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Freiheitsturm im Teheraner Stadtteil Tarascht

Wem gehören Bamilo, Mozando, Bodofood und TaxiYaab?

In Wien laufen derzeit die Verhandlungen über einen Atomkompromiss mit dem Iran, im Erfolgsfall könnten eine ganze Reihe von Sanktionen gegen das Land fallen. Bereits seit einigen Monaten beleben sich die Geschäftsbeziehungen mit dem Westen – deutsche Firmen etwa exportierten mit gut einer Milliarde Euro in den ersten fünf Monaten 2014 fast 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum in den Iran.

Auch Rocket Internet, die global operierende Firmenfabrik der Samwer-Brüder, hat nach Informationen von Gründerszene Überlegungen angestellt, im Iran seine Geschäftsmodelle auszurollen. Vollkommen überraschend wäre das nicht – Unternehmen des Inkubators operieren auch vielen nicht ganz krisenfreien Staaten Afrikas; und als sich die ostasiatische Militärdiktatur Burma 2011 in Richtung Demokratie und Marktwirtschaft öffnete, dauerte es nur wenige Monate, bis Rocket mit den ersten Ventures präsent war.

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Trotzdem hat sich Rocket Internet im Iran hingegen gegen einen Markteintritt entschieden, das ist aus dem Umfeld des Inkubators zu hören. „Wir haben kein Geschäft im Iran“, gibt es als einzige offizielle Verlautbarung auf Anfrage. Gleichzeitig aber sind im Netz unzweifelhaft Spuren von mindestens vier der einschlägig bekannten und in Dutzenden anderen Ländern erprobten Rocket-Geschäftsmodellen zu finden: von einer Amazon-Kopie namens Bamilo, deren Logo dem des lateinamerikanischen Amazon-Klons Linio unübersehbar ähnelt; dem Marktplatzportal Mozando, dessen Aufbau stark an die Marktplatz-Blaupause Kaymu erinnert, die der Inkubator bereits in 15 afrikanischen und zehn asiatischen Schwellenländern ausgerollt hat; dem Foodpanda-Ableger Bodofood; und TaxiYaab, das offenbar noch keine Website, aber das Easy-Taxi-Modell als Vorbild hat.

Doch wie kann es sein, dass Rocket damit nichts zu tun hat? Die Erklärung beginnt im Dezember 2013, als der Samwer-Inkubator und das in Südafrika beheimatete Telekom-Unternehmen Mobile Telephone Networks (MTN) die Gründung eines Joint Venture namens Middle East Internet Holding (MEIH) vereinbaren. Im afrikanischen Raum operieren MTN, Rocket und die Kinnevik-Tochter Millicom mit einem ähnlichen Gemeinschaftsunternehmen. Der Auftrag der MEIH: Sie solle „den digitalen Wandel im Nahen Osten einführen und beschleunigen“. Bislang ist die Rocket-Weltkarte dort in Saudi-Arabien, Jemen, Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, Bahrain, Jordanien, Israel und Libanon eingefärbt. Weiße Flecken sind Syrien, der Irak – und eben der Iran.

Doch selbst die vergleichsweise stabile Islamische Republik Iran war Rocket schließlich ein zu heißes Pflaster, wie zu erfahren ist. So soll der Inkubator einen Rollout im Iran zwar ernsthaft unter die Lupe genommen haben – gemeinsam mit MTN, das im Iran bereits als Mobilfunkanbieter aktiv ist. Doch am Ende entschied sich Rocket gegen einen weiteren Ausbau der Aktivitäten – offenbar gegen den Willen des Partnerunternehmens MTN.

MTN treibt Bamilo, Mozando, Bodofood und TaxiYaab nun offenbar in Alleinregie voran. So suchte die MEIH etwa bis vor kurzem über LinkedIn ein Finance Manager, der in Teheran arbeiten soll. In der Stellenanzeige wird die MEIH als ein „aufstrebendes E-Commerce-Unternehmen“ beschrieben, das im Iran die Websites Bodofood.com, Mozando.com sowie Bamilo.com betreibe. Ebenfalls auf LinkedIn sucht die MEIH einen City General Manager für TaxiYaab in der iranischen Hauptstadt Teheran. Gewünschte Qualifikation – ganz im Stile Rockets: „Get shit done-Attitüde“.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Christiaan Triebert