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Robert T. Kiyosaki ist Entrepreneur, Investor, Autor mehrer Bestseller wie „Rich Dad Poor Dad“ – und umstritten. Sein neues Buch „Bevor du deinen Job kündigst…“ behandelt zehn praktische Lektionen für Gründer, um ein Millionen-Business aufzubauen. Die folgende Leseprobe stammt aus dem ersten Kapital und behandelt die erste Lektion: Ein erfolgreiches Unternehmen wird vor der Gründung kreiert.

Wenn Ihnen die Geschichten über lange Arbeitszeiten, das Scheitern wegen Erfolglosigkeit oder sogar wegen des Gegenteils oder die Vorstellung, ohne Fallschirm aus einem Flugzeug zu springen und aufzuprallen, Angst macht, kann es sein, dass ein Dasein als Unternehmer nichts für Sie ist. Aber wenn die Geschichten Sie faszinieren oder herausfordern, dann lesen Sie bitte weiter.

Am Ende werden Sie eine bessere Vorstellung davon haben, was Unternehmer wissen müssen, um erfolgreich zu sein. Sie werden auch besser verstehen, wie man ein Unternehmen kreiert, plant und aufbaut, das mit oder ohne Sie wächst und Sie möglicherweise reich machen kann, weit über Ihre kühnsten Träume hinaus. Denn wenn Sie schon ohne Fallschirm aus dem Flugzeug springen, sollten Sie – falls Sie denn gewinnen – wenigstens richtig viel gewinnen.

Die Aufgaben eines Unternehmers

Die wichtigste Aufgabe eines Unternehmers beginnt vor der Gründung des Unternehmens oder der Anstellung von Personal: Er muss ein Unternehmen planen, das Folgendes kann:

  • wachsen
  • viele Leute beschäftigen
  • Mehrwert für seine Kunden schaffen
  • soziale Verantwortung übernehmen
  • Wohlstand all denen bringen, die am Unternehmen beteiligt sind
  • wohltätig sein
  • letztendlich den Unternehmer nicht mehr braucht.

Bevor das Unternehmen gegründet wird, macht sich ein erfolgreicher Unternehmer Gedanken, wie ein solches Unternehmen aussehen könnte. Laut meinem reichen Vater ist das die Aufgabe eines echten Unternehmers.

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Misserfolg führt zu Erfolg

Nach einem meiner entmutigenden Misserfolge ging ich zu meinem reichen Vater und fragte ihn: „Also, was habe ich falsch gemacht? Ich dachte, ich hätte es gut geplant.“ „Offensichtlich nicht“, sagte mein reicher Vater mit einem Grinsen.

„Wie oft muss ich das wiederholen? Ich bin der größte Versager, den ich kenne.“ Mein reicher Vater antwortete: „Verlierer geben auf, wenn sie versagen. Gewinner verlieren so lange, bis sie Erfolg haben.“ Einen Augenblick lang schob er die Papiere auf seinem Schreibtisch hin und her, dann schaute er zu mir auf und sagte:

„Die Welt ist voller Möchtegernunternehmer. Sie sitzen hinter ihren Schreibtischen, haben hochtrabende Titel wie zum Beispiel Vize-Präsident, Niederlassungsleiter oder Abteilungsleiter, und einige nehmen sich sogar ein ordentliches Gehalt. Diese Möchtegernunternehmer träumen davon, eines Tages ihr eigenes Imperium aufzubauen. Vielleicht werden es einige von ihnen eines Tages tatsächlich tun. Dennoch glaube ich, dass die meisten den Sprung nie wagen werden. Sie werden irgendeine Ausrede haben, etwas logisch Klingendes wie ‚Wenn die Kinder groß sind‘ oder ‚Ich werde zuerst, eine Fortbildung machen‘ oder ‚Wenn ich genug Geld gespart habe‘.“

„Aber sie springen nie aus dem Flugzeug“, führte ich seinen Gedankengang fort. Mein reicher Vater nickte.

Kann jeder Unternehmer werden?

Mein reicher Vater wollte, dass sein Sohn und ich verstehen, dass jeder, der es will, Unternehmer werden kann. Ein Unternehmer zu werden, ist gar nichts Besonderes. Er wollte nicht, dass wir dadurch arrogant würden. Er wollte nicht, dass wir auf andere herunterschauten oder dass wir dachten, wir seien besser als andere, sollten wir tatsächlich erfolgreich sein.

Er sagte: „Jeder kann Unternehmer werden. Der Babysitter in deiner Nachbarschaft ist genauso ein Unternehmer wie Henry Ford. Jeder, der ein bisschen Initiative zeigt, kann Unternehmer sein. Also denkt nicht, dass Unternehmer besondere oder gar bessere Menschen sind. Eure Aufgabe ist es zu entscheiden, welchen Unternehmer ihr euch am liebsten als Vorbild nehmen wollt – den Babysitter oder Henry Ford.

Beide bieten sie ein wertvolles Produkt beziehungsweise einen tollen Service an. Beide sind wichtig für ihre Kunden. Doch sie operieren auf völlig unterschiedlichen Ebenen. Es ist wie der Unterschied zwischen dem Bolzplatz, der Schüler- oder Studentenliga und der professionellen Football-Liga.“

Dieses Beispiel half mir zu verstehen, was mein reicher Vater zum Ausdruck bringen wollte. Als ich am College in New York Football spielte, hatte unser Team die Gelegenheit, mit ein paar Profis der New York Jets zu spielen. Es war eine sehr demütigende Erfahrung. Es war uns allen bald klar, dass wir zwar das gleiche Spiel wie die Profis spielten, uns aber auf einem komplett anderen Level befanden.

Mein Versuch, als Linebacker einen der New York Jets anzugreifen, führte zu einem unangenehmen Erwachen. Ich bezweifle, dass er überhaupt merkte, dass ich ihn getroffen hatte. Er überrannte mich einfach. Ich hatte den Eindruck, als ob ich versuchte, ein stürmendes Nashorn aufzuhalten.

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Der Unterschied war nicht unbedingt körperlicher Natur. Er lag im Bewusstsein. Er hatte den Mut, den brennenden Wunsch und ein natürliches Talent, ein großartiger Spieler zu sein. Meine Lektion aus dieser Erfahrung war, dass wir beide zwar das gleiche Spiel spielten, aber auf unterschiedlichen Niveaus. Das gleiche gilt in der Geschäftswelt. Wir können alle Unternehmer sein. Unternehmer zu sein, ist keine so großartige Sache. Wichtiger ist es, sich beim Planen eines Unternehmens zu fragen: „In welcher Liga will ich mitspielen?“

Heute bin ich älter und schlauer und bilde mir nicht ein, dass ich jemals so ein großartiger Unternehmer wie Thomas Edison, Henry Ford, Steve Jobs oder Walt Disney sein werde. Dennoch kann ich von ihnen lernen und sie mir zum Vorbild nehmen. Und hier ist Lektion Nr. 1 meines reichen Vaters: „Ein erfolgreiches Unternehmen wird im Vorfeld der Gründung geschaffen.“ Die wichtigste Aufgabe eines Unternehmers ist es, das Unternehmen im Vorfeld der Gründung zu planen.

„Bevor Du Deinen Job kündigst“ von Robert T. Kiyosaki

Im Finanzbuch Verlag erschienen

Hardcover, 256 Seiten, 19,99 Euro

Bild: Getty Images / LOUAI BESHARA