Rocket Zalando Bauchklatscher

Wette bleibt Wette

„Ha, jetzt haben die Samwer-Brüder mit ihren IPOs mal einen verdienten Bauchklatscher hingelegt!“ „Was für ein Reinfall, das geschieht denen Recht!“ Diese hämischen Kommentare tauchten so oder ähnlich in den vergangenen Tagen häufiger auf. Ziemlich genau eine Woche ist es jetzt her, dass zunächst der Online-Versender Zalando und am Tag darauf Rocket Internet ihren Schritt auf das Parkett wagten. Schaut man auf den Kursverlauf seitdem, offenbart sich ein Minus von locker 20 Prozent.

Aber waren die beiden IPOs wirklich so verheerend? Soll es ja schon mal gegeben haben, dass so ein Aktienkurs erst mal einbricht. Und tatsächlich: Twitter, Alibaba, Linkedin, Facebook ganz prominent – all diese Tech-Werte sind in den Tagen nach dem IPO abgesackt, egal wie lange und wie stark die beteiligten Banken den Kurs gestützt haben mögen. Über ihre langfristige Entwicklung sagt das allerdings gar nichts aus. Aber das zählt in der Hitze eines prominenten Börsenganges nicht. Dass gerade Anfang Oktober der Dax auf Tauchstation gegegangen ist, kann den beiden Börsenneulingen auch nicht geholfen haben.

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Ein IPO hat ohnehin keinen richtigen „Ausgang“, er ist ja nur der Beginn einer (dokumentierten!) Entwicklung. Das soll nicht heißen, dass die Verläufe keine klare Botschaft mit auf den Weg gegeben hätten: Die Bewertungen waren recht hoch, vielleicht zu hoch, in jedem Fall waren es Hoffnungswerte. Ein Geheimnis war das aber kaum. Dass sie einmal so wertvoll sein können, gilt es nun zu beweisen. Und ja, die Anlage an der Börse ist Risikogeschäft. Das gilt für Tech-Unternehmen um so mehr, im Internet herrscht Geschäftsmodellverschleis und hektisches Auf und Ab. Dafür locken höhere Renditen. Und anders kann es auch nicht sein, denn sonst würde die Börse gar nicht funktionieren.

Natürlich war der Bauchklatscher abzusehen, wissen die Kommentatoren. Und womöglich haben sie Recht. Wie heißt es ebenso so schön wie inhaltsleer: Nachher ist man immer schlauer. Das gilt ganz besonders für die Börse. Und gerade für Rocket Internet. Heute ging es für beide Papiere schon wieder ein wenig bergauf, bedeutet das eine Trendwende? Vielleicht ja, vielleicht aber auch nicht. Das ist das Spannende an Aktien – und das erst einmal ganz unabhängig davon, was man von Rocket Internet und seinen Geschäftsmodellen hält.

All das ändert nichts daran, dass eine Wette eine Wette bleibt. Das sollten Börsenanleger verstehen. Die Institutionellen tun es, deshalb wetten sie auch nicht ausufernd auf Einzelaktien. Und die Tech-Szene als Ganzes, schadet der vermeintliche Rocket-Absturz ihrem Ruf? Das ist auch kein Drama, die Branche weiß sich auch ohne Börse zu helfen. Der erfolgreiche, dreistellige Millionen-Exit des Werbetechnik-Unternehmens Fyber ist der beste Beleg dafür. Wird Scout24, der wohl nächste Debüttant, an der Börse ein Hit? Im Nachhinein, wann immer das sein mag, werden es in jedem Fall viele gewusst haben, schon immer. Ha!

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