Rückwärtsdenken - Exit Startups - CMS

Profigolfer planen ihr Spiel rückwärts. Der letzte Schlag muss ein kurzer Putt sein, der mit Sicherheit eingelocht wird. Wie muss also die Ausgangslage für den vorletzten Schlag sein, um den Ball für den letzten Schlag nahe an das Loch zu bringen? Welche Folge hat dies für die vorangegangenen Schläge und schließlich, wo muss der Ball nach dem ersten Schlag, dem Abschlag, liegen? Rückwärtsdenken hilft auch bei der Planung des Wachstums und des Exits eines Startups. Wenn ein Startup gegründet wird und es eines der Ziele ist, dieses Unternehmen später einmal zu verkaufen, so lautet die rückwärtsgewandte Frage: Wie muss ich mein Unternehmen aufstellen, so dass es für einen Käufer attraktiv ist? Aus rechtlicher Sicht kann man fragen: Was sind neben dem erfolgreichen Business Case des Unternehmens die rechtlichen Grundlagen, die diesen wirtschaftlichen Erfolg absichern? Es sind die Inhalte der Garantien, die der Käufer sich von den Verkäufern beim Exit geben lässt, um seine Bewertung abzusichern und für die die Verkäufer einstehen müssen, sollten sie nicht richtig sein. Rückwärts betrachtet, empfiehlt es sich also, von Anfang an auf die Punkte zu achten, die sich ein Käufer später einmal als Garantie zusichern lassen wird. Drei Beispiele:

1. IP-Garantien

Eine klassische Garantie enthält die Zusicherung, dass die Gesellschaft über sämtliche, teils exklusiven Rechte an den genutzten gewerblichen Schutzrechten (Intellectual Property) verfügt. Hierzu ist von Anfang an sicherzustellen, dass sämtliche Verträge mit Mitarbeitern, Freelancern und sonstigen Kooperationspartnern entsprechende IP-Klauseln enthalten. Gerade in der Gründungsphase wird oft vergessen, Schutzrechte, die bei den Gründern entstanden sind, zu übertragen.

2. Open Source-Garantie

Setzt das Startup Open Source ein, lässt der Käufer sich oft garantieren, dass die Verwendung der Open Source, die sonstige Software der Gesellschaft nicht infiziert, d.h., dass nach den OS-Bedingungen nicht etwa die gesamte Software wiederum der Public Domain zur Verfügung zu stellen ist. Für das Rückwärtsdenken des Startups heißt dies: Von Anfang an dokumentieren, welche Open Source zu welchen Bedingungen eingesetzt wird.

3. Finanzgarantien

Eine der wichtigsten Garantien für den Käufer ist die Zusicherung, dass die Jahresabschlüsse richtig sind. Um hier sicher zu sein, empfiehlt es sich – auch wenn dies Geld kostet ‑, die Abschlüsse von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft stets prüfen zu lassen. Die meisten VCs verlangen dies nach ihrem Einstieg ohnehin. Wer geprüfte Abschlüsse vorlegen kann, kann auch ruhigeren Gewissens eine entsprechende Garantie abgeben. Für manche Unternehmen ist der Exit leider ein langwieriger Prozess. Idealerweise sollte der Verkauf des Startups ein kurzer Putt sein; ein Schlag, der mit Sicherheit ins Loch geht. Rückwärtsdenken ab Tag Eins hilft.

Jörg Zätzsch - Rechtsanwalt & Partner CMS Hasche Sigle

Dr. Jörg Zätzsch

Rechtsanwalt & Partner CMS Hasche Sigle

www.cms-hs.com

 

 

Artikelbild: AJ Montpetit/stocksnap.io