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Das Innolend-Führungsteam: Niklas Lechner, Christian Wöhlke, Cong Dinh, Aleksander Heimrath und Andreas Fricker (von links)

Eine weitere Welle Fintech-Startups schwappt auf den Markt. Erst vor wenigen Tagen berichtete Gründerszene über das neue Unternehmen von Kreditech-Gründer Sebastian Diemer, der jetzt mit Blackbill durchstarten will.

Diemer plant, kleine Unternehmen oder Freelancer schneller an Geld aus ihren offenen Forderungen kommen zu lassen. Sie verkaufen die Forderung an Blackbill und bekommen das Geld unverzüglich von dem Startup ausgezahlt – abzüglich einer Gebühr. Blackbill holt sich dann die ausstehende Summe vom Schuldner. Das soll den Kunden helfen, liquide zu bleiben. Factoring wird das genannt.

Den gleichen Gedanken verfolgt das Berliner Startup Innolend – allerdings mit einem anderen Geschäftsmodell. Dafür hat das 2016 gegründete Unternehmen nun eine Seed-Finanzierung in unbekannter Höhe von dem Rocket-Fonds Global Founders Capital erhalten.

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Innolend möchte Firmenkunden ab 100.000 Euro Jahresumsatz ebenfalls dabei helfen, schnell an Geld aus offenen Forderungen zu gelangen. Dafür vermittelt das Startup kurzfristig einen Kredit in Höhe der Forderung, wofür es mit der MHB-Bank kooperiert. Der Rahmen: 5.000 bis 250.000 Euro. Ein Konto auf den Namen des Innolend-Kunden wird dann bei der Bank eröffnet, der Kunde erhält das Geld innerhalb von 24 Stunden, wirbt das Startup. Die Tilgung erfolgt, wenn der Vertragspartner des Kunden die ausstehende Summe auf das Konto überweist.

Innolend berechnet seinen Kunden eine Gebühr von 1,2 bis 0,5 Prozent der Forderungssumme. Sie müssen außerdem die Zinsen zahlen. Je länger die Zahlungsfrist für die Rechnung, desto teurer die Zinsen.

Die Ausfallwahrscheinlichkeit soll unter einem Prozent liegen

„Junge, stark wachsende Unternehmen haben oft das Problem, dass sie schnell Geld brauchen“, erklärt Innolend-Gründer Niklas Lechner, zuvor Head of Operations bei Rockets Kreditvermittler Lendico. „Wenn sie aber weniger als zwei Jahre alt sind und einen negativen Cash-Flow aufweisen, wird ihre Bonität schlecht bewertet und sie erhalten bei einer Bank keinen Kredit.“ Unternehmen, die Dienstleistungen anbieten würden, betreffe dies besonders. Innolend sei da flexibler.

Das Startup spezialisiert sich dabei nur auf Forderungen, die gegenüber größeren Unternehmen mit mindestens zehn Millionen Euro Jahresumsatz bestehen. „Deren Ausfallwahrscheinlichkeit liegt statistisch bei unter einem Prozent“, so Lechner. Eine sehr eng gefasste Zielgruppe? Der Gründer widerspricht. Er schätzt, dass 60 bis 70 Prozent der Kunden, die er in seiner Zeit bei Lendico gesehen hat, in diese Kategorie fallen – also kleine Firmen sind, die offene Forderungen gegenüber größeren haben.

Sollte der Schuldner doch einmal ausfallen, muss der Innolend-Kunde den Kredit tilgen. Sollte auch dieser dazu nicht in der Lage sein und insolvent gehen, wäre Innolend Gläubiger im Insolvenzverfahren und würde wohl auf dem Großteil der Kosten sitzen bleiben. Um diesen Fall aber so selten wie möglich zu halten, hat sich das Startup einige Schritte überlegt. Neben der standardmäßigen Abfrage von Creditreform-Werten zur Bonität der Kunden und der Schuldner lässt sich Innolend beispielsweise Kontoauszüge schicken, wenn es von dem jungen Kreditnehmer noch nicht genug Datenpunkte gibt.

Von anderen Anbietern will Niklas Lechner sein Angebot abgrenzen. Vor allem dadurch, dass seine Kunden keine langfristigen Verträge abschließen müssen. „Sie können nur eine einzige Forderung finanzieren lassen. Bei vielen anderen Factoring-Angeboten müssen sich Unternehmen dazu verpflichten, eine bestimmte Zahl von Forderungen im Jahr abzugeben.“

Außerdem will der Gründer den Ruf seiner Kunden schützen. Dem Schuldner werde nicht offengelegt, dass sich der Innolend-Kunde die Forderung hat finanzieren lassen. „Ein Schuldner könnte denken, dass der Vertragspartner in Geldproblemen steckt. Das vermeiden wir.“

Bild: Innolend