Telepresence

An die 3.000 Artikel wurden 2014 auf Gründerszene veröffentlicht – News, Analysen, Features, Ortstermine, Kommentare, Fachbeiträge oder Interviews. Was hinter den Kulissen passierte, damit diese Artikel überhaupt zustande kamen, was Gründerszene-Redakteure während ihrer Arbeit Kurioses, Ärgerliches, Bemerkenswertes erlebten – das erzählen sie zum Jahresende in einer Serie. Im viertel Teil blickt Alex Hofmann zurück, stellvertretender Chefredakteur von Gründerszene.

Meine Reporter-Highlights 2014

1. Unnötig. Dass Gründer mit viel Feuer hinter ihrem Startup stehen, ist das, was die Szene ausmacht. Was ihr besondere Energie verleibt. Nicht immer läuft aber alles so, wie erhofft. Fehler werden gemacht, einiges funktioniert nicht. Und manches ist nüchtern betrachtet nicht so außerordentlich positiv, wie es das Gründerherz gerne dargestellt hätte. Auch darüber wollen und müssen wir berichten – und wir geben uns Mühe, immer fair zu bleiben. Freunde macht man sich damit nicht unbedingt, das gehört zum Job, Journalismus hat nichts mit Kuscheln und Gefälligkeiten zu tun. Dann gibt es auch schon mal Rechtsanwalts- oder Abmahnungs-Androhungen. Auch 2014 passierte das mehrmals (weil haltlos, ist es bei leeren Drohungen geblieben). Neulich hieß es: „Bitte treten Sie nicht mehr an mich heran“ – was außerordentlich schade ist. Und unnötig, denn wir suchen immer den Dialog.

2. Freundlich. Aber dann sind da die vielen offenen, ansprechbaren, besonnenen Gründer. Diejenigen, die man auch mal spät abends oder früh morgens noch erreichen kann, wenn es eilt.

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Die auch offen über das Schiefgelaufene sprechen können. Die nicht jeden Satz im Interview von der PR zurechfeilen lassen. Die Tippgeber. Szene-Köpfe, die uns helfen, Geschehnisse einzuordnen. Davon gab es 2014 zum Glück wieder eine ganze Menge. An Euch alle an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön! Ohne Euch wäre der Job nicht annähernd so interessant und spannend.

3. Unverhofft. Veranstaltungen gibt es in Berlin, Hamburg oder München unzählige. Oft trifft man die „üblichen“ Event-Gänger, fast immer lernt man ein paar neue Leute kennen. Und dann sind da die echten Startup-Überraschungen. Zwei Beispiele aus diesem Jahr sind etwa das kleine Berliner Startup Small Improvements und die Video-Meme-Macher von Dubsmash. In beiden Fällen lernte ich die Gründer auf eher kleinen Events kennen.

4. Beeindruckend. Manchmal gibt’s dann auch die Treffen, aus denen erst einmal keine Geschichte wird. In München traf ich zum Beispiel Paypal-Mitrgründer Max Levchin. Nur so, zum Quatschen. Schnell wurde mir klar: Da sitzt vielleicht einer der schlausten Menschen, die ich je getroffen habe. Man mag seine Einstellung zum Thema Datenschutz vielleicht nicht bis ins letzte Detail unterschreiben können. Aber wenn man mit ihm über Startups spricht, über Wirtschaft und vor allem Gesellschaft merkt man gleich: Der etwas nerdig aussehende Typ da gegenüber hat was auf dem Kasten. Und eine beeindruckende eigene Geschichte. Noch so ein Beispiel: Dropbox-Gründer Drew Houston. Beim relaxten Abendessen in Dublin bewies er, dass man sich auch als Chef eines Milliarden-Dollar-Startups noch für das deutsche Fernsehprogramm, europäische Politik und Irish Coffee interessieren kann. Ist schön, wenn man als Journalist mal nicht der Fragensteller ist.

5. Verrechnet. Tech-Startups müssen natürlich immer das neueste vom Neusten haben. Skype ist da von gestern, heute loggt man sich in einen Telepräsenzroboter ein. Zumindest im Silicon Valley scheint das der neueste Schrei zu sein. Das funktioniert auch ganz gut – solange man sich nicht beim Zeitunterschied verrechnet. Und so passiert es dann auch mal, dass man mit dem Roboter durchs menschenleere Büro cruist. Liebes Humin-Team, es war schön bei Euch! Vielleicht sieht man sich ja bald auch mal in echt.

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