Rocket Internet bewertet sein Portfolio mittlerweile mit sechs Milliarden Euro – diese Rechnung präsentierte die Firmenfabrik gestern bei der Veröffentlichung ihrer Halbjahreszahlen. Dabei fokussierte Rocket sich vor allem auf seine umsatzstarken und doch defizitären zwölf „Proven Winners“ wie HelloFreshFoodpanda und Home24.

Bei der Präsentation auf dem Kapitalmarkttag in London ging es allerdings auch um die jüngsten Startups im Portfolio – wenn auch nur am Rande: Auf Folie 61 listet Rocket seine aktuellsten Launches auf. Die Zukunft des Inkubators soll demnach vor allem bei Kleinanzeigen liegen, außerdem im Mobilitätssektor und im Bereich Essen und Einkaufen – und natürlich wird disruptiert. Eine Übersicht.

Disrupting Classifieds I: Vaniday

Rockets Venture Vaniday soll gegen die ganz Großen im Beauty-Markt antreten: Wie bei dem bereits 2008 gestarteten britischen Wahanda können auf der Plattform von Vaniday Schönheits- und Wellnessbehandlungen gebucht werden. Rocket bewertet das im Frühjahr gestartete Startup mit 20 Millionen Euro. Ende Juli bekam das von Maxime Legardez geführte Startup ein Investment von 15 Millionen Euro. Neben Rocket sollen noch andere Investoren an dem Venture beteiligt sein – welche, wird nicht verraten. Gesellschafter ist, wie bei Rocket üblich, eine luxemburgische Holding. Es wird nicht kommuniziert, wie viele Mitarbeiter bei dem in São Paulo, Mailand, Rom, Paris, London und Dubai operierenden Startup arbeiten.

Disrupting Classifieds II: Lyke

Lyke ist in Indonesien gestartet. Das Startup, dessen Logo von dem selben Designer stammen könnte, der das Airbnb-Symbol verbrochen hat, macht mobiles Shopping.

 

Nutzer sollen aktuelle Trends über die App entdecken und direkt bestellen. Lyke soll in Asien expandieren und nicht nach Europa kommen, berichtet die Berliner Zeitung. Demnach arbeiteten etwa 15 bis 20 Leute von Berlin aus an der App. Lyke wird dabei gegen die übermächtige chinesische Shopping-App Koudai ankommen müssen, die vor einem Jahr 350 Millionen US-Dollar einsammelte und über eine Milliarde wert sein soll.

Disrupting Classifieds III: Carspring

Das Venture Carspring kauft gebrauchte Autos und verspricht seinen Kunden den unkomplizierten Weiterverkauf. Dafür wird laut Unternehmen jeder Wagen anhand von 200 Punkten gecheckt und anschließend zum Verkauf auf die Website gestellt. Sollte Carspring keinen Käufer finden, verspricht das Startup, das Auto selbst abzukaufen. Bisher ist das Unternehmen, das von den Ex-McKinsey-Beratern Peter Baumgart and Maximilian Vollenbroich geleitet wird, nur in London aktiv. Der Start in Berlin war bereits für die vergangenen Wochen geplant, bisher kann man sich auf der deutschen Website allerdings nur registrieren. Carspring konkurriert mit der hoch bewerteten Auto1Group und mit dem Portal IchwillmeinAutoloswerden.de des Unternehmens Dealerdirect, an dem Rocket ebenfalls beteiligt ist. Carspring wurde mit drei Millionen Euro von einem unbekannten Investor finanziert.

Disrupting Classifieds IV: Sparklist

Sparklist wird ein mobiler Second-Hand Marktplatz, der in Kürze in Pakistan starten soll. Das Flohmarkt-Erlebnis soll wie bei Ebay Kleinanzeigen, Shpock oder Stuffle in eine App verpackt werden. Interessierte Nutzer können bereits sich mit ihrer Email-Adresse registrieren. Die Beschreibung bei LinkedIn erwähnt Features wie eine Community, private Chats und kostenlose Kleinanzeigen. Das Team von Sparklist wird demnach von Berlin aus arbeiten.

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Disrupting Classifieds V: Vendemo

Mit Vendomo will Rocket vom Anti-Makler-Trend profitieren. Zahlreiche Startups haben die Gesetzesänderung, nach der nun meistens der Vermieter den Makler zahlen muss, genutzt. Firmen wie Immomio, Mietercasting.de und WunderAgent wollen den Vermietern und Mietern nun direktere Wege bieten, um Kontakt zu knüpfen. Der Gedanke: die Maklergebühr sparen und die Vermittlung der Immobilien günstiger anbieten. Vendomo konzentriert sich dabei nicht nur auf Mietobjekte, sondern auch Immobilien, die zum Verkauf stehen. Das Startup organisiert laut seiner Website Besichtigungen, Exposés mit Kaufpreisempfehlungen und will die Parteien bis zum Vertragsschluss begleiten. Die Preise dafür liegen zwischen 500 und 1.500 Euro. Geschäftsführer ist seit Anfang Oktober Sascha Meskendahl, vorher leitete Johannes Becher die Firma.

Disrupting Food and Groceries: Caterwings

Caterwings ist ein B2B-Marktplatz für Caterer. Das neue Venture startet am 5. Oktober in London, die Expansion nach Deutschland, Österreich und Schweiz ist für den November geplant. Caterwings verbindet Caterer mit Firmen oder Privatkunden, die Gerichte für fünf bis 500 Personen benötigen. Für die Kunden sollen bei einer Buchung keine zusätzlichen Kosten anfallen. Von den Caterern verlangt das Unternehmen allerdings für jeden vermittelten Auftrag eine Provision, die flexibel verhandelt wird. Die genaue Höhe nennt CaterWings nicht. Geleitet wird das Unternehmen von Alexander Brunst und Sebastian Kloss. 21 Mitglieder hat das Team, das von der Rocket-Zentrale in der Berliner Johannisstraße aus arbeitet, bisher. Bis Anfang nächsten Jahres sollen rund 60 Personen für das Venture arbeiten.

Disrupting Travel I: ZenRooms

ZenRooms startet als Portal für Budget-Hotels in Südostasien. Laut VC Circle wurde ZenRooms von Vinay Gupta, Kiren Tanna und Madhur Yadav gegründet. Gupta ist Gründer des Online-Reisebüros Via.com; Tanna war zuvor Asien-Chef von Foodpanda und CEO von Rockets Asia Pacific Internet Group; Yadav war Facebooks Head of Digital Marketing für den Asien-Pazifik-Raum. Das Portal ist noch nicht live, soll aber in Indien, Singapur, Thailand, Indonesien, Malaysia und den Philippinen starten. Im Juni investierten die beiden Ex-Airline-Manager Sanjay Aggarwal und Kaneswaran Avili eine Million US-Dollar.

Disrupting Travel II: DriveJoy

Mit DriveJoy hat Rocket Anfang 2015 einen Drivy-Klon in Großbritannien auf die Straße gesetzt. Der private Carsharing-Dienst, der sich noch in der Beta-Phase befindet, hat laut Stellenausschreibungen seinen Sitz in London und wird „von Rocket Internet unterstützt“.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels war noch von dem Venture Sparklists.com die Rede, das sein Geschäft im Bereich Kinofilm-Suche lokalisiert. Dieses Startup hatte Rocket Internet fälschlicherweise mit Logo in seiner Investoren-Präsentation integriert, aus welcher Gründerszene die Informationen nahm. Gemeint hatte Rocket allerdings im Bereich Classifieds das nun oben beschriebene Startup Sparklist.pk.

Mitarbeit: Hannah Loeffler, Niklas Wirminghaus
Bild: © Bildagentur PantherMedia  / ; Logos: Lyke, Airbnb