Oliver Samwer: „Keiner unserer Investoren wird eine einzige Aktie verkaufen“

Wem nutzt der Rocket-Börsengang (wenn er denn kommt)? Dem Inkubator, weil er damit frisches Geld für noch schnelleres Wachstum bekommt? Oder den Gesellschaftern – Kinnevik, Access, die Samwer-Brüder -, weil sie ihre Anteile endlich zu Geld machen können?

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Bislang hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens, dass die Rocket-Anteilseigner für den Fall eines Börsengangs keinen Ausstieg planten. Damit stünde das durch einen IPO eingesammelte Kapital vollständig für das angekündigte Wachstum der Firmenfabrik zur Verfügung. Im Gespräch mit dem schwedischen Wirtschaftsblatt Dagens Industri beteuerte Oliver Samwer, in der Zwischenzeit zum CEO der Rocket Internet AG ernannt, vergangene Woche: „Ich denke nicht, dass einer unserer Investoren, weder wir, Kinnevik oder Access, eine einzige Aktie verkaufen würde.“

Nun berichtet allerdings die Wirtschaftswoche unter Berufung auf ein Gutachten der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young sowie Handelsregistereinträge im Zusammenhang mit der Änderung der Rocket-Rechtsform über Geldabflüsse in Millionenhöhe: Allein 2014 hätten die Samwer-Brüder demnach knapp 287 Millionen Euro aus dem Unternehmen abgezogen. Die übrigen Gesellschafter, Kinnevik und Access Industries, hätten statt Cash direkte Anteile an Tochterfirmen des Inkubators erhalten.

Bei Rocket Internet will man die Vorgänge nicht kommentieren. Zumindest die Tatsache, dass der schwedische Investor Kinnevik seine Dividende in Form von zusätzlichen Anteilen an den Rocket-Spartenholdings Bigfoot I (Dafiti in Lateinamerika, Lamoda in Russland, Jabong in Indien sowie Namshi im Nahen Osten) und Bigfoot II (Zalora in Südostasien, The Iconic in Australien sowie Zando und Jumia in Afrika) erhalten hatte, war aber seit Ende Mai bekannt. Der Grund: Kinnevik will damit seine Rocket-Investments besser kontrollieren und auch unmittelbarer Einfluss nehmen können.

Um diesem Interesse Rechnung zu tragen und um die Anteilsverteilung der Rocket-Gesellschafter (die Samwer-Brüder halten etwa zwei Drittel, Kinnevik ein Viertel, elf Prozent hält US-Milliardär Len Blavatnik über Access Industries) nicht zu verändern, so ist im Umfeld des Berliner Inkubators zu hören, sei das an die Samwer-Brüder ausgeschüttete Geld nicht reinvestiert worden. Früher oder später, so heißt es, werde das Geld jedoch wieder investiert werden.

„Wir sind auf dem Weg in Richtung mehr Transparenz“

Rocket-Übervater Oliver Samwer äußerte sich im Interview mit Dagens Industri zudem erstmals zu den Anforderungen eines möglichen Börsengang. Sollte eine Börsennotierung das Unternehmen verlangsamen, „würden wir nicht an die Börse gehen“, so Samwer. „Natürlich hat eine Börsennotierung mehr Transparenz zur Folge. Aber wir sind schon auf dem Weg in diese Richtung.“ Von Beobachtern wird die in hohem Maße verschachtelte und extrem schwierig zu durchschauende Struktur von Rocket Internet als größtes Hindernis für einen IPO genannt.

Mit dem üblichen Selbstbewusstsein porträtiert Samwer zudem die Reaktionsschnelligkeit der Firmenfabrik. „Vielleicht hat jemand eine Geschäftsidee und stellt drei Personen ein. In der Zeit, in der er das geschafft hat, sind wir schon in drei Ländern aktiv! Das ist die Stärke unserer Plattform, das wird in den nächsten 25 Jahren unser Vorteil sein.“

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Lea-Sophie Cramer war eine der jüngsten Mitarbeiterinnen im Rocket-Umfeld. 2009 schloss die jetzt 27-jährige ihr BWL-Studium ab, war Beraterin bei der Boston Consulting Group und leitete für Rocket anschließend als Vice President International den asiatischen Groupon-Markt. Mittlerweile ist sie für das Startup Amorelie bekannt. Den Erotik-Online-Shop gründete sie Ende 2012 zusammen mit Sebastian Pollok.

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