Rublys_Gründer

Die Rublys-Gründer Michael Rottmann (links), Andreas Quast, Manuel Zwittag und René Meszarits

„Die Qualität unserer Mitstreiter war durchmischt – wie bei Deutschland sucht den Superstar“

Wenn Briefkästen „Stopp!“ bellen und Ad-Blocker sich gegen die Anzeigenflut im Netz aufbäumen, dann ist das eine Kampfansage an die werbetreibende Industrie. Ihr ist der werbeverdrossene Verbraucher ein Dorn im Auge, weil er mit Scheuklappen durch die Welt geht und auf teuer erkaufte Werbeplätze pfeift.

An Angeboten zur vermeintlich werbefreien Kundenbindung basteln Gutscheinportale wie Groupon oder DailyDeal zum Teil schon seit Jahren. Einen etwas anderen Weg will nun das österreichische Startup Rublys gehen. Es verspricht neue Kundenstämme und Beziehungspflege für Anbieter auf der einen und Annehmlichkeiten für Verbraucher auf der anderen Seite – und setzt dabei auf Glücksspiel.

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Über die für Android und iOS erhältliche Rublys-App erhalten Nutzer täglich 15 „Nüsse“. Diese Währung kann gegen Rubbellose eingetauscht werden, die von Unternehmen bereitgestellt werden und die der Nutzer selbst auswählt. Im Gewinnfall gibt es dafür entsprechende Produkte oder Gutscheine.

Mit der digitalen Sofortlotterie war das Gründerteam von Rublys im vergangenen Herbst bei der Startup-Show 2 Minuten 2 Millionen des österreichischen Privatsenders Puls 4 angetreten – trotz bestehender Finanzierung. Der deutsche Ableger Die Höhle der Löwen ist vergangene Woche auf Vox gestartet.

Michael Rottmann, der Rublys mitgegründet hat und heute CMO des Unternehmen ist, lässt die Auftritte der Konkurrenz bei 2 Minuten 2 Millionen Revue passieren: „Die Qualität unserer Mitstreiter war durchmischt. Manche waren stärker, andere schwächer – wie bei Deutschland sucht den Superstar.“

Was aber brachte Rublys in die Verlegenheit, sich für die Teilnahme an einer Casting-Show zu entscheiden? „Für uns und unser Produkt war es wichtig, ein breites Publikum zu erreichen“, erklärt Rottmann den Schritt vor die Kamera. „Vor der Show war Rublys noch nicht on air. Während der Übertragung war es dann zum ersten Mal möglich, die App herunterzuladen. Das haben die Leute auch getan – und wir hatten ein erstes Nutzerfundament.“

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Zwei Finanzierungsrunden hatte Rublys vor dem Start der Show abgeschlossen: Neben neun Investoren war auch Michael Altrichter bereits eingestiegen. Dass Altrichter auch als Show-Juror auftrat, habe sich in Anbetracht der kleinen österreichischen Startupszene nicht vermeiden lassen, beteuert Rottmann. Auf die Entscheidung der Jury habe seine Beteiligung aber keinen Einfluss genommen.

Von Daniel Mattes und Hansi Hansmann kassierte Rublys im Rahmen von 2 Minuten 2 Millionen nochmals sechsstellig ein – und erhielt von SevenVentures Austria ein Medienvolumen in Höhe von 440.000 Euro. Das spielten die Gründer in der ersten Hälfte des Jahres aus, schalteten TV-Spots und starteten Mobile-Marketing-Kampagnen. Eine weitere interne Finanzierungsrunde folgte. Inzwischen zählt Rublys 300.000 Nutzer, davon 65.000 in Deutschland. Erste Fernseh-Spots sollen hier im Herbst anlaufen.

„Das Fernsehen war für uns ein guter Starthebel“, resümiert Rottmann und stellt der Show ein recht positives Zeugnis aus. „Dass wir bereits Investoren hatten, war allerdings ein großer Vorteil. Wer schon einen Geldgeber im Boot hat, hat’s immer leichter. Damit waren wir nicht abhängig vom Ergebnis des Auftritts.“

Der übrigens sei nervenaufreibend gewesen, wie Rottmann gesteht. „Das Ganze wurde zwar aufgezeichnet, war also nicht live, wäre aber in jedem Fall ausgestrahlt worden, auch wenn ich mich grenzenlos verhaspelt hätte.“

Mit Rückenwind durch TV-Reklame will das vierköpfige Gründerteam – Mitgründer Camillo Pachmann hat Rublys inzwischen verlassen – die Millionen-Nutzer-Marke noch bis Ende des Jahres knacken. Ohne den klassischen Werbeblock im Fernsehen, das dürfte das große Medienaufgebot deutlich machen, kommt eben auch eine werbefreie Werber-App nicht aus.

Bild: © Georg Bodenstein