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MoneyFarm-Gründer Paolo Galvani am Wochenende auf der Konferenz Bits & Pretzels in München

Plötzlich ist die Allianz überall in der Startup-Welt. „Wir wollen mehr Startup-Leute reinholen, die uns helfen, modern zu werden“, verkündete Vorstandschef Oliver Bäte in einem Interview. Darin präsentierte er sich gemeinsam mit Rocket-Internet-CEO Oliver Samwer, dessen Schnelligkeit er bewundert. Künftig wolle man kooperieren. Gerade wurde bekannt, dass die Allianz 50 Millionen Euro in einen Rocket-Fonds stecken will.

Der Versicherungskonzern gründete außerdem vor kurzem die Abteilung Allianz X, zuständig für den digitalen Umbau des Konzerns. Der Digital-Arm soll über ein jährliches Investitionsvolumen im zweistelligen Millionenbereich verfügen. Eines der ersten Investments hat nun das italienische Startup MoneyFarm bekommen. Gründer Paolo Galvani möchte zu der Höhe der Beteiligung nichts sagen, laut Financial Times wird das Volumen aber auf sieben Millionen Euro geschätzt.

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Galvani hat mit MoneyFarm bereits im Jahr 2011 einen automatisierten Service für Geldanlagen gegründet, einen sogenannten Robo-Advisor. Damit können Privatleute eine bestimmte Summe anlegen, eine Risikostufe auswählen und – so die Hoffnung – Rendite erzielen. Im Vergleich zu traditionellen Vermögensverwaltern will das Startup mit niedrigen Gebühren punkten. Außerdem können auch geringere Geldsummen angelegt werden. In Deutschland gibt es auf dem Markt Startups wie Vaamo, Scalable Capital und Easyfolio.

Bisher hat das Fintech MoneyFarm laut der Financial Times insgesamt 30 Millionen Dollar an Finanzierung erhalten. Der italienische Investor United Ventures und der britische VC Cabot Square sind bereits an dem Unternehmen beteiligt. Auf Nachfrage zu Umsatz, Wachstum und Profit hält sich Gründer Galvani zurück. Nur so viel: Man sei mit dem Wachstum sehr zufrieden und habe 80.000 Kunden, die ihr Geld mit MoneyFarm verwalteten oder den Service testeten. Durch den frühen Start 2011 kann das Unternehmen bereits auf die positive Entwicklung seines Portfolios verweisen.

Im Interview spricht Galvani über das Allianz-Investment und darüber, warum er die Expansion nicht überstürzen will.

Paolo, wieso hast du MoneyFarm gegründet?

Ich habe einige Jahre im Investmentbanking gearbeitet und fand es dann an der Zeit, das traditionelle Modell zu überdenken. Also habe ich 2011 gemeinsam mit Giovanni Dapra in Italien MoneyFarm gegründet. Unser Ziel ist es, eine europäische Plattform aufzubauen. Menschen haben überall das gleiche Problem: Es ist schwer, unabhängige Informationen zu finden und auf deren Basis Geld anzulegen.

In Europa gibt es bereits zahlreiche gutfinanzierte Robo-Advisor, beispielsweise Nutmeg aus Großbritannien. Hast du keine Angst vor der Konkurrenz?

Es stimmt, im vergangenen Jahr sind zahlreiche Robo-Advisor auf den Markt gekommen. Aber es dauert lange, die Logik hinter Investments zu verstehen, ein gutes Team aufzubauen und sich mit all den regulatorischen Fragen auseinanderzusetzen. Da sehen wir uns schon im Vorteil. Natürlich wird es neue Anbieter geben, aber der Markt ist so groß, da haben wir keine Angst.

Eure Gebühren sind vergleichsweise niedrig. Siehst du da Potential, noch mehr zu verdienen?

Allgemein kann man sagen, dass man immer ein wenig am Preismodell schraubt. Aber wir planen momentan nicht, viel daran zu ändern. Unsere Gebühren sind vor allem geringer als die der traditionellen Anbieter – zum Teil um 50 Prozent. Die spüren sicherlich den Druck. Weiter gibt es gerade in Großbritannien einen starken Wettbewerb. Da ist es wichtig, die Kosten für Kunden niedrig zu halten. Sie sollen den Service ausprobieren und kennenlernen können.

Wie ist das Investment der Allianz zustande gekommen?

Im vergangenen Jahr haben wir von dem britischen Investor Cabot Square Capital 16 Millionen Euro bekommen und sind auf dem britischen Markt gestartet. Danach begann ich, viele Konferenzen zu besuchen. In Mailand kam jemand von der Allianz nach einem Pitch auf mich zu. Von Anfang an fand ich die Gespräche interessant, es gab immer zwei wichtige Punkte: das Kapital, aber auch Partnerschaften und wie wir sinnvoll kooperieren können.

Mit einem italienischen Investor seid ihr gestartet, dann stieg vor dem UK-Launch ein britischer VC ein. Kommt MoneyFarm nach dem Allianz-Investment jetzt nach Deutschland?

Bisher planen wir noch keinen Launch in Deutschland. Unsere beiden Märkte Italien und Großbritannien sind sehr unterschiedlich. Italiener haben große Ersparnisse, legen ihr Geld aber recht konservativ an. In Großbritannien sind die Nutzer jünger, die Digitalisierung ist deutlich weiter. Diese Gegebenheiten muss man genau kennenlernen, gerade in einem so vertraulichen Bereich wie den privaten Finanzen. Da muss man die Kunden gut kennen und verstehen. Unser Ziel ist es aber, in den kommenden drei Jahren in drei bis vier neuen Ländern verfügbar zu sein. Mal sehen, ob es mit der Allianz vielleicht doch nach Deutschland geht.

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Hast du keine Befürchtung, dass die Allianz euer Produkt einfach nachbaut, nachdem sie verstanden hat, wie es funktioniert?

Das hätten sie doch schon längst selbst bauen können! (lacht) Sie haben mehr als genug Ressourcen und Potential. Ich denke, die Investments sind ein Weg für die große Unternehmens-Gruppe, neue Methoden zu testen und zu schauen, was sich skalieren lässt. Ich mache mir generell um Copycats keine Sorgen. Auf dem Papier kann jeder kopieren, aber man muss es auch umsetzen können.

Was bietet euch die Allianz als Investor?

Die Versicherung verfügt über zahlreiche Tools. Die können uns zum Beispiel dabei helfen, Marktrisiken besser einzuschätzen. Wir wollen aber vor allem gemeinsam ein neues Thema angehen. Um ihre Portfolios zu bauen, setzen automatisierte Investmentdienste bisher vor allem auf sogenannte ETFs, Exchange Traded Funds.

… das sind Fonds, die an die Entwicklung von Indizes gekoppelt sind. Dabei gibt es keinen Manager, der aktiv Papiere ein- und verkauft.

Genau. Wir wollen nun erstmals in Europa aktiv gemanagte Fonds mit Robo-Advising verbinden und verbreiten. Wir peilen an, das Ganze in Großbritannien zu launchen. Dann sehe ich bei der Allianz natürlich Seigniorage in Sachen Infrastruktur, auch können sie bei Themen wie Kontrolle und Compliance helfen. Und schließlich ist die Marke ein mächtiger Name neben MoneyFarm.

Danke für das Interview, Paolo.

Bild: Gründerszene