Die Rocket-Spitze: Alexander Kudlich, Oliver Samwer und Peter Kimpel (von links)

Fester Augenkontakt und eine weiche Stimme – Oliver Samwer zeigt sich betont ruhig auf der Hauptversammlung von Rocket Internet am heutigen Donnerstag. Deutlich ist, dass er seine Aktionäre beschwichtigen möchte. Es gibt genügend Gründe dafür: Die Verluste des vergangenen Geschäftsjahres wollen erklärt, der Absturz des Aktienkurses gerechtfertigt werden.

Samwers Auftritt ist solide. Zunächst erklärt er den anwesenden Aktionären ausführlich das Geschäftsmodell von Rocket Internet, das Aufbauen und Investieren in Startups. Manchmal klingt es fast so, als würde er zu einer Gruppe Kinder sprechen. Das Zeichen: Rocket will sich transparent zeigen und die Informationen verständlich aufbereiten. „Am Ende soll da ein tragfähiges Unternehmen stehen“, so Samwer. „Aber die meisten dieser Unternehmen werden nichts.“ Er wiederholt: „Die meisten dieser Unternehmen werden nichts.“

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Der Rocket-Chef führt weiter aus, dass Fehlschläge Teil der Unternehmenskultur seien. „Wir scheitern oft, aber wir scheitern nicht mit hohen Verlusten in den Unternehmen“, sagt er. Würde ein Geschäftsmodell nach einem halben Jahr nicht funktionieren, dann lasse man es. „Die Fähigkeit muss man haben, das zu erkennen und loszulassen, auch wenn es manchmal emotional schwierig ist.“

Die Nachricht, die Oliver Samwer an den Investor bringen will, bleibt die gleiche: Rocket treibe seine Startups immer näher hin zur Profitabilität, im Jahr 2017 würden drei Firmen den Break-Even erreichen. Das im Vergleich zum Vorjahr um 15,6 Prozentpunkte verbesserte Ebitda im ersten Quartal 2016 wertet er als klaren Trend. Positiv dabei sei außerdem, dass der Umsatz weiterhin stark wachse. Mangels eines anderen Beispiels argumentiert Samwer einmal mehr mit dem E-Commerce-Riesen Zalando: „Wir hätten kein Zalando mit 50 Millionen Umsatz und Profitabilität nach zwei Jahren bauen können.“ Soll heißen: Größe braucht Geduld, bitte.

Auch appelliert Samwer an die Aktionäre, Rocket vorsichtig zu bewerten. „Rocket ist und bleibt ein Wachstumsunternehmen und ich denke, eines der wenigen in der Welt“, so der CEO. „Gleichzeitig warne ich: Rocket wird nie ein Unternehmen sein, bei dem man drei Zahlen anschaut und es bewerten kann.“ Um das Plattformmodell richtig einschätzen zu können, müsse man sich schon eine große Menge an Zahlen anschauen, um ein Gefühl zu entwickeln.

„Wir haben mehr Kapital als jeder andere Internetinvestor in Europa“

Die Aktionäre, die sich bei der Hauptversammlung äußern, loben eine Professionalisierung von Rocket, finden aber auch Kritik. Einer moniert, der Ausgabepreis der Aktie beim IPO von 42,50 Euro sei deutlich zu hoch gewesen, Samwer hätte für einen realistischeren Preis sorgen müssen. Heute notiert das Papier bei weniger als 19 Euro (Stand: 13 Uhr). Von Rockets Finanzchef Peter Kimpel heißt es dazu, der Kurs spiegle nicht den wahren Wert der Firma wider.

Die markigen Worte, die Samwer gestern noch bei der Noah-Konferenz von sich gegeben hatte, nahm der Rocket-Chef vor den Aktionären lieber wieder zurück. „Es ist in keiner Weise so, dass wir uns nicht mit dem Aktienkurs beschäftigen“, erklärt er. „Am Tag beschäftigen wir uns mit den Unternehmen, in der Nacht gehe ich nach Hause und schaue mir den Aktienkurs an.“

Neue Börsengänge der Rocket-Ventures würde er nicht mehr groß vorab ankündigen wollen, erklärt Samwer. Zu überwältigend scheint die negative Resonanz auf den gescheiterten HelloFresh-Börsengang gewesen zu sein.

Für die nächsten Jahre gibt Samwer ein ambitioniertes Ziel aus: Man wolle pro Jahr weiter mit 25 bis 40 Prozent wachsen. Genügend Cash dazu habe man: „Wir haben mehr Kapital als jeder andere Internetinvestor in Europa.“

Quelle: Statista