Mit einem Klick die eigene Firma zerstört: Die Geschichte von dem Hoster, der mit einem falschen Befehl aus Versehen die Daten seiner über 1.500 Kunden gelöscht hatte, ging vergangene Woche um die Welt. Hunderte von Medien berichteten über den fatalen Fehler, vom britischen Independent über den US-Wirtschaftskanal CNBC bis hin zu deutschen Qualitätstiteln wie der Süddeutschen oder der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Es war auch einfach eine schöne Geschichte – vielleicht aber zu schön, um wahr zu sein.

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Tatsächlich hat sich nun herausgestellt: Das ganze war ein Hoax, ein übler Scherz. Marco Marsala, Gründer eines IT-Dienstleisters aus Genua, hatte über den vermeintlich folgenschweren Befehl „rm -rf“ in dem Online-Forum Server Fault, das zur Entwickler-Community Stack Overflow gehört, berichtet. Der Post, den die Forumsbetreiber inzwischen gelöscht haben, datiert vom 10. April. „Wie kann ich zeitnah den Fehler rückgängig machen?“, fragte Marsala. Die Antwort der Nutzer: Da ist wohl nichts zu machen. Weil Marsala nach eigenen Angaben keine externen Backups angelegt hatte, seien seine Daten – und die seiner Kunden – verloren.

Bis Freitag galt der Pechvogel als dümmster anzunehmender Administrator. Dann aber enthüllte er gegenüber der italienischen Tageszeitung La Repubblica: „Es war nur ein Scherz.“ Ursprünglich sei er davon ausgegangen, dass man seinen Eintrag viel früher als Hoax einstufen würde. Denn das Automatisierungs-Tool Ansible, mit der er den Löschbefehl ausgeführt haben wollte, verhindere eigentlich derartig folgenschwere Befehle. Ein solcher Vorfall könne daher „nicht passieren“, so Marsala.

#rmrf

Ein von Marco Marsala (@marcomarsala) gepostetes Foto am

Auf Instagram warnte Marco Marsala am Wochenende vor seinem eigenen Scherz

Mit der Aktion wollte der Unternehmer Werbung für seine eigene Firma machen, die Network Solutions heißt und alle möglichen IT-Dienstleistungen wie die Erstellung von Webseiten, App-Entwicklung oder Social-Media-Lösungen anbietet. Hosting gehört übrigens auch dazu. Ob Guerilla-Marketing in dem Fall der richtige Weg war, um darauf aufmerksam zu machen?

Marsala jedenfalls besteht darauf, dass seine Geschichte nicht komplett falsch gewesen sei: Er habe von jemandem gehört, der vor Jahren mit einer Zeile Code aus Versehen seine Firma gelöscht habe. Am Montag dann verwies der Italiener via Twitter auf einen aktuellen Fall aus Großbritannien: Dort hat einer der größten Hoster des Landes, 123-reg, mit einem Programmierfehler offenbar Hunderte Websites seiner Kunden gelöscht – Backups gebe es nicht. Unter anderem berichten das die Daily Mail und die BBC.

Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Meldung ein Fake sein könnte.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Riebart