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Zusammen 80 Millionen Euro Verlust bei Rockets Möbel-Projekten

Nicht nur Zalando hat heute Zahlen zum zweiten Quartal bekanntgegeben, sondern auch Investment AB Kinnevik, der schwedische Haus- und Hoffinanzierer von Rocket Internet. Der Kinnevik-Geschäftsbericht (PDF) birgt dabei unter anderem interessante Zahlen zu Rockets Möbel-Ambitionen – zumindest für das vergangene Jahr. Denn während sich Zalando immer mehr der Gewinnschwelle nähert, stehen sowohl beim Shopping-Club Westwing wie auch beim Möbelversender Home24 für das vergangene Jahr jeweils rund 40 Millionen Euro operativer Verlust zu Buche.

Macht zusammen rote 80 Millionen Euro. Immerhin: In beiden Fällen hat sich der Verlust gegenüber 2012 reduziert: Bei Home24 standen damals 81,1 Millionen, bei Westwing 62,2 Millionen Euro zu Buche.

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Insbesondere bei Home24 dürfte man sich angesichts dieser Entwicklung Fragen gefallen lassen müssen: Für 2013 hatte das von Domenico Cipolla, Constantin Eis und Philipp Kreibohm geführte Unternehmen einen Umsatz von lediglich rund 93 Millionen Euro bekannt gegeben, womit das Wachstum nicht höher als im vorangegangenen Jahr war. Rocket-Dimensionen sehen anders aus.

Bei Westwing stellt sich die Lage etwas besser dar, längst hat der viel jüngere Shoppingclub die Online-Shop-Schwester überflügelt. Bei gleichem Verlust und 110 Millionen Euro Umsatz erscheint das Potenzial hier derzeit größer – auch weil das Umsatzwachstum zuvor besser war als bei Home24.

Auch internationale Ventures mit hohen Wachstumskosten

Außerhalb Deutschlands hat sich Rocket Internet Wachstumsmärkte in allen Regionen der Welt zum Fokus gemacht. Insbesondere die Fashion-Ventures Dafiti in Lateinamerika und Lamoda in Russland sind immer wieder mit stolzen Summen gefüttert werden. Umsätzen von 146,9 nach 34,9 beziehungsweise 121,8 nach 78,3 Millionen Euro standen im Gesamtjahr 2013 operative Verluste von 72,9 und 46,9 Millionen Euro gegenüber – in beiden Fällen rund ein Fünftel mehr als im Vorjahr.

Im weiteren E-Commerce-Geschäft, worunter in der Hautsache die Amazon-Klone Lazada in Südostasien, Linio in Lateinamerika und Jumia in Afrika zu verstehen sind, werden die hohen Wachstumskosten ebenfalls deutlich: Bei Umsätzen von 56,8 Millionen, 47,9 Millionen beziehungsweise 29 Millionen Euro stehen negative Ergebnisse von 51,3 Millionen, 33,5 Millionen und 34,1 Millionen Euro zu Buche.

Drei Milliarden Euro flossen in Rocket-Unternehmen

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Neben den laufenden Verlusten stehen die stattlichen Investitionen der meist prominenten Geldgeber. Neben Kinnevik stammt das Kapital von Adressen wie Juri Milners DST, J.P. Morgan, Summit Partners, der britischen Supermarktkette Tesco oder dem kanadischen Lehrer-Pensionsfonds Ontario Teachers Pension Fund – stattliche 2,9 Milliarden Euro flossen seit 2009 in Rocket-Beteiligungen weltweit, wie Kinnevik dokumentiert (PDF). Hinzu kommen rund 100 Millionen Euro, die Rocket Internet direkt investierte.

Die Summe von insgesamt drei Milliarden Euro verdeutlicht die hohen Erwartungen. Sollte wirklich ein Börsengang anstehen, was bei den beachtlichen Rocket-Dimensionen sicherlich alles andere als ausgeschlossen ist, würde Rocket Internet daher mehr als ein vorzuweisender Erfolg sicherlich gut tun. Beim Modehändler Zalando zeichnen sich derzeit zwar Gewinne ab. Allerdings hat man dort zuletzt auch stark auf die Kostenbremse gedrückt. Bei den internationalen Wachstumshoffungen von Dafiti bis Lazada wird man das so bald allerdings nicht machen können – dazu müssen erst noch deutlich höhere Umsätze her.

Da hilft es auch nicht, wenn Oliver Samwer, seit kurzem höchstpersönlich Chef des nun in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Company Builders, sich redlich Mühe gibt, sein Image aufzubessern.


Rocket Internet ist eine der größten Kaderschmieden der Startupszene. Eine Übersicht in Bildern:

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Lea-Sophie Cramer war eine der jüngsten Mitarbeiterinnen im Rocket-Umfeld. 2009 schloss die jetzt 27-jährige ihr BWL-Studium ab, war Beraterin bei der Boston Consulting Group und leitete für Rocket anschließend als Vice President International den asiatischen Groupon-Markt. Mittlerweile ist sie für das Startup Amorelie bekannt. Den Erotik-Online-Shop gründete sie Ende 2012 zusammen mit Sebastian Pollok.

Bild: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von Matt Biddulph