16 Rocket Internet Hauptversammlung 2017 Samwer Kimpel Kundlich

Das Rocket-Vorstands-Trio: Finanzchef Peter Kimpel, CEO Oliver Samwer und Alexander Kudlich, der Mann für das, was bald kommt

Heute hatte Rocket Internet seine Aktionäre in Berlin zur ordentlichen Hauptversammlung geladen. Wir waren vor Ort und haben in 10 Punkten zusammengefasst, was Firmenboss Oliver Samwer zu sagen hatte – und wie er auf die Fragen der Aktionäre und ihrer Vertreter antwortete.

1. Was macht Rocket eigentlich genau?

Gute Frage. Firmenchef Oliver Samwer stellte sie deswegen selbst und beantwortete sie auch gleich: „Wir sind am Ende etwas, das Unternehmertum promotet.“ In der Szene dürfte der eine oder andere über diese Aussage sicherlich die Nase rümpfen. Rocket identifiziere interessante Themen. Wenn es keine guten Unternehmen gebe, „mache“ die Firmenschmiede das selbst, andernfalls wird investiert. 200 Mitarbeiter sollen beim Wachstum helfen. Der Ronny Rentner bei der IT oder COO Johannes Bruder bei der operativen Effizienz zum Beispiel.

2. Okay. Und dann?

„So. Und dann Skalierung.“ Natürlich klappe es nicht immer, die Firmen zu großen Playern in ihren Märkten aufzubauen. „Viel scheitert. Mehr als skaliert. Viel mehr“, sagt Samwer. Später liefert er dann noch nach: Die Kunst ist, mit wenig Geld zu scheitern. „Wenn es klappt, kann das Payment aber groß sein“ – der Rocket-Boss weist noch schnell auf das Geschäftsmodell hin. Mit den Worten, bei der Skalierung sei Rocket „sehr weit vorne in der Welt“, erinnert Samwer die Aktionäre dann noch einmal daran, warum sie eigentlich in die Firmenschmiede investiert haben. „Und dann kommt die nachhaltige Wertgenerierung.“ Das dürften wohl auch die Aktionäre hoffen.

3. Worauf fokussiert sich Rocket eigentlich derzeit?

Um es kurz zu machen: Food (Delivery Hero und Hellofresh – mehr dazu später), Fashion (die Global Fashion Group: Lamoda in Russland, Dafiti in Südamerika, Zalora in Südostasien und Namshi in Indien), General Merchandise (Jumia in Afrika, „Kaufhof im Internet“) und Home & Living (also Home24 und Westwing).

4. Rocket macht keine Gewinne, aber wie viel verliert die Firmenschmiede? Bitte so, dass man es verstehen kann…

Anzeige
Derzeit 15 Cent pro eingesetztem Euro – bei den wichtigsten Beteiligungen. Immerhin: Das sei besser als vor einem Jahr, da war es noch fast das doppelte, betont Samwer. In Geldnöte komme man damit so schnell nicht: Die Firmenschmiede sitzt auf eineinhalb Milliarden Barreserven (davon 300 Millionen in Krediten), die Portfoliounternehmen hätten noch einmal 800 Millionen zusätzlich. Samwer beteuert: „2017 gibt’s keine Überraschungen. Gibt’s nicht.“ Das Versprechen, bis Ende 2017 drei Unternehmen in die Gewinnzone zu bringen stehe. „Aber bitte – auf drei oder sechs Monate mehr kommt es wirklich nicht an.“

5. Wusste Rocket davon, dass Großinvestor Kinnevik aussteigen würde?

Die schwedische Investmentgesellschaft habe Rocket Internet vom Verkauf eines Teils der Anteile „kapitalmarktkonform informiert, nachdem die Information öffentlich bekannt war“, verrät Samwer. Die Haltefrist für die weiteren Anteile sei abgelaufen, ob Kinnevik diese nun auch verkauft habe – was sich der Geldgeber vorbehalten hatte – könne er nicht kommentieren.

6. In welchen Bereichen wird Rocket in Zukunft aktiv werden?

Für Samwer selbst stehen Fintechs besonders hoch im Kurs, des riesigen Marktpotenzials wegen. „Wir bauen aber nicht das Zalando der Fintechs”, dämpft er die Erwartungen aber gleich. Dennoch: Ein Passus in der Satzung wurde gestrichen, der der Gesellschaft bislang untersagte, Geschäfte zu betreiben, die die Bankenaufsicht genehmigen muss. Dann übernimmt Rockets Zukunfts-Chef Alexander Kudlich: Man könne an den letzten fünf gestarteten Unternehmen erkennen, was die Firmenschmiede vor hat. Zwei im Reisesegment, ein Jobportal, ein Unternehmen im Bereich Catering, eines in der Logistik und eines in der Pflege. Zwei davon sind Dienstleistungsunternehmen, drei Marktplätze. Und regional? Drei der Unternehmen stammen aus Asien, zwei aus Europa. Rocket-Boss Samwer ergänzt: „Wir werden keine fliegenden Autos bauen.“

7. Rocket hat einen Teil seines Geschäfts in Afrika. Wie schaut es dort mit der Zahlungsmoral aus? Und ist das gefährlich – immerhin gibt es in Nigeria kriegerische Auseinandersetzungen?

Man könne dort schon Geschäfte betreiben. Rocket versuche, die Ausfallrisiken möglichst gering zu halten. Oft werde die Ware per Nachnahme ausgeliefert – wer nicht zahlen kann, bekommt auch nichts ausgehändigt. Gefährlich sei es nicht, versichert Samwer, er sei selbst da gewesen. Dennoch: „Es gibt vorbereitete Maßnahmen für die Sicherheit der Mitarbeiter.“

8. Warum Rocket gleichzeitig bei Hellofresh und Marley Spoon engagiert sei. Und wann geht Hellofresh denn nun an die Börse?

„Wenn sich Rocket bei Marley Spoon nicht beteiligt hätte, dann hätte es jemand anders getan“, argumentiert Samwer. Und: Es sei doch besser „bei der Nummer Eins und der Nummer Zwei in einem Markt dabei zu sein.“ Zu möglichen IPOs repetierte Samwer die Floskeln der vergangenen Monate: Er könne zu möglichen Börsengängen nichts sagen und es sei ja nicht allein Rockets Entscheidung. Hellofresh und Delivery Hero entwickelten sich gut und ein IPO sei immer eine Option. Aha.

9. Wie schaut es eigentlich mit Frauen bei Rocket aus? Vorstand und Aufsichtsrat bestehen nur aus Männern.

Aufsichtsratschef Prof. Dr. Marcus Englert: „Es ist kein Männerbund, der sagt, Frauen haben hier nichts verloren.“ Die Posten würden danach besetzt, welche Kompetenzen für das Unternehmen wichtig sind. Das schließe weibliche Mitglieder nicht kategorisch aus. Samwer betont: Viel wichtiger sei die Zahl der Gründerinnen in den Portfoliounternehmen und da gebe es eine positive Tendenz. Mit konkreten Zahlen wollte er das aber nicht belegen.

10. Die etwas andere Statistik

Während die Geschäftszahlen – soweit Rocket sie veröffentlicht – im Wesentlichen bekannt sind, hier ein paar Zahlen zu dem, was die Anwesenden bei der Hauptversammlung zu sehen bekamen:

  • Elf Männer, null Frauen (siehe oben)
  • Sieben graue oder schwarze Anzüge, vier blaue
  • Vier rote Krawatten, vier blaue, eine lilafarbene, eine grüne und eine undefinierbare.

Bild: Chris Marxen / Gründerszene