Vor einem Jahr: Die Rocket-Bosse läuten den Börsengang ein

Der Börsengang von Rocket Internet ist inzwischen fast genau ein Jahr her – unter Aktionären ist die Berliner Internetfabrik weiterhin nicht sonderlich beliebt. Am Mittwoch stellte Rocket seine Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2015 vor, CEO Oliver Samwer und CFO Peter Kimpel versuchten alles, um Anlegern ihr Papier schmackhaft zu machen. Sie versprachen mehr Transparenz – und sogar den Ausblick auf mögliche Gewinne.

Zumindest kurzfristig war das eine erfolgreiche Strategie: Gut 28 Euro kostete die Aktie am späten Vormittag, sie legte gegenüber dem Vortag über 15 Prozent zu (Stand: 11:30 Uhr). Aber: Noch immer liegt das Papier weit unter dem Ausgabepreis von 42,50 Euro.

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Man habe „große Fortschritte“ gemacht, sagte Samwer in einer Telefonkonferenz mit Journalisten am Mittwochmorgen, von „gewaltigem Umsatzwachstum“ sprach Kimpel.

In Zahlen heißt das: Das durchschnittliche gewichtete Wachstum des Nettoumsatz seiner zwölf „Proven Winners“ betrug gegenüber dem Vorjahreszeitraum 142 Prozent. Die Zuwächse reichen dabei von über 1.000 Prozent bei Foodpanda bis hin zu eher mageren 27 Prozent beim indischen Zalando-Klon Jabong, für den Rocket offenbar gerade einen Käufer sucht.

Die Bewertung des Gewinner-Portfolios (auf Grundlage der jeweils letzten Finanzierungsrunde) stieg auf 4,59 Milliarden Euro, vor allem dank des unglaublichen Bewertungssprungs bei dem Kochboxen-Versender HelloFresh. Den Wert des gesamten Portfolios beziffert Rocket mit 6,03 Milliarden, das seien 3,4 Milliarden mehr als zum Zeitpunkt des Börsengangs.

Von Samwer gab es neben ganz viel Zahlen auch noch einige interessante strategische Ankündigungen:

  • Rocket habe die Umstellung auf den international anerkannten Account-Standard IFRS erfolgreich abgeschlossen – eine Voraussetzung für den geplanten Wechsel in den Prime Standard der Frankfurter Börse. Der Wechsel soll laut Samwer in den kommenden zwölf Monaten erfolgen.
  • Drei der „Proven Winners“ würden in den kommenden 24 Monaten den Break-Even erreichen, so Samwer. Wer das sein wird – noch unklar.
  • Rocket bleibe ein Company Builder, betonte der CEO. Das bedeute auch, dass es „keine signifikaten M&A-Transaktionen in den nächsten 24 Monaten“ geben werde.

Weitere interessante Details aus den Halbjahreszahlen:

  • HelloFresh ist definitiv der aktuelle Rocket-Musterschüler. Der Kochboxen-Versand wachse „im Bezug auf alle Metriken“, lobte Kimpel. Mehrmals wurden die bereits bekannten 400 Prozent erwähnt, um die der HelloFresh-Umsatz gewachsen ist. Der lag im ersten Halbjahr bei 112,5 Millionen Euro.
  • Um genau 1.005,8 Prozent ist der Nettoumsatz von Foodpanda gewachsen, allerdings auf sehr niedrigem Niveau. Von 1,2 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2014 stieg er auf 13,4 Millionen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres.
  • Foodpanda-Konkurrent Delivery Hero, an dem Rocket seit Anfang des Jahres beteiligt ist, hat im ersten Halbjahr 85 Millionen Euro umgesetzt – das ist etwa dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2014 lag der Umsatz bei 88 Millionen.
  • Die Möbel- und Einrichtungsversender Home24 und Westwing bleiben weitgehend auf Kurs. Home24 setzt 118 Millionen Euro um, das ist doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Westwing gelang nur ein Wachstum von knapp 50 Prozent, auf 109 Millionen Euro.
Bild: Rocket Internet