Der heutige Dienstag an der Börse ist für Rocket Internet erneut ein Schlag. Der Berliner Konzern, der Startups gründet und sie mit Gewinn verkaufen will, steuert einmal mehr auf sein Allzeit-Tief zu: Mehr als fünf Prozent sank der Preis des Papiers bis zum Nachmittag.

Der Aktienpreis schafft es seit dem Ausstieg eines wichtigen Rocket-Großinvestors kaum, sich zu erholen. Selbst positive Nachrichten aus dem Rocket-Universum bleiben ohne Wirkung. So konnte der erfolgreiche Börsengang der Lieferservice-Plattform Delivery Hero – der wichtigsten Beteiligung von Rocket Internet – dem Konzern selbst keinen Aufschwung verleihen. Dabei war dieser IPO ein Zahltag für Rocket: Das Unternehmen bekam Millionen in die Kassen.

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Das Vertrauen der Aktionäre scheint nachhaltig gestört zu sein. Geschadet hat vor allem der Börsengang des US-amerikanischen Kochboxenversenders Blue Apron, der weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Das hat direkte Konsequenzen für Rockets große Beteiligung HelloFresh, die dem US-Vorbild nachempfunden ist. An dem Berliner Unternehmen hält Rocket mehr als die Hälfte der Anteile – doch an die Börse wird sich das Startup in diesem Umfeld höchstwahrscheinlich erst einmal nicht wagen. Mit einer Erfolgsmeldung ist hier also nicht zu rechnen.

Weitere kleinere Exits wie der Verkauf der restlichen Lazada-Anteile an Alibaba oder des Finanz-Startups Lendico blieben ohne langfristigen positiven Effekt auf den Aktienkurs. Ein Grund könnte sein, dass Rocket seit einigen Monaten sein Portfolio aufräumt. Das von Rocket gegründete Foodpanda wurde abgestoßen und in den Wettbewerber Delivery Hero integriert. Die Mehrheit am Modeshop Namshi wurde veräußert, der Kreditmarktplatz Zencap wurde an den großen Platzhirsch Funding Circle abgegeben und bei dem E-Commerce-Startup Linio zieht sich Rocket langsam zurück – um nur einige Beispiele zu nennen.

Was die Aktionäre dabei beunruhigen dürfte: In diesem Jahr hat Rocket Internet noch kein einziges Startup selbst gegründet – oder zumindest nichts an die Öffentlichkeit dringen lassen. Stattdessen wird das Portfolio der selbst gestarteten Firmen dünner, dabei sagte Konzernchef Oliver Samwer noch Ende April: „In diesem Jahr werden wir fünf bis acht Startups launchen.“ Kommt also nun eins pro Monat? Von Rocket heißt es auf Nachfrage, dass man in der Tat weiter mit dieser Größenordnung rechne.

Dennoch muss Konzernchef Oliver Samwer sich etwas einfallen lassen, um Aktionäre und Analysten wohlgesonnener zu stimmen. Erst am Montag gab es noch ein schlechtes Zeichen am Kapitalmarkt: Die britische Investmentbank Barclays hat ihr Kursziel für Rocket auf 22 Euro gesenkt. In der Studie heißt es, die theoretische Werthaltigkeit von Rocket Internet samt seiner Beteiligungen derzeit nicht ausreichend für ein positives Votum.

Bild: Chris Marxen