Ausrangierter Fernseher

Hat bis zum Start der zweiten Staffel „Die Höhle der Löwen“ erstmal ausgedient: der Fernseher.

An die 3.000 Artikel wurden 2014 auf Gründerszene veröffentlicht – News, Analysen, Features, Ortstermine, Kommentare, Fachbeiträge oder Interviews. Was hinter den Kulissen passierte, damit diese Artikel überhaupt zustande kamen, was Gründerszene-Redakteure während ihrer Arbeit Kurioses, Ärgerliches, Bemerkenswertes erlebten – das erzählen sie zum Jahresende in einer Serie. Im dritten Teil blickt Werkstudentin Elisabeth Neuhaus zurück.

Meine Reporter-Highlights 2014

830 Stunden, 132 Artikel und sechs Abende auf dem Sofa. Das ist meine Bilanz von sieben Monaten Gründerszene. Zumindest die quantitative. Aber weg von den Zahlen. Und später auch: Tschüss, Hauptstadt! Ein halbes Jahr zwischen Berlin und Frankfurt.

1. Gründer auf dem Radar. Seit Juni ist er chronisch interessant: der Startup-Scanner. Von der Weihnachtsbaum-Vermietung über den Bettwäsche-Konfigurator bis hin zur verkappten Facebook-Alternative waren schon recht viele verrückte Ideen dabei. Manchmal muss man da schon genauer hinsehen, um zu kapieren, was genau der Künstler uns mit seinem Werk eigentlich sagen will. So wie neulich, als der Gründer eines Onlineshops für Quallen per Mail auf sich aufmerksam machen wollte. Wie das Geschäft mit den Medusen so läuft, erfahrt Ihr vielleicht an anderer Stelle.

2. Wind und Wetter. Eine der ersten Veranstaltungen, zu der ich zitiert werde, findet auf der Dachterrasse eines Hostels in Berlin-Mitte statt. Das Quecksilber hat die 30-Grad-Marke erreicht. Und es steigt und steigt, während ich die Treppenstufen erklimme. Oben angekommen kündigt der Veranstalter des Events eine Live-Schalte nach Philadelphia und Harare in Simbabwe an, von wo aus Unterstützer ihren Senf dazu geben sollen. Doch die Verbindung kippelt, der Ton ist mies. Das Publikum versteht ziemlich genau: nichts. Dazu brennt mir die Sonne auf den Kopf, mein Laptop schmort und im Plantschbecken herrscht Hochbetrieb. Keine besonders guten Voraussetzungen, um einen kühlen Kopf zu bewahren und fleißig zu tippen. Ich denke an vergangene Termine in klirrender Kälte und stelle fest: Journalisten müssen witterungsbeständig sein – und ein dickes (Trommel-) Fell haben.

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3. Nachtschicht mit Raubkatzen. August und September stehen im Zeichen des Löwen. Ja, okay, das klingt erst einmal wie eine astrologische Plattitüde, gemeint ist aber „Die Höhle der Löwen“. Sechs Wochen lang begleite ich die Startup-Show – und schlage mir dabei die ein oder andere Nacht um die Ohren. Zur siebten Folge lösen mich die Kollegen dann ab. Ein Glück. Im Nachhinein ist’s trotzdem spannend gewesen. Und seitdem feststeht, dass zumindest Vural Öger und Jochen Schweizer in Staffel zwei wieder mit von der Partie sein werden, ist ein Wiedersehen ja auch in greifbare Nähe gerückt.

4. Poesie am Telefonhörer. Zum Abschluss der ersten Staffel #DHDL führe ich ein Interview mit Juror Schweizer. Der ist so angetan von einem seiner Investments, nämlich dem Musik-Startup MyLovesong, dass er mir am Telefon kurzerhand ein typisches MyLovesong-Ständchen trällert. Die Handlung in Kürze: Mann trifft Frau auf der Party eines Freundes und verliebt sich auf den ersten Blick. Schweizer drückt es, ganz poetisch und mir rollendem „r“, wie folgt aus: „Ich verfiel dir sofort“. Aha. Das machen die also.

5. Kontrastprogramm im Wolkenkratzer. Zurück im beschaulichen Rheinhessen geht es im Auftrag von Gründerszene im November zu aller erst auf eine Fintech-Konferenz nach Frankfurt. 18. Stock und Bankenviertel statt Altbau und Prenzlauer Berg. Einfach so lässt man mich hier gar nicht erst passieren. Stattdessen heißt es, der Einlass sei nur unter Vorlage eines Presse- oder Personalausweises möglich. Oh je. Den hatte in Berlin nie einer sehen wollen. Nach einer strapaziösen Prozedur am Empfang dann die nächste Überraschung: Das piekfeine Publikum siezt mich. Uff. Die Erkenntnis der Stunde: Hier weht ein anderer Wind als in der Hipster-Hauptstadt.

Bild: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von J-Cornelius