Return-on-Empathy

Ein Beitrag von Dirk Bierschwale, Gründer von Founder-Coaching.de, einem Netzwerk von Experten für Coaching, Training und Consulting aus den Bereichen HR, Marketing und Werbung, Vertrieb, Kommunikation und Persönliche Entwicklung.

Der ROI allein schafft es nicht mehr!

Die hiesige Startup-Szene boomt – gute Geschäftsideen treffen das Risikokapital. Anhand einer betriebswirtschaftlichen Analyse und dem Zahlenwerk eines Businessplanes entscheiden sich die Investoren, gemeinsam mit den Gründerteams eine Geschäftsidee umzusetzen. Faktoren wir Investitionshöhe, Alleinstellungsmerkmale, Branche und Zielgruppe entscheiden bisher fast ausschließlich über eine Kapitalzusage oder -absage.

Besteht die Chance, einen hohen Return on Investment (ROI) im Vergleich zu dem finanziellen Risiko zu erreichen, und ist das Konzept und das Gründerteam dem Investor sympathisch – there is a deal!

Doch wie sieht es hinter den Zahlen aus? Was ist mit den Menschen, die diese Zahlen eruiert und festgelegt haben? Wo finden die sozialen Kompetenzen ihren Platz in der Einschätzung, ob das Gründerteam und deren Mitarbeiter den alltäglichen Herausforderungen als Startup gerecht werden?

Fakt ist, innerhalb von fünf Jahren gehen nahezu 80 Prozent aller Startups insolvent oder werden abgewickelt. Das, obwohl sämtliche Zahlen, Daten und Fakten im Vorwege stimmig gewesen waren. Die Enttäuschung ist immer groß bei allen Beteiligten. Es gibt offensichtlich zusätzliche Faktoren, die eine Vision zur erfolgreichen Geschäftsidee werden lassen – es sind die Anteile der sozialen Kompetenzen, die nachweislich immer wichtiger werden.

Ein relevanter Aspekt sind Fragen wie „Ist der Visionär auch eine Unternehmerpersönlichkeit“ oder „Wie wichtig ist eine gesunde Feedbackkultur?“ und sind nur einige Denkansätze, die zu einer besseren Einschätzung einer Geschäftsidee benötigt werden.

Soziale Kompetenzen als komplementäre Erfolgsfaktoren

Führungsstil, Kommunikation, Personalentwicklung sind die komplementären Erfolgsfaktoren einer grundlegenden Unternehmensphilosophie, die es gilt, gemeinsam mit dem Gründerteam und Investor so frühzeitig, wie es geht, zu implementieren. Man spricht hierbei vom Anteil des Return on Empathy (ROE).

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Wer den ROE-Faktor in seiner Vision und Geschäftsidee frühzeitig einbindet, muss selbstverständlich die Bereitschaft zur (Selbst-)Reflektion mit einbringen und die vielen Vorteile einer konstruktiven Kritik und Hinterfragung erkennen – erfolgreiche Menschen und Unternehmer tun das bei jeder Möglichkeit, um ihr Produkt beziehungsweise ihre Dienstleistung zu verbessern.

Es ist zugleich eine wertschätzende Haltung gegenüber jedem Beteiligten seitens des Unternehmers und führt zu noch mehr Austausch untereinander. Es stärkt jedes Team in möglichen Krisenzeiten. Unabhängig hiervon werden somit auch die Startups ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft gerecht – nachhaltig, ressourcenorientiert und sozial verantwortlich zu arbeiten.

Hier mal ein Auszug aus dem Buch „E-Venture Management“ von Dipl.-Psych. Silke Gese, Prof. Dr. Heinz Klandt

Für den Erfolg eines Unternehmen spielt es zum einen eine Rolle, wie vorteilhaft und innovativ die angebotenen Produkte sind, wie ausgereift das Unternehmenskonzept ist und wie die äußeren Bedingungen aussehen. Genau so wichtig sind jedoch auch die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Unternehmensgründers. Denn der Gründer ist es, der erkennen muss, dass eine Marktlücke für ein spezielles Produkt existiert, wie dieses Produkt zu vermarkten ist, wie er das Unternehmen organisiert und strukturiert. Er ist es, der mit Finanzgebern, Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern umgehen, sie von seiner Idee überzeugen muss. Er ist es, der auch in schwierigen Situationen an seinem Ziel weiterarbeiten muss. Im Gegensatz zum angestellten Manager im Großkonzern, oder noch stärker dem Spezialisten auf der Stabstelle im Großkonzern, ist der Unternehmensgründer wenigen externen Vorgaben unterworfen. Er hat kein von außen gesetztes Unternehmensziel, keine vorgeschriebene Unternehmenskultur, insbesondere aber keine Vorgesetzten, die ihm sagen, was er tun soll. Die Situation einer Unternehmensgründung bietet so viele Freiheitsgrade, dass die Umwelt hier nur einen geringen Einfluss auf das Verhalten des Einzelnen hat.

Es klingt vielleicht etwas zu intellektuell, doch wer sich auf den ganzheitlichen Denkansatz einlässt, erkennt schnell, wie systemisch und wichtig der ROE-Faktor für jeden Beteiligten an einer Geschäftsidee ist.

Die Big Player des Private Equity und Venture Kapitals, wie zum Beispiel Carsten Maschmeyer, nutzen den Anteil eines ROE in einer Geschäftsidee schon länger für eine abschließende Einschätzung und Investitionszusage. Hier im Video ganz anschaulich von Carsten Maschmeyer persönlich erklärt:

Auch er hat erkannt, dass neben den betriebswirtschaftlichen Zahlen eine nachhaltige Etablierung ohne die Balance von ROI und ROE nicht zu erreichen ist.

Daher ist es wünschenswert, das jeder Gründer diesen ergänzenden Erfolgsfaktor konzeptionell mit erfasst, damit die zukünftige Schlagzeile in der Gründerszene heißt: Die hiesige Startup-Szene Deutschlands boomt und die Zahl der Insolvenzen nimmt ab.

Der Autor Dirk Bierschwale gibt am 26. Juni 2014 ein Gründerszene-Seminar zum dem Thema. Sichere Dir einen der begehrten Plätze!

 

Bild: Voyagerix / PantherMedia