal.

Von Schmid heißt es, der Zahlungsanbieter habe das Returbo-Konto gesperrt und so etwa 80.000 Euro eingefroren. Auf Ebay kann das Startup aus diesem Grund keine Produkte mehr verkaufen, denn auf der Plattform müssen Händler Paypal als Zahlungsmethode anbieten. In dieser Krise steht Returbo nun vor einem großen Problem, denn Ebay ist ein wichtiger Verkaufskanal für das Unternehmen.

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Returbo verdient sein Geld, indem es Retouren anderer Online-Händler weitervermarktet, beispielsweise Elektronik oder Möbel von dem Partner-Startup Home24. Da über Ebay ein Großteil dieser Retouren verkauft werde, erklärt der Insolvenzverwalter Torsten Martini gegenüber Gründerszene: „Ohne Paypal funktioniert das Geschäftsmodell nicht.“

Martini sagt, er habe Paypal zugesichert, dass ihre Forderungen vorrangig bedient würden. Außerdem gebe es eine Bürgschaft der R+V-Versicherung für einen Teil des Geldes auf dem Paypal-Account von Returbo. Trotzdem habe Paypal bisher kein Geld an den Insolvenzverwalter überwiesen.

Returbo-Gründer Simon Schmid gibt außerdem an, dass die Waren zu den Zahlungen über Paypal nahezu alle ausgeliefert worden seien. Heißt: Paypal habe keinen Grund, das Geld einzubehalten, um es leer ausgegangenen Kunden zurückzahlen zu müssen. Auf Nachfrage will sich der Zahlungsanbieter nicht zu dem konkreten Fall äußern und verweist auf das Bankgeheimnis.

Die Zeit drängt für das Berliner Startup

Zu dem allgemeinen Fall einer Insolvenz schreibt Paypal: „Die Einschränkung eines Paypal-Kontos und die Einbehaltung eines vorhandenen Guthabens kann für die Dauer von bis zu 180 Tagen nach Erhalt der letzten Zahlung erfolgen. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt die Übertragung des Guthabens auf ein vom Insolvenzverwalter mitgeteiltes Bankkonto.“

Bei bestehenden Sicherheiten könnte es schneller gehen, schreibt eine Unternehmenssprecherin. Auch eine weitere Nutzung des Accounts sei möglich, wenn sich Paypal „davon überzeugen kann, dass auch in dieser Konstellation die Risiken für Paypal abgesichert sind“.

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Warum Paypal die Bürgschaft der Versicherung im Fall von Returbo nicht als Sicherheit reicht, bleibt unklar. Vom Insolvenzverwalter heißt es, in der Kürze der Zeit sei es schwierig, die rechtliche Lage genau zu erörtern. Denn die Zeit drängt, wie Martini deutlich macht: „Wir haben wenige Tage, bevor das hier alles zusammenbricht.“ Momentan suchen die Beteiligten nach einer alternativen Lösung, etwa die Waren über einen Dritthändler zu verkaufen. Und der Insolvenzverwalter sowie der Gründer hoffen noch darauf, dass Paypal einlenkt.

Returbo ist in einen Abwärtsstrudel geraten, nachdem Ende 2015 ein wichtiger Handelspartner die Zusammenarbeit aufgekündigt hatte. Auf Partner ist das 2010 gegründete Startup angewiesen, da es von ihnen seine Waren bezieht. Von Returbo heißt es, dass in diesem Jahr das Geschäft mit dem neuen Partner Home24 und neuen Finanzierungen durch Investoren weitergelaufen sei – allerdings „ohne viel Puffer“. Als die Zahlen im September 2016 besonders schlecht ausfielen, zwang es das Unternehmen in die Knie.

Findet Returbo keine Lösung, trifft die Pleite auch eine Vielzahl an Crowdinvestoren, die im vergangenen Herbst etwa eine Million Euro in das Unternehmen gesteckt hatten. Es wäre damit die bislang größte deutsche Crowd-Pleite.

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Bild: Returbo